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Regional Reise des Göttinger Knabenchores mit Auftritten in Südafrika
Nachrichten Kultur Regional Reise des Göttinger Knabenchores mit Auftritten in Südafrika
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20:16 05.04.2013
Auftritt im Jugendheim in Johannisburg: Die Sänger um Chorleiter Michael Krause holen einen Choristen ab, der dort ein Praktikum absolviert. Quelle: EF
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Johannesburg

In Pretoria werden die Jungen auf Familien  verteilt. „Ich fand es sehr gut, dass wir in Gastfamilien untergebracht waren, so hat man die Menschen in dem Land etwas kennen gelernt. Es ist spannend, zu erfahren, dass es so weit weg deutsche Gemeinden gibt“, sagt der elfjährige Sebastian Görs. Gordon Prager (13) und Leopold Schmarsel (15) ergänzen: „Unsere Gastmutter war schwerbehindert, und sie hat uns trotzdem aufgenommen. Sie ist uns mit so viel Liebe begegnet. Wir haben uns richtig wohl gefühlt.“

Am nächsten Tag steht ein Konzert an. Die Göttinger sind nach dem Jacaranda-Chores dran und trotzen großer Hitze in 1500 Metern Höhe. Viel Beifall gibt es am Ende, und die feuchte Konzertkleidung wandert anschließend wieder in die Koffer. Zum Abschied und Dank an die Gasteltern der ersten Station singt der Chor am Bus „Nun zu guter Letzt“ von Mendelssohn Bartholdy. Dieser Brauch wird die Reise begleiten.

Warzenschwein vom Grill

Die nächste Station liegt am Berg Venture in den Drakensbergen. Dort schweift der Blick über die weite, grüne Landschaft und auf die rosa glühenden hohen Tafelberge in der Ferne. In Winterton gibt es eine ausführliche Probe und dann ein Konzert. Das Grillfleisch, das zur Belohnung serviert wird, schmeckt allen hervorragend. Was niemand weiß: Es ist Warzenschwein.

Für die Reise sind die Choristen in so genannten Patengruppen organisiert, in denen die Älteren sich um die Jüngeren kümmern. Das funktioniert bei Unternehmungen wie dem Besuch der Aquariums- und Wasserwelt in Durban hervorragend. Den Schluss dieses Ausflugs bildet für alle ein Bad im Indischen Ozean. „Das Wetter hat mich froh gemacht. Der Strandbesuch in der Gruppe und die großen Wellen waren ein riesiger Spaß“, sagt Paul Hermann (15) begeistert.

Dreistündiger Gottesdienst

Auch in Pietermaritzburg findet der Chor wieder große Gastfreundschaft vor. Die Familie des Pfarrers will sogar die beiden Jungen bei sich versorgen, die inzwischen erkrankt sind. Hier ist gerade Ostermarkt, und so kommen sehr viele Besucher zum Konzert des Knabenchors. 
Im Kloster Mariannhill trifft die Gruppe erstmals auf eine üppige neoromanische Kirche mit Kreuzgang, in der der Chorgesang sein Volumen noch steigert. Der Palmsonntag wird zu einem würdigen Tag: Drei Stunden Gottesdienst feiern und gestalten die jungen Sänger mit, vom festlichen Einzug mit Palmzweigen mit der schwarzen Gemeinde der Stadtkirche Central Parish bis hin zur Verköstigung der rund 350 Kirchgänger in brütender Hitze.

Wie kontrastreich Südafrika ist, erfahren die Besucher beim Eintreffen im Internat der Deutschen Schule Hermannsburg. Es ist kühl, die Backsteinbauten erinnern im Nebel an Filme aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Die Schüler sind bunt gemischt, und beim Empfangsabend klappt die Kommunikation auf Anhieb. Man redet deutsch und englisch.

Menschen schließen sich in die Arme

Chorleiter Michael Krause hat in den nächsten Tagen eine anspruchsvolle Aufgabe: In einem Workshop sollen alle Internatsschüler gemeinsam mit seinem Chor singen. Tanzbewegungen übt eine Lehrerin ein, und eine Dirigierschule soll gemeinsam mit dem Hermannsburger Chorleiter absolviert werden. Was zunächst schwierig erscheint, klappt blendend: Der ganze Raum swingt, Ohrwürmer setzen sich fest. „So viele verschiedene Kulturen und Menschen gehen aufeinander zu und haben sich in die Arme geschlossen. Das fand ich super“, sagt Daniel Wiedecke (12).

In Eshowe erwartet die Gruppe ein skurriles, liebevoll in die Jahre gekommenes Gruppenquartier: Che Guevara und leicht bekleidete Blumenmädchen an den Wänden, bunte Polster auf der Veranda, rostige Möbel im wilden Garten, Schimmel hinter dicken Kissen, Heuschrecken und Frösche im Duschraum. Auf der Veranda gibt es Brote mit Käse und Tomaten. Dann besichtigen die Jungs ein nachgebautes Zulu-Dorf, in dem Einheimische Einblick in die Familienstruktur der Zulu vermitteln und Handwerks- und Tanztraditionen vorführen. Dann wird der Knabenchor in das offizielle Programm der Zulu-Show mit 150 Zuschauern eingebaut. Die circa 20 Darsteller stimmen in die Lieder ein, die der Chor vortragen darf.

Nilpferde und Krokodile

In St. Lucia angekommen, stürzen die Kinder begeistert in den Pool einer traumhaften Anlage mit Häusern, in denen jeweils fünf Choristen untergebracht sind. Der Blick führt über eine Parkanlage zum Fluss. Am Nachmittag fahren die Kinder dort zu Nilpferden und Krokodilen. „Ist das geil hier! Können wir nicht fünf Tage bleiben?“, fragt Felix Hillmann (12). Am Abend dann: „Selbst bei Licht in der Pizzeria hat man den Sternenhimmel so toll gesehen“, berichtet Florentin Schleuß (9). „Unglaublich, wie schnell die Nacht hereinbricht und wie schnell es wieder Tag wird“,  ergänzt Henning Klapproth (17).

In Hluhluwe beginnt die Safari durch den Nationalpark mit Übernachtung im Hilltop-Camp, wo Nashörner und Zebras ihre Aufwartung machen. Immer zwei Jungen bewohnen eine Rundhütte. Um 6 Uhr am Morgen steigen alle in Jeeps und schießen unendlich viele Fotos, denn Nashörner stehen auf der Straße, Giraffenhälse stehen auf dem Kamm des Hügels und ein Elefant reißt drei Meter entfernt einen großen Ast vom Baum.

Wilde Wasserläufen, rote Schotterpisten

 „Das ist ja alles wirklich toll hier – aber irgendwie habe ich jetzt auch mal wieder richtig Lust aufs Singen“,  meint Sebastian Kedziora (26). Und so kommt es auch: In Augsburg/Paulpietersburg erwartet die Choristen auf einem englisch anmutenden Rasen und einer neogotischen kleinen Kirche eine freundliche deutsche Gemeinde. Sofort geht es zur Probe, und im Jugendhaus, wo alle untergebracht sind, wird bereits ein Grillabend vorbereitet.

Und wieder einmal kann man die Wandlung der quirligen Jungs in würdige Sänger bewundern: Der Ostergottesdienst wird bereichert durch Gesang, und das ist die beste Werbung für das Konzert am Abend. Zuvor jedoch haben sich die Gastgeber etwas Besonderes ausgedacht: Eine Pick-up-Fahrt durch die weiten Gebiete der Farmer, vorbei an wilden Wasserläufen, über rote Schotterpisten, an goldenen Steppen entlang. „Das war wohl nicht so ganz nach dem Gesetz, mit 100 Sachen im Pick-Up über die Schlaglöcher zu fahren, aber es war wahnsinnig lustig“, sagt Tobias Buck-Gramcko (12). Doch die Anstrengung fordert auch ihren Tribut: Beim abendlichen Konzert müssen einige Sänger aussetzen. „Ich hatte ziemliche Angst, als die stärksten drei Soprane ausgefallen sind. Aber wir haben es trotzdem geschafft“,  erzählt Till Koch (13). Der Chor­-Älteste Kedziora fasst schließlich zusammen: „Ich bin stolz auf die Sänger und begeistert, zu sehen, zu was wir in der Lage sind.“

Traumhafte Landschaft: die Sänger am Berg Venture in den Drakensbergen. Freizeit: die Göttinger Jungen im Indischen Ozean.

► Der Knabenchor kommt zu einem Reiseabschluss-Konzert am Sonnabend, 6. April,  in die Kirche St. Marien, Neustadt in Göttingen. Der Abend beginnt um 18 Uhr.

Von Priscilla Graepler

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