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Regional Saša Stanišić liest im Literarischen Zentrum Göttingen
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13:19 22.07.2014
Von Peter Krüger-Lenz
Offen, sympathisch, enthusiastisch: der Schriftsteller Saša Stanišić. Quelle: Heller
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Göttingen

Der Autor, der für diesen Auflauf verantwortlich ist, heißt Saša Stanišić. 1978 wurde er in Bosnien geboren. Zur Schule ging er aber in Deutschland.

Seine Eltern waren mit ihm vor dem Krieg geflohen. Schon sein erstes Buch „Wie der Soldat das Grammofon repariert“ hatte er nach dem Erscheinen 2006 im Zentrum vorgestellt. Diesmal war er mit dem in diesem Jahr erschienenen Roman „Vor dem Fest“ gekommen. Im Frühjahr ist Stanišić dafür mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet worden.

Stanišić beschreibt darin das Leben in einem kleinen Dorf. Fürstenfelde heißt es in dem Buch und liegt in der Uckermark. Fürstenwerder heißt es im wirklichen Leben und liegt auch in der Uckermark, verriet der jungenhafte Schriftsteller. Doch der Ursprung liegt in seiner Heimat.

„Das Dorf wird aussterben“

Mit seiner Großmutter habe er vor etwa fünf Jahren ein kleines Dorf in Bosnien besucht, erzählte er. Ein Drittel der Namen auf Grabsteinen seien seiner gewesen, alles Verwandtschaft. Viele lebten dort nicht mehr, „das Dorf wird aussterben“, sagt Stanišić.

Er habe die Geschichte des Dorfes festhalten wollen und angefangen, darüber zu schreiben. Das fiktive Fürstenfelde sei daraus entstanden, eine Freundin habe ihm erzählt, dass es das von ihm erdachte Dorf bereits gebe: Fürstenwerder. Dort recherchierte Stanišić dann weiter.

Stanišić liest dann von der Fähe, dem weiblichen Fuchs also, der um den Hühnerstall schleicht, von Dietmar Dietz, Briefträger, ehemaliger Stasispitzel und Hühnerzüchter. Frau Kranz, die mehr oder weniger ambitionierte, auf jeden Fall aber unerschütterliche Malerin, die die Chronik von Fürstenfelde in Öl festhält, taucht auf und der Fährmann, der stirbt.

„Es ist ganz komisch, wenn man so gerne das eigene Buch liest“

Stanišić zeichnet seine Charaktere mit großer Zuneigung. Er vermeidet jede ironische Distanz, schreibt dafür klug und bemerkenswert einfühlsam. Er findet schöne Formulierungen und hin und wieder überraschende Wendungen. Das Buch allerdings, das die Stunden um das Annenfest schildert, ist ein eher schillerndes als eines, das reich an Tempo wäre.

Die Lesung zieht sich folglich ein wenig. Obwohl Stanišić schon zu Beginn bekundet: „Es ist ganz komisch, wenn man so gerne das eigene Buch liest.“ Dieser Enthusiasmus macht einiges, aber nicht alles wett.

Der Autor trägt mit großer Begeisterung vor und blickt dabei so oft ins Publikum, dass ihm anschließend von Besuchern sogar schauspielerisches Talent bescheinigt wird. Er wirkt offen, sympathisch und lässt sich auch von einer Frage nicht aus dem Konzept bringen, die Moderatorin Katharina Koller stellt, obwohl Stanišić sie Minuten vorher schon beantwortet hatte.

Eine tolle Saison bescheinigen sich Zentrumsleiterin Anja Johannsen und ihre Stellvertreterin Gesa Husemann zu Beginn des Abends gegenseitig, Husemann hebt noch die tolle Stimmung hervor. Da sitzt Stanišić bereits auf dem Podium und schaut sich das Ganze vergnügt an. Hinterher signiert er freundlich Bücher, und die Spielzeit geht mit einem kleinen Sommerfest zu Ende. Heiß war es.

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