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Schnell präsentiert Böll

Kultur / Literaturherbst Göttingen Schnell präsentiert Böll

Ralf Schnell ist Sprecher der Gruppe, die eine 27-bändige Gesamtausgabe der Werke Heinrich Bölls herausgegeben hat. Beim Göttinger Literaturherbst spricht er am Dienstag, 17. Oktober, um 19 Uhr mit dem Literaturwissenschaftler Heinrich Detering über Böll und Siegfried Lenz.

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Heinrich Böll, einer der profiliertesten Schriftsteller der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts.

Quelle: R

Göttingen. Drei Argumente bringt Ralf Schnell, warum Heinrich Böll (1917-1985) auch heute noch aktuell ist. Er muss dabei nicht groß nachdenken. Zum einen sei das publizistische und literarische Werk des Schriftstellers ein literarisches und historisches Dokument der Bundesrepublik. Bedeutend sei die polemische und konfliktreiche Auseinandersetzung Bölls mit der BRD. Zum anderen sie die große Persönlichkeit Böll auch 32 Jahre nach seinem Tod noch immer präsent und wirksam. Drittens schließlich sei sein schriftstellerische Werk noch immer „greifbar und sprechend“. Schnell: „Böll war ein Sprachkünstler.“

Bücher zu gewinnen

Das Tageblatt verlost fünf Literaturherbst-Bücher. Zu gewinnen sind Exemplare von Patrick Kingsley „Die neue Odyssee“, Tanguy Viel „Selbstjustiz“, Elena Ferrante „Die Geschichte der getrennten Wege“ und Marc-Uwe Kling „Quality Land“. Wer gewinnen will, muss am Sonntag, 1. Oktober, um zwischen 8 und 20 Uhr unter Telefon 01 37 / 86 00 273 anrufen und deutlich seinen Namen, seine Adresse und Telefonnummer auf Band sprechen. Die Gewinner werden benachrichtigt. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Auf eine weitere Qualität Bölls weist Schnell hin. Der Schriftsteller habe sich nie vereinnahmen lassen, auch nicht ideologisch. Er sei nicht gegen Ost oder gegen West gewesen, sonder „in Ost und in West gerade von Politikern angegriffen“ worden. Und Böll habe sich für die Unterdrückten eingesetzt.

Im Gespräch mit Detering werde er die Kölner Ausgabe der gesammelten Werke vorstellen, die keine historisch-kritische Ausgabe sei, aber eine wissenschaftlich ausweisbare. Detering wiederum werde als Mitherausgeber von der Entstehung der Gesamtausgabe von Siegfried Lenz erzählen. Gemeinsam wollen sie der Frage nachgehen, wie die Literatur der Gruppe-47-Autoren zu einem zukunftsfähigen Kanon werde.

Nach einer Leseempfehlung zur Annäherung an das Werk Bölls befragt, nennt Schnell eine Reihe von Titel. Mit den Kurzgeschichten solle man beginnen, „wenn man Böll verfallen will“, vor allem die Lektüre der Geschichte „Dr. Murkes gesammeltes Schweigen“ legt er nahe. Sie enthalte viele Beobachtungen und eigene Erfahrungen. Die kleine Geschichte „Nicht nur zur Weihnachtszeit“, Bölls erste Satire, gehöre auf die Liste. Zwei Romane empfiehlt Schnell: „Die verlorene Ehre der Katharina Blum“, eines seiner bekanntesten Werke, und „Irisches Tagebuch“, das laut Schnell Böll als genauen Beobachter zeige und nicht nur Menschen vor einer Irland-Reise interessieren sollte. Auf zwei anspruchsvolle Texte lenkt Schnell schließlich das Augenmerk. Im Roman „Billard um halb zehn“ schildert Böll die Geschichte einer Architektenfamilie über Jahrzehnte, „pointenreich mit einem dramatischen Schluss“, sagt Schnell. Und „Frauen vor Flusslandschaft“ zeige verdichtet, „wie sich die Bundesrepublik am Rhein entwickelt hat“.

Ralf Schnell ...

... wurde 1943 in Oldenburg geboren. Er ist emeritierter Professor für neuere deutsche Literaturgeschichte und Medienwissenschaft. Er studierte Germanistik, Theaterwissenschaft, Philosophie und Publizistik in Köln und Berlin. Lehrstühle besetzte er in Hannover, Siegen und Tokio. Zahlreiche Gastprofessuren übernahm er, vor allem im südostasiatischen Raum. Schnell lebt in Berlin.

Schnells Beschäftigung mit dem Schriftsteller Böll endet übrigens nicht mit der Herausgabe des Gesamtwerks. Ein weiteres Buch Schnells soll am Donnerstag, 5. Oktober, herauskommen, „Heinrich Böll und die Deutschen“. Es erscheint im Verlag Kiepenheuer & Witsch. Schnell geht darin den Fragen nach, wie Böll es mit den Deutschen hielt und diese mit ihm.

„Zeitgenossenschaft und Erbe“ ist der Gesprächsabend überschrieben, bei dem Ralf Schnell und Heinrich Detering am Dienstag, 19. Oktober, um 19 Uhr in der Aula am Wilhelmsplatz über Böll und Lenz sprechen. Tickets kosten 14 Euro im Vorverkauf, ermäßigt 11 Euro in den Tageblatt-Geschäftsstellen, Weender Straße 44 in Göttingen und Marktstraße 9 in Duderstadt. Bereits am Sonnabend, 14. Oktober, wird um 11 Uhr eine Ausstellung mit rund 30 Plakaten zu Leben und Werk Bölls im Günter-Grass-Archiv, Düstere Straße 6, eröffnet.

Von Peter Krüger-Lenz

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