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Regional Schnipo Schranke begeistern im Göttinger Dots
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12:52 05.08.2018
Mit großer Lockerheit und ohne Tabus: Friederike Ernst vom Duo Schnipo Schranke. Quelle: Jörg Linnhoff
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Göttingen

Mit Cello und Blockflöte zunächst eher klassisch ausgerichtet führte die beiden Musikerinnen ihr kreativer Anspruch und die Lust auf Eigenes dann doch zur Pop-Musik. Ihr kurioser Bandname entstand in Anlehnung an das bekannte Fastfoodgericht „Schnitzel mit Pommes Schranke“. Im Jahr 2013 zog das Duo nach Hamburg. Dort lernte es bei einer Lesung Rocko Schamoni und später auch Frank Spilker von den „Sternen“ kennen, mit denen sie dann auf Tour gingen.

2014 machten Schnipo Schranke mit dem YouTube-Clip „Pisse“ auf sich aufmerksam, ein Lied, das die taz als „tragikomische Hymne übers Schlussmachen“ bezeichnete. Bekannte Musikmagazine kürten den Song zum Hit des Jahres 2014. Es folgten Artikel im Spiegel oder in der Zeit und Beiträge in ARD und ZDF.

Es geht ein wenig später los an diesem Abend, denn um halb acht säumt noch eine lange Schlange die Barfüßerstraße bis zur Baustelle an der Jüdenstraße. Der Innenhof des Börnerviertels ist mit rund 200 Besuchern ausverkauft. Anliegende Bewohner nutzten ihre Fenster als Logenplätze.

Unterstützt wird das Damen-Duo von dem in Hamburg nur unter dem Namen „Ente“ bekannten Musiker. Minimalistisch eingängige, unkomplizierte Melodien sind das Markenzeichen des Duos. Textlich hauen sie dann raus, was ihnen so durch den Kopf geht. Laut eigener Aussage basieren ihre Texte schlicht auf der für sie gewohnten Alltagssprache. Immer wieder wechseln sie im Laufe des Konzerts auch komplett die Instrumente zwischen zwei Keyboards und Schlagzeug durch.

Mit dem „Pimmelreiter“ oder dem „Cluburlaub“ und dessen Refrain „Flatrate an der Cocktailbar, oh, wie schön ist Panama...“ treffen sie gleich den Nerv des Publikums. Song für Song spulen sie aus ihren zwei Alben „Satt“ und „Rare“ ab, garniert mit kurzen, humorig ironischen Kommentaren. In „Wieder alleine“ stört eine Stubenfliege die Idylle, die dann über den veränderten Abzählreim „Dreimal in die Hände geklatscht, jetzt ist sie zusammengedatscht, ene Mene Muh, und raus bist du...“ ihr Leben lassen muss.

Mit großer Lockerheit begleiten die beiden Sängerinnen ihren Auftritt. Unterbrechungen wegen technischer Probleme werden charmant umschifft oder der verlorene Text einer zweiten Strophe auch mal beim Publikum abgefragt. Einen auf der Bühne liegenden Ventilator nutzt Ernst für eine willkommene „Abkühlung ihrer Muschi“ und lässt dabei schelmisch ihren Rock im Wind flattern, wie es einst auch Marilyn Monroe in „Das verflixte 7. Jahr“ tat.

„Du hattest viele Freunde, dank mir hast Du jetzt neue Probleme in Dein’m Leben: Musst Dich ständig übergeben...“ sind die ersten Zeilen aus dem Lied „Pisse“, bevor diese tiefer in den Intimbereich vordringen. Dem Song hat das Duo seine Popularität zu verdanken und er wird natürlich mit großem Applaus begrüßt und mitgesungen.

Schnipo Schrankes Lieder bewegen sich irgendwo zwischen NDW, ein wenig Schlager und selbstangekündigter Schnulze bis hin zum theatralischen Chanson, der ideale Soundtrack für diesen Sommerabend im idyllischen Innenhof des Börnerviertels.

Zum Ende besingen sie zu mächtigen Drums den Tod von Herrn Schulz. Nahezu alle Besucher sind in Bewegung und folgen dem Aufruf des Duos: „Trinkt, und habt gute Laune!“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Von Jörg Linnhoff

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