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Regional Schatten der Seele
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00:18 25.01.2017
In seiner neuen Solo-Tanzperformance "Maboroshi" nähert sich der Göttinger Butoh-Tänzer Tadashi Endo der unsichtbaren Seele an. Quelle: HW
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Göttingen

Eine Spannung füllt den ganzen Saal: Tadashi Endo liegt von einem Mantel verhüllt auf der leeren schwarzen Bühne - doch seine Aura spüren die Zuschauer bis in die letzte Sitzreihe. Aber was spürt man eigentlich genau? Als Tänzer ist Endo weder Mann noch Frau, er ist Mensch, Kreatur. Auf dem Boden liegend muss er sich auf der Bühne erst ganz langsam ins Leben hinein kämpfen, bis er aufrecht steht - zum Menschen wird. Er ist ein Suchender. Sein emotionaler Tanz kommuniziert mit dem Unterbewusstsein der Zuschauer. Das Publikum spürt es ganz deutlich: Es ist mehr im Raum als nur der Körper dieses Butoh-Künstlers. Plötzlich ist der Tänzer zwei Mal zu sehen: einmal als Person hell von vorne angestrahlt und noch einmal größer als Schatten an der Rückwand der Bühne. Da ist die durch einen Kunstgriff sichtbar gemachte Seele. Sie ist größer als der eigentliche Mensch.

Dann ändern sich die Stimmungen: In einer mit Licht wunderschön inszenierten Nebelwolke schreitet Endo niedergeschlagen, verloren und hilflos über die Bühne. Danach gibt er dem Stück eine Wendung: Zu zarter klassischer Musik bekommt sein Tanz einen Hauch von Ballett, eine himmelwärts strebende, nahezu schwebende Leichtigkeit. Die Performance endet mit einer komplett verdunkelten Bühne auf der nur sein Gesicht hell angestrahlt wird - wie ein Symbol der Ich- und Selbsterkenntnis.

In "Maboroshi" ist Endo erneut ein Meister starker poetischer Bilder, die er mit reduzierten Körperbewegungen, atmosphärischer Musik und sparsamen Licht-Akzenten schafft. Trotz der Schönheit - oder gerade deswegen? - ist die Aufführung von tiefem Schwermut durchdrungen. In einer Ansprache an das Publikum sprach Endo, dass er aufgrund der politischen Veränderung in den USA mit einer Wut im Bauch getanzt hat. Diese war zu spüren!

Tadashi Endos tänzerische Suche nach der Seele macht Mut, weil der Zuschauer hoffen darf, die eigene Seele zu erkennen und zu finden. Aber: Diese Erkenntnis muss man sich erkämpfen.

Von Udo Hinz

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