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Sascha Grammel und seine Puppen zu Gast in der Göttinger Stadthalle

Verliebt in die Geldautomaten-Schildkröte Sascha Grammel und seine Puppen zu Gast in der Göttinger Stadthalle

Kannst Du bitte mal die Mütze abnehmen?“ fragt der Comedian und Bauchredner Sascha Grammel seine Handpuppe Frederic Freiherr von Furchensumpf, eine Adler-Fasan-Mischung mit Kapuzenpulli und cooler Sonnenbrille. „Hetz … mich … nicht! Ich hatte einen Unfall beim Friseur,“ antwortet Frederic genervt. Etwas beschämt enthüllt er den Kopf, ein bunter Irokesenschnitt kommt zum Vorschein, den der Friseur mit einem Anti-Schuppen-Mittel verzapft hatte. Das Publikum in der ausverkauften Göttinger Stadthalle grölt.

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Comedy mit Puppen: Sascha Grammel mit dem doppelten Hamburger Prof. Dr. Peter Hacke, Ökotrophologe.

Quelle: Vetter

Als Frederic dann auch noch seine Sonnenbrille absetzen soll und seine schielenden Augen zu sehen sind, können sich die Zuschauer vor Lachen kaum auf den Stühlen halten. Der sonst so freche Vogel wird traurig: „Jetzt lachen wieder alle“, meint er herzzerreißend und ein mitleidiges „Ooh“ geht durch die Menge.

Ein tosender Applaus ertönt als Grammel ankündigt: „Ende des Jahres wird flächendeckend in Deutschland ein neuer Geldautomat eingeführt.“ Denn das Publikum weiß, was jetzt kommt: Josie, eine zuckersüße, sprechende Schildkröte – der Geldautomat der Zukunft. Der Komiker klopft an den Panzer. Langsam lugt ein Kopf mit großen Kulleraugen hervor und erklärt mit piepsiger Stimme: „Ich werde Sie jetzt durchs Menü führen.“ Als Josie Grammel dann unerwartet abknutscht und für diesen „Kundenservice“ 50 Euro verlangt, die allerdings bereits von seinem Konto eingezogen wurden, hat sich jeder in diese witzige Schildkröte verliebt.

Das besondere an den Figuren des Bauchredners ist, dass sie ihre Augen und Augenlider bewegen und sogar ihre Nase rümpfen können. Dadurch erhalten sie eine faszinierende Mimik. Neben Frederic und Josie gibt es noch den doppelten Hamburger Prof. Dr. Peter Hacke, der als weltbekannter Ökotrophologe bereits ein Buch über Ernährung geschrieben hat und eine Kuh zum Thema Laktose-Intoleranz interviewte.

Aber nicht nur Puppet-Comedy beherrscht der charmante Komiker aus Berlin, auch sonst kann er das Publikum erheitern – mit Stand-up-Comedy oder Videoeinspielungen. Die Bühnenshow – deren Kulisse eine Mauerwand, eine Straßenlaterne und Holzkisten bilden – wird mit Licht- und Musikeffekten zu einem Erlebnis. Außerdem bezieht Grammel das Publikum immer wieder ein, beispielsweise als er zwei Zuschauer auf die Bühne bittet, ihnen einen beweglichen Mund umbindet und sie dann ausfragt, um ihre Antwort selbst aus dem Bauch zu geben. Das abschließende Glanzlicht des gelungenen Abends ist sein „Sandmann“-Schattenspiel, mit den verschiedensten Figuren, von E.T. bis zu einem Wolf, der einen Hasen verschlingt. Absolut grandios.

Von Noreen Hirschfeld

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