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Regional Samuel Finzi liest „Hiob“
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16:42 15.03.2019
In Göttingen zu Gast war Samuel Finzi schon 2016: Er las Texte von Joachim Ringelnatz beim Göttinger Literaturherbst. Quelle: Niklas Richter
Göttingen

Begleitet wird er dabei von den Gebrüdern Glücklich mit Geige und Akkordeon. Der Abend in Göttingen ist die Premiere für eine Lesereise durch Deutschland.

Auf der Grundlage des Romans, den Roth 1930 schrieb, hat der Regisseur und Produzent Martin Mühleis eine moderne Bühnenerzählung geschaffen. Finzi ist einem großen Publikum als Gerichtsmediziner in den Kieler Tatorten bekannt. Seit 2005 spielt er hier an der Seite von Axel Milberg. Im Fernsehen war er auch als Ermittler „Flemming“ zu sehen, im Kino in Til Schweigers Film „Kokowääh“.

Ein menschliches Drama

Lange musste ihn Mühleis nicht bitten, bei der Produktion mitzumachen. „Ein großartiger Roman“ sagt Finzi über Roths Buch, „einer der schönsten Romane, die ich je gelesen habe.“ Das Buch sei tiefgehend, beschreibe ein menschliches Drama.

In „Hiob“ erzählt Roth die Lebensgeschichte Mendel Singers, eines Tora-Lehrers, der mit seiner Frau bereits zwei Söhne und eine Tochter hat, als ihr viertes Kind, Menuchim, geboren wird. Menuchim ist krank – und sein Leiden wird zur schweren Prüfung für die gesamte Familie. Viele Schicksalsschläge erlebt Mendel im Folgenden.

Roth erzähle dessen Geschichte in einer faszinierenden Sprache, die an die einfache und zugleich pathetische Sprache des Alten Testament erinnert, so Mühleis. Doch bei allem Leid: nie komme der lebensschlaue, jiddische Witz in dem Text zu kurz. Wie Hiob in der biblischen Geschichte scheint auch Mendel alles zu verlieren und angesichts der Härte der „Strafe“ an Gott zu verzweifeln. Am Ende aber erfährt er ein spätes Glück. Und so ende der Abend versöhnlich.

„Ich lese gern vor“

„Ich lese den Text, mache mir meine Gedanken dazu“, sagt Finzi über seine Vorbereitung auf „Hiob“. Spannend werde es für ihn, wenn in den Proben nächste Woche vor der Premiere die Musik dazu komme. „Wir haben das Stück schon einmal gespielt, aber ohne Musik“, erzählt der Schauspieler. Er wisse momentan noch nicht, welche Musik der Violinist Roland Satterwhite und der Akkordeonspieler Valentin Butt – die Gebrüder Glücklich – machen werden. Und wie dann der gesamte Eindruck werde und wie das dann funktioniere.

Finzi, der viel für Kino und Fernsehen filmt, aber auch immer wieder Theater spielt, freut sich auf das Gastspiel: „Ich lese gern vor.“ Er spiele überhaupt alles gern, Fernsehen, Theater, Film. Im Theater zähle der Moment. In jeder Stadt sei so ein Gastspiel anders, die Leute verschieden. Ob sein Publikum zurückhaltend oder von Anfang an begeistert sei, das sei für ihn in seinem Spiel nicht wichtig. Das Publikum zum Lachen zu verführen sei einfach. Und dass „ein Publikum reserviert ist, heißt ja nicht, dass es ihm nicht gefällt“, sagt Finzi. Es könne auch die Konzentration auf ein Spiel zeigen.

Karten beim Deutschen Theater

Beginn der Lesung „Hiob“ mit Samuel Finzi und den Musikern Gebrüder Glücklich ist am Freitag, 22. März, um 19.45 Uhr im Deutschen Theater. Karten für die Lesung gibt es unter der Telefonnummer 0551 /49 69-300 oder unter der Mail-Adresse theaterkasse@dt-goettingen.de.

Die Akteure

Samuel Finzi, Jahrgang 1966, spielte von 2003 bis 2005 an der Berliner Volksbühne engagiert. Seit 2006 spielt er am Deutschen Theater Berlin. Für seine Rolle des Wladimir in Warten auf Godot wurde Finzi mit dem Gertrud-Eysoldt-Ring 2015 ausgezeichnet, von der Jury der Fachzeitschrift „Theater heute“ wurde er zum Schauspieler des Jahres 2015 gewählt. Til Schweigers Kinofilm „Kokowääh“ machte ihn in Deutschland einem breiten Kino-Publikum bekannt, seit 2005 spielt er den Rechtsmediziner Dr. Stormann in den Kieler Folgen des „Tatort“. Er spielte in der Krimiserie Flemming ebenso wie im ARD-“Tel-Aviv-Krimi“.

Gebrüder Glücklich

Valentin Butt studierte Akkordeon an der Hochschule für Musik „Hanns EislerBerlin. Regelmäßig arbeitet er mit den Berliner Philharmonikern, an den großen Berliner Theatern wie der Schaubühne, dem Deutschen Theater und dem Berliner Ensemble wirkt er seit Jahren als Musiker, Komponist und musikalischer Leiter.

Den US-amerikanischen Geiger, Bratschisten und Sänger Roland Satterwhite hat Butt in Berlin kennengelernt. Seit 2008 lebt der Musiker in der deutschen Hauptstadt. In seinem Viola-Spiel hat er eine eigene, fast gitarrenähnliche Anschlagstechnik entwickelt, die er vor allem in seinem Trio Tolyqyn einsetzt.

Von Christiane Böhm

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