Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Sänger aus Cheltenham und Göttingen begeistern in der Johanniskirche
Nachrichten Kultur Regional Sänger aus Cheltenham und Göttingen begeistern in der Johanniskirche
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
12:47 05.11.2018
Konzert in Freundschaft: Cheltenham Bach Choir, Göttinger Stadtkantorei und Göttinger Symphonie-Orchester unter David Crown in der Göttinger Johanniskirche. Quelle: Michael Schäfer
Göttingen

Schon seit Jahrzehnten besuchen sich die Göttinger Stadtkantorei und der Cheltenham Bach Choir gegenseitig. Nach zwei gemeinsamen Konzerten in England haben die Chöre der Partnerstädte erneut zusammen ein Konzert in Göttingen gegeben. Aus Partnern sind Freunde geworden.

Die Choristen boten unter der Leitung von David Crown, seit 2015 Dirigent des Cheltenham Bach Choir, zusammen mit dem Göttinger Symphonie-Orchester (GSO) ein komplett britisches Programm. Am Anfang stand ein Instrumentalstück: die Enigma-Variationen von Edward Elgar. Crown kennt sich in der Emotionalität dieser Musik aus, keine Frage – seine Zeichengebung freilich war nicht sehr exakt und nicht besonders differenziert. Gleichwohl präsentierte das GSO dieses kontrastreiche und geistvolle Werk mit feinen Ausdrucksnuancen und harmonisch im Zusammenspiel, wozu sicherlich auch die professionelle Führung durch Konzertmeisterin Natalia Scholz beitrug.

Ein Hauch Last Night of the Proms wehte anschließend bei Elgars „Pomp & Circumstance“-Marsch Nr. 1 durch das Kirchenschiff, dessen nachträglich eingefügter Chorpart „Land of Hope and Glory“ als eine heimliche britische Nationalhymne fungiert. Es war schön zu beobachten, mit welcher Hingabe nicht nur die Sängerinnen und Sänger aus Cheltenham, sondern auch die Göttinger Choristen diese staatstragende Hymne schmetterten. In seiner Begrüßung hatte Bernd Eberhardt, der Leiter der Stadtkantorei, eindringlich darauf hingewiesen, dass dieses gemeinsame Konzert auch ein Stück Europa bedeute. Diese Hymne machte seinen Gedanken auf eine ausgesprochen vergnügliche Weise deutlich.

„Sea Symphony“ als Höhepunkt

Schluss- und Höhepunkt des Abends aber war die 1910 uraufgeführte „Sea Symphony“ von Ralph Vaughan Williams (für Göttingen eine Erstaufführung), eine in vier Sätzen wogende Hymne an das Meer auf einen Text von Walt Whitman. Es ist gewiss kein Zufall, dass dieses Werk in einer Zeit komponiert wurde, in der Großbritannien nicht nur eine Weltmacht, sondern auch die führende Seenation auf dem Globus war. Dieses Grundgefühl von Kraft und Stärke durchweht die Symphonie allerorten – und zugleich steht die Seefahrt als Bild für das menschliche Leben, das stets Stürmen und anderen Gefahren ausgesetzt ist: „O meine tapfere Seele! O weiter, weiter segle! O kühne Freude, doch sicher! sind sie nicht alle Gottes Meere?“

Vaughan Williams malt diese Gedanken mit einer überaus reichen Klangfarbenpalette, erfindet überwältigende Steigerungen – idyllische Inseln haben in diesem wilden, breiten Strom nichts zu suchen. Chor und Orchester unter der immer wieder vorwärtsdrängenden Leitung von David Crown gestalteten ihren Part mit großer Leidenschaft, auch wenn feinere dynamische Abstufungen oder Präzision der Einsätze in Crowns Dirigat nicht eben die Hauptrolle spielten. Die beiden Gesangssolisten – die stimmstarke Sopranistin Nathalie de Montmollin und vor allem der ganz unangestrengt strahlende Bariton von Hansung Yoo – setzten vokale Glanzlichter. Ein Sonderlob gebührt dem wunderbar intensiven Violinsolo von Natalia Scholz. Nach dem ergreifenden Pianissimo-Schluss der Symphonie spendete das begeisterte Publikum lang anhaltenden, lautstarken Applaus.

Neuauflage nach sechs Jahren

Zum ersten Mal sind die Göttinger Stadtkantorei und der Cheltenham Bach Choir vor sechs Jahren gemeinsam in Göttingen aufgetreten. Auf dem Programm des Konzerts am 27. Oktober 2012 standen Werke von Edward Elgar und Carl Rütti. Die Aufführung der Sea Symphony am 3. November 2018 war also das zweite gemeinschaftliche Projekt in Göttingen.

Von Michael Schäfer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

32 Gemälde der Göttinger Malerin Leena Krüger sind unter dem Titel „Früher war alles viel größer“ in der Torhaus-Galerie ausgestellt. Noch bis zum 2. Dezember ist die Ausstellung zu besichtigen.

09.11.2018
Regional Studio Wasserscheune in Erbsen - Ausstellung „Birkendickicht" von Linde

Abtrakte Farbverläufe und Stämme, die Federn gleichen, sind die Merkmale der Kunstwerke, die Carsten Linde im Studio Wasserscheune zeigt. Die Ausstellung wird am Sonntag, 4. November, eröffnet.

02.11.2018

Von den Fans gefeiert worden ist die Band Tonbandgerät bei ihrem Konzert in Göttingen. Zuvor heizte die Gruppe Bruckner das Publikum in der ausverkauften Musa an.

05.11.2018