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Realitätsnaher Trauerstoff

Domino-Theaterfest Realitätsnaher Trauerstoff

Mathilde (Anna von Schrottenberg) liegt im Bett und kann nicht schlafen. Dann kommt auch noch ihre kleine Schwester Zus (Elisabeth Fues) herein und will mit ihr spielen. Mathilde ist genervt. So weit, so normal. Doch im Laufe des Stücks „Schwestern“ in einer Inszenierung des „Theaters der jungen Welt“ in Leipzig zeigt sich der Abgrund, an dessen Rand Mathilde steht.

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Zwei Schwestern: Mathilde (links, Anna von Schrottenberg) und Zus (Elisabeth Fues).

Quelle: EF

Zus ist tot, von einem Zug überrollt. Mathilde fühlt sich schuldig. Der Niederländer Theo Fransz hat mit „Schwestern“ ein Stück über Liebe, Trauer und Abschied nehmen geschrieben – schwerer Stoff im Rahmen des Domino-Theaterfestes Göttingen im Studio des Deutschen Theaters.

Erwachsene kommen in dieser Kinderwelt nicht vor. Gelegentlich spricht man von ihnen, doch Mathilde muss mit ihrer Trauer und ihren Schuldgefühlen selbst fertig werden. Sie hält sich in ihrem Zimmer auf und kommuniziert mit der toten Schwester. Sie streiten, spielen, sprechen miteinander. Mathilde hat Angst, Zus auf ewig zu verlieren.

Gerüstwürfel Kinderzimmer

Ausstatterin Dorothee Neuling hat anstelle eines realistischen Kinderzimmers einen Gerüstwürfel entworfen, in dem sich die Schauspierinnen bewegen. Sie agieren nebeneinander, hintereinander, übereinander. Das gibt ihrem Spiel noch mehr Tiefe, als es eh schon besitzt. Denn vor allem Elisabeth Fues als Zus strahlt. Sie hält die Fäden in der Hand und vermeidet jeglichen Klein-Mädchen-Habitus, und das ist gut so. Regisseur Stephan Beer hat die beiden sehr behutsam gelenkt und auf die Kraft seiner Akteurinnen gesetzt. Ein Plan, der aufgegangen ist.

Doch bei aller Klasse der Inszenierung bleibt die Frage nach der Notwendigkeit eines solchen realitätsnah umgesetzten Trauerstoffes im Rahmen dieses Theaterfestivals. Natürlich kann man Kinder und Jugendliche mit Tod konfrontieren. Muss man aber nicht. Die allermeisten von ihnen haben hoffentlich andere Sorgen und Nöte.

Von Peter Krüger-Lenz

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