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Sabrina Francis im Göttinger Apex

Karibisches Flair Sabrina Francis im Göttinger Apex

„Accoustic Soul from the West Indies“ nennt die auf der Karibik Insel Grenada lebende 22-jährige Sängerin und Songwriterin Sabrina Francis ihre lebhaft rhythmische Musik. Mit ihrer dreiköpfigen Band hat sie an einem trüben Herbsttag frische Sommergefühle auf die Kulturbühne des Apex gebracht.

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Sabrina Francis

Quelle: Jörg Linnhoff

Göttingen. Sie gilt als Naturtalent und singt nach eigener Aussage seit ihrer frühesten Kindheit. Unterstützt wird Francis dabei auch von ihrer Mutter, die selbst als Sängerin und Songschreiberin aktiv ist. Mit 17 Jahren trifft Francis den Schweizer Musiker Dieter Burkhalter. Aus der Begegnung wird eine enge Zusammenarbeit, in die Burkhalter sich als Pianist, Arrangeur, Mentor und Manager einbringt. Francis’ Band trägt den vielsagenden Namen „For the love of music“. Mit der jungen Gitarristin Alesia Aird und dem Multitalent und Schlagzeuger Keane Jules hat sie neben Burghalter zwei weitere kongeniale Partner gefunden.

Ihre kleine Europa-Tour, die sie im Apex beginnt, führt die Band weiter über die Schweiz nach Italien und Österreich. Im Gepäck haben sie ihr Debüt-Album „Think in colour“, von dem sie schon mehr als 1000 Exemplare auf Grenada verkauft hätten, was für die kleine Insel sehr viel sei, verkündet Francis stolz. Farbenfroh ist nicht nur der lange Umhang der Sängerin, sondern ihr ganzer Auftritt, den sie mit dem Song „Colour me“ beginnt.

In dem Video zum Song „Echo“ scheint Francis unter der Decke zu schweben. Das Lied bezeichnet sie als eine Art Gebet. Überhaupt scheint Spiritualität eine große Rolle in ihren Texten zu spielen. Sehr tragend schwebt auch ihre kraftvolle, variable Stimme über der souligen, perkussiven Musik. Auf der Bühne verzichten die Musiker nahezu auf jeglichen Einsatz von Elektronik und schaffen so einen fast rein akustischen, sehr organischen Klang.

Die Kompositionen werden eindeutig von Francis’ beeindruckender Stimme getragen, während E-Piano, Gitarre und Schlagzeug eher zurückhaltend agieren und den Liedern ein passendes, sehr rhythmisches Kleid geben. Dass ihre Musik dabei auch afrikanische Züge trägt, verwundert nicht. Die Einwohner Grenadas stammen zu mehr als 95 Prozent ganz oder teilweise von Afrikanern ab, die von europäischen Kolonialisten zur Sklavenarbeit auf die Insel verschleppt wurden.

„And I, I wanna rule my destiny“ singt Francis immer wieder im Refrain des gleichnamigen Titels und huldigt mit dem Song dem in Jamaika geborenen und wegen Drogenhandels derzeit inhaftierten Reggae-Musiker Buju Banton. „Bless my mother“ stimmt sie mit dunkler Stimme an. Das Stück entwickelt einen ganz eigenen Spannungsbogen, von afrikanischer Djembe und sphärischen Keyboardteppichen untermalt.

Francis ist überrascht, dass sich die Besucher während der Stücke so still verhalten. Mit an Geschwindigkeit zunehmenden Rhythmen, Wechselgesang und rollenden E-Piano-Klängen zu Francis’ ausgelassenen Tanzeinlagen feiern die Musiker im Laufe des zweiten Sets ihre ganz eigene kleine Party auf der Bühne und zünden dazu ein klangliches Feuerwerk.

„The crowd“, geschrieben von ihrer jüngeren Schwester, kündigt Francis als den letzten Song an. Aber das begeisterte Publikum ruft zu rhythmischem Klatschen nach Zugaben.

Die bekommt es auch mit „Free fallin´“, einem Tribute an den kürzlich verstorbenen US-Musiker Tom Petty und dem „Redemption Song“ von Bob Marley. Nach einem durchweg stimmungsvollen Konzert hält Francis nur zur Pianobegleitung mit Heinrich Heines „Loreleylied“ noch eine ganz besondere Überraschung bereit.

Von Jörg Linnhoff

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