Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / 3 ° Gewitter

Navigation:
Schöpferische Kraft in Fanny Hensels Oratorium

Singkreis St. Paulus und Göttinger Musikfreunde Schöpferische Kraft in Fanny Hensels Oratorium

Lange Zeit war das Komponieren eine Männerdomäne. Frauen, so hieß es, seien wohl geeignet, zu singen oder Instrumente zu spielen, aber Schöpferkraft sei ihnen nicht gegeben. Es hat lange gedauert, bis sich die Einsicht durchsetzte, dass dies ein pures Vorurteil ist. Und immer wieder haben Frauen dennoch komponiert – auch wenn sie dabei mit Widerständen zu kämpfen hatten.

Voriger Artikel
Kelly-Family in der Stadthalle
Nächster Artikel
Wirklich neu – und natürlich unheimlich fröhlich

Geben einen eindrucksvollen Einblick in Fanny Hensels Kunst: Singkreis St. Paulus und das Orchester Göttinger Musikfreunde.

Quelle: Pförtner

Zu diesen Frauen gehörte im 19. Jahrhundert neben Clara Schumann vor allem Fanny Mendelssohn, Schwester Felix Mendelssohns und spätere Ehefrau des Malers Wilhelm Hensel. Drei ihrer Kompositionen standen am Sonnabend auf dem Programm des Konzerts mit dem Singkreis St. Paulus und dem Orchester Göttinger Musikfreunde in der voll besetzten Pauluskirche: die Kantate „Lobgesang“, ein Orgelpräludium und das Oratorium „nach Bildern der Bibel“, das 1831 nach einer Cholera-Epidemie in Berlin entstand.

Fanny Hensels handwerkliche Sicherheit, geschult an der Musik Bachs, zeigte sich im „Lobgesang“, auch wenn hier ihre musikalische Sprache noch nicht ganz individuell geformt ist. Das gilt auch für das festliche Orgelpräludium, das Heiner Kedziora – der den Chor für diese Aufführung sorgfältig vorbereitet hatte – mit angemessenem Pomp vortrug.

Von diesen eher mild-freundlichen Werken hebt sich das emotionserfüllte Oratorium deutlich ab. Den Weg von tiefer menschlicher Verzweiflung, die am Ende in die Unterwerfung unter den Willen Gottes mündet, zeichnet die Komponistin mit sehr farbigen Mitteln nach. Beispielhaft kann man dies am Kontrast des Trauerchores „Sie sind dahingegangen“ zu dem anschließenden Chor der Seligen „Ich habe einen guten Kampf gekämpft“ festmachen.

Auch wenn die Kräfte des Singkreises St. Paulus nicht immer ausreichten, den achtstimmigen Chorpart stimmlich ganz ausgewogen darzustellen, bot dieser von Johannes Moesus umsichtig geleitete Konzertabend doch einen eindrucksvollen, sehr bewegenden Einblick in die Kunst Fanny Hensels. Daran war das bisweilen leidenschaftlich aufrauschende Orchester ebenso      beteiligt wie die Gesangssolisten Gundula Bernhold, Vanessa Barkowski, Christoph Rosenbaum und Thomas Constien.

Von Michael Schäfer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
NDR2-Soundcheck: Statements von der Open City Stage am Sonntag