Volltextsuche über das Angebot:

3 ° / 1 ° Schneeregen

Navigation:
Bittner bleibt am Thema Ukraine dran

Rezension: "Die Eroberung Europas durch die USA" Bittner bleibt am Thema Ukraine dran

Der Göttinger Schriftsteller Wolfgang Bittner ist weiter am Thema Ukraine dran. Die Neuauflage seines Buches „Die Eroberung Europas durch die USA“ ist vor wenigen Tagen erschienen. Es enthält ein neues Schlusskapitel über die jüngsten politischen Entwicklungen und medialen Einschätzungen.

Voriger Artikel
„Jedermann“ vor der Stiftskirche
Nächster Artikel
Diese Filme starten am Donnerstag im Kino

Göttingen. Von Martin Block

Bittner nimmt darin nicht nur das Dauer-Konfliktthema Ukraine auf, sondern auch den Dauerkrieg in Syrien und das Dauerthema Donald Trump, das offensichtlich weder auf die Ukraine noch auf Syrien einen beruhigenden, deeskalierenden Effekt hat. Das schien zunächst anders werden zu können: Trump sprach von guten Beziehungen zu Putin, die sowohl den USA wie Rußland nützen würden. Doch das politische Establishment, die Geheimdienste wie die westlichen Medien hätten diese Absicht Trumps zu torpedieren gewusst, schreibt Bittner.

In der Erstauflage war Bittner bis ins Jahr 2015 gekommen. 2016 war Obamas letztes Präsidentschaftsjahr. Nach außen hin sei er der joviale Freundschafts-Präsident gewesen, nach innen der knallharte und konventionelle Machtpolitiker, der mit den Drohneneinsätzen, der Ukraine-Eskalation und der entlarvenden Bezeichnung Rußlands als „Regionalmacht“ sich kaum von seinen Vorgängern Bush senior und Bush junior unterschieden habe. Das irritiert, hatte doch Obama gerade in Deutschland eine ungeheure Popularität und setzte er mit „Obama-Care“ ein beachtliches sozialpolitisches Ausrufezeichen. Doch Bittner legt den Finger in die Wunde, denn am Ende ist entscheidend, wie ein US-Präsident ökonomisch und politisch zur internationalen Machtfrage und damit zum internationalen (sozialen) Frieden steht.

Aber auch über Trump macht sich Bittner keine Illusionen. Polternd, irrlichternd und oftmals erschreckend ahnungslos zerschlage er mehr Porzellan, als überhaupt verfügbar ist, so Bittner. Seine ursprünglich rußlandfreundliche Haltung sei dem alten US-amerikanischen Machtreflex gewichen. Ohne klare Linie in Wirtschafts-, Innen- und Außenpolitik sei er nie eine Alternative gewesen.

Dies wirke sich laut Bittner auch auf Europa aus. Die vierte Macht der westlichen Demokratien, die Medikative, entscheide heutzutage sehr diffizil über die öffentliche Meinung. Bittner macht das an einer Antwort Putins auf eine Frage in einer öffentlichen Diskussion deutlich: Seine sehr differenzierte Antwort sei in den Medien einfach weggelassen worden. Ganz allgemein scheint laut Bittner ein neuer Kalter Krieg wieder angestrebt zu werden.

Die mediale Desinformation fuße allerdings auch auf rechtlichen Grundentscheidungen, die laut Bittner dem Medieneinfluß in nichts nachstünden. So sei vom Grundgesetz her die Vorbereitung eines Angriffskrieges von deutschem Boden aus verboten. Nicht aber ein Angriffskrieg selber. Man fragt sich unwillkürlich, ob damit doch wieder die Aufrechterhaltung des deutschen status quo aufscheint mit der heiligen Kuh „Wohlstandssicherung“ - oder gar mehr.

Bittner hört die Signale, es sind allerdings die Alarmsignale eines neuen Kalten Krieges. So endet Bittner skeptisch.

Wolfgang Bittner, Die Eroberung Europas durch die USA, Frankfurt/Main 2017, Westend Verlag, 256 Seiten, 18 Euro.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
NDR2-Soundcheck: Statements von der Open City Stage am Sonntag