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Regional Ramser inszeniert „paradies fluten“
Nachrichten Kultur Regional Ramser inszeniert „paradies fluten“
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14:28 05.02.2018
Regisseurin Katharina Ramser, die am Deutschen Theater in Göttingen „paradiese fluten" inszeniert. Quelle: Christina Hinzmann
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Göttingen

Erstaunliche Dinge hat Autor Köck Regisseuren als Handreichung mit auf den Weg gegeben. Von einer verirrten Sinfonie ist das die Rede, von einem ertrinkenden Tanzensemble, einem erschöpften Sinfonie-Orchester und einer „durchschnittlichen weißen Familienaufstellung der 90er-Jahre als Schreckgespenst“. Der Autor habe sehr viel geschrieben, was sich mit dem Stück machen lässt, erklärt Regisseurin Ramser. „Man kann das ernstnehmen, aber auch mit Ironie.“

Themen in „paradies fluten“: Vom Kapitalismus bis zur Globalisierung

Köck schlägt einen Bogen vom Beginn des Kapitalismus und der Globalisierung bis hin zum Ertrinken der Menschen – oder der Gesellschaft – in den Fluten der Ozeane, deren Wasserspiegel unaufhörlich ansteigen. Ein Thema zu Beginn ist der Kautschukboom im Südamerika des 19. Jahrhunderts und die Folgen, den der Gummi-Export nach Europa mit sich brachte. Das Personal, auf das Köck in diesem weltumspannenden Desaster sein Augenmerk richtet, ist eine Kleinfamilie und ihr Kampf ums Überleben. Der Vater versucht, die Existenz seiner Lieben mit einer kleinen Autowerkstatt zu sichern, die Tochter träumt von einer Karriere als Tänzerin.

Die Figuren seien von Köck nur skizziert worden, nicht psychologisch angelegt, erklärt Ramser, die am DT bereits „Zerbombt“, „Terror“ und „Peak White oder Wirr sinkt das Volk“ inszenierte. Der Architekt, der die berühmte Oper in Manaus gebaut hat, taucht auf, auch ein Entwicklungshelfer. Sehr assoziativ habe der Autor seinen Text gehalten, so Ramser, geschrieben ohne Großbuchstaben, Punkt und Komma, „ein sinfonisches Feuerwerk an Material“. Sehr viele Vorbereitung hätten sie getroffen, sehr viele Gespräche geführt, sagt Ramser. Und: „Wir haben uns entschieden, die Assoziationen zu übersetzen und mit Bildern zu füllen.“

Mit dem Ensemble des Deutschen Theaters ins Gespräch kommen

Sie schätze die große Freiheit, die der Text lasse, erklärt die Regisseurin – und „unglaublich viel Humor und Ironie“ des Autors. Der sei „keine Ibsen und kein Lessing, aber er bildet etwas ab, was uns heute beschäftigt. Ein Leben, das wir nicht überblicken. Du hast einen Strang in der Hand, und wenn sich dann mehr öffnet, wird’s unübersichtlich“. Sie halte das Werk „für sehr intelligent geschrieben“. Es mache unglaublich viel Spaß, es mit den Schauspielern zu bearbeiten. Es sei sehr dicht und eng verfasst, lasse aber viel Luft für Assoziationen und dafür, „den Gedanken nachzurennen“. Ramser glaubt nicht, dass die Theaterbesucher alles verstehen werden. Sie hofft aber, dass sie sich darauf einlassen, dass sie Fragen stellen und mit dem Ensemble ins Gespräch kommen. Denn: „Ich glaube fest daran, dass Theater diskursiv ist.“ Das Ensemble ist übrigens mit elf Schauspielern üppig besetzt: Andrea Strube, Florian Donath, Florian Eppinger, Benjamin Kempf, Dorothée Neff, Gerd Zinck, Marco Matthes, Marie Seiser, Nikolaus Kühn, Paul Wenning und Ronny Thalmeyer.

„Ein Stück, das lohnt, oft nachgespielt zu werden.“ Das habe Köck der Textfassung seines Werkes mitgegeben, berichtet Ramser – und schließt sich vorbehaltlos an.

„paradies fluten“ hat am Sonnabend, 17. Februar, um 19.45 Uhr Premiere im Deutschen Theater Göttingen, Theaterplatz 11. Kartentelefon: 0551/4969300.

Von Peter Krüger-Lenz

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