Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Reihe Historischer Musik: Ensemble Fiorello in der Aula der Göttinger Uni
Nachrichten Kultur Regional Reihe Historischer Musik: Ensemble Fiorello in der Aula der Göttinger Uni
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:07 20.02.2015
Passend zum Motto „Heldinnen“ der Händel-Festspiele: die Musikerinnen des Ensembles Fiorello. Quelle: Theodoro da Silva
Göttingen

Statt sich nur auf historische Persönlichkeiten zu fokussieren, thematisieren sie auch die Psyche von Frauen. Soll eine Frau Selbstmord begehen aus Liebeskummer? Mit dieser Frage startet das Ensemble das Konzert. Dafür interpretiert es die Kantate „La Mort de Didon“ von Michel-Pignolet de Montéclair.

Nach der anfänglichen und üblichen leichten Unsicherheit spürt man schnell die Qualität des Sextetts: ein traumwandlerisches Zusammenspiel sowie hohe Kompetenz und viel Klangbewusstsein auf den Instrumenten. Im Zentrum des Ensembles steht die Sopranistin Lucie Rosznyó mit ihrer klaren und warmen Stimme – frei von aufgesetztem, artifiziellem Pathos.

Dann kommt die Frage nach der Psyche der Frauen: Moderatorin und Cembalistin Markéta Cechová zitiert Georg Philip Telemann mit einer Textstelle über weibliche Stimmungslagen. Anschließend spielt das Ensemble die Triosonate h-Moll des Komponisten. Es wird zu einem emotionalen Zwiegespräch zwischen der Violinistin Magdalena Malá und Jana Vavrínková an der Viola mit sehr anspruchsvollen Solopassagen. Mit dem Quartett g-Moll folgt ein weiteres Instrumental-Stück von Telemann.

Dramaturgisch geschickt

Hier brilliert Michala Roubalová auf der Blockflöte mit schön moduliertem Ton. Wie in den anderen Stücken fällt der perfekt harmonierende, druckvolle Generalbass auf, den die Cembalistin und die stets lächelnde Cellistin Helena Matyásová spielen.  Als zeitgenössisches Werk präsentieren Fiorello „Die Elemente“ des tschechischen Komponisten František Gregor Emmert (geb. 1940). Hier nehmen die Musikerinnen erneut Bezug auf die angebliche Wechselhaftigkeit von Frauen. Das für sie geschriebene Werk fügt sich in die Barockmusik des Abends ein – in der eher konsonanten Stimmung  wie auch der verspielten Art.

Dramaturgisch geschickt sparen sich die Musikerinnen ein Werk von Georg Friedrich Händel bis zum Schluss auf. Bei der Arie „Sdegno amore“ aus der Oper „Arianna in Creta“ besingt die Sopranistin eine Frau aus der antiken Mythologie, die mit der Liebe ihres Geliebten hadert. Hier läuft die Sängerin wie auch das längst warmgespielte Ensemble zu Höchstform auf. Das Publikum applaudiert begeistert den Musikerinnen, die sich mit diesem Konzert eine starke Position im Wettbewerb erspielt haben.

Erhebend, beschwingt und lehrreich ist die Zugabe: Mit einer wunderschönen Arie von Josef Antonín Gurezky (1709-1769) stellt das Ensemble einen Komponisten aus Tschechien vor – einem Land dessen Barockmusik es hierzulande noch mehr zu entdecken gilt.

Von Udo Hinz

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!