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Regional „Rain Man“ mit Rufus Beck in Duderstadt
Nachrichten Kultur Regional „Rain Man“ mit Rufus Beck in Duderstadt
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00:17 02.02.2013
Starkes Team: Karl Walter Sprungala (links) und Rufus Beck als ungleiches Brüderpaar. Quelle: Haymann
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Duderstadt

Als der aalglatte Autohändler Charlie Babbit, gespielt von Rufus Beck, erfährt, dass nicht er die sieben Millionen Dollar Hinterlassenschaft seines Vaters erbt, sondern ein unbekannter Nutznießer, ist die Sachlage für ihn eindeutig. Da er sich sein Leben lang nicht nur um die Fürsorge seines Vaters betrogen fühlte, sondern nun auch um dessen Erbe, beschließt er, den Begünstigten ausfindig zu machen, um seinen Erbanteil zu erpressen. Während seiner Suche stößt er auf seinen autistischen Bruder, der bisher verborgen in einer Klinik lebte und nun das Geld erben soll. Babbit entführt ihn auf einen Roadtrip durch die USA, bei dem sich die unterschiedlichen Brüder annähern.

Das tragikomische Schauspiel „Rain Man“ nach Dan Gordon entführt die Zuschauer auf eine Reise, an deren Ende die Protagonisten nicht nur zueinander, sondern auch zu sich selbst finden. Das auf dem gleichnamigen, preisgekrönten Film basierende Stück wurde von Manfred Langner für das Alte Schauspielhaus Stuttgart inszeniert und nun zum zweiten Mal auf Tournee durch Deutschland geschickt.  Am Dienstag machte das Ensemble Station in der Duderstädter Eichsfeldhalle.

Karl Walter Sprungala spielt den in seiner Welt gefangenen, intelligenten Ray. Er tritt in große Fußstapfen, denn Dustin Hoffmann wurde für seine Darstellung des Autisten im gleichnamigen Film 1989 mit einem  Oscar ausgezeichnet. Sprungala spielt den hochintelligenten Ray mit Aberwitz und Ernst, ohne die Erkrankung zur Schau zu stellen, und beschert dem Publikum viele komische Momente.  Ähnlich passend besetzt ist Beck als Charlie, der besonders in den Dialogen mit Sprungala brilliert. Beck zeigt die Ambivalenz Rays, in dessen Psyche die fehlende Fürsorge des Vaters und der frühe Verlust seiner Mutter tiefe Spuren hinterlassen haben. Beide Akteure werden ihren komplexen Figuren gerecht.

Sprungala und Beck überzeugen vor allem durch die langsame Annäherung aneinander. Als Ray, nicht unbedingt ein Menschenfreund, Gefühle für seinen Bruder entwickelt und versucht, die Lebensweise des Autisten zu verstehen, sind viele Zuschauer berührt. Spätestens dann wird deutlich, dass die Brüder mehr gemeinsam haben als das gleiche Elternhaus: Beide haben Probleme mit Gefühlen. Der eine kann keine menschlichen Regungen verstehen, der andere will es nicht. Am Ende ihrer gemeinsamen Reise gelingt es ihnen, Stücke ihrer Fesseln zu sprengen. Auch der Zuschauer tritt entfesselt und beseelt von zwei wunderbaren Stunden Unterhaltung den Weg nach Hause an. Im Hinausgehen raunen viele Besucher leise: „Die Aufführung war viel besser als der Film.“

Von Elisa von Hof

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