Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / 0 ° Schneeregen

Navigation:
Schriftsteller mit Kaugummi und Diskokugel

„Stadt in Zukunft“ Schriftsteller mit Kaugummi und Diskokugel

Die zwei Heizlüfter, die der Autor Paul Brodowsky anstellt, sollen Abhilfe gegen die Kälte in dem roten Container auf dem Jonaplatz in Grone schaffen. Durch die großen Fenster sieht man einen verregneten Novembernachmittag. Der Raum ist spartanisch eingerichtet: ein Schreibtisch, zwei Stühle und ein Regal nebst Ablage. Heimeligkeit vermitteln nur die von der Decke hängende Diskokugel und eine rote Stehlampe. Seit einigen Tagen bewohnt der Freiburger im Rahmen der „Stadt in Zukunft“-Reihe des Deutschen Theaters den „Schreibcontainer“, er muss also wissen, wie man sich hier am besten aufwärmt.

Voriger Artikel
Gesang als Sahnehäubchen auf der Soul-Torte
Nächster Artikel
Hammerflügel bei Goethe

Tee, Laptop und Aussicht auf den Jonaplatz: Autor Paul Brodowsky setzt sich mit Grone auseinander.

Quelle: Mischke

Bis zum 18. November verbringt Brodowsky die Tage vor seinem Laptop im Container, streift durch die Straßen, beobachtet und spricht mit den Menschen. Daraus soll ein Text über das Leben in diesem Göttinger Stadtviertel entstehen, das nicht den besten Ruf genießt. Vorbereitet wurde sein Aufenthalt mit Plakaten, auf denen „Ab 6. 11. wohnt hier Paul B.“ stand. „Ey, bist du der Paul?“ – diese Frage sei dann auch die erste gewesen, die ihm gestellt wurde, erzählt Brodowsky.
Anziehungspunkt für Kinder
Ein Anziehungspunkt sei der Container besonders für Groner Kinder und Jugendliche. Die Welt des Theaters sei vielen von ihnen bis jetzt fremd gewesen, der Container werde von ihnen aber quasi „bespielt“.Dass er ein Stück über ihren Stadtteil und auch über sie schreiben wolle, empfinden sie als aufregend, sagt Brodowsky. Allerdings sah er sich gezwungen, feste Öffnungszeiten im Container einzurichten, da sonst alle paar Minuten jemand klopfe. Jetzt kommen die Kinder zwischen 17 und 18 Uhr, bitten um Kaugummis, fragen den Autor, beantworten seine Fragen, und wünschen sich, dass er Diskokugel und Musik anstellt.
„Eingeladen wurde ich wohl, weil ich mich in einem früheren Text mit Berlin-Neukölln auseinandergesetzt habe“, vermutet der 29-Jährige. Er habe dort in der Nähe der berüchtigten Rütli-Schule gewohnt, jedoch „nie ein mulmiges Gefühl gehabt“. Auch in Grone kann er bis jetzt nichts Unheimliches entdecken. Jedoch mache gerade der unterschiedliche Hintergrund der Menschen „ihren Reiz und damit auch den Reiz des Projektes aus,“ meint der Schriftsteller. Lisa Trümner, Produktionsleiterin von „Stadt in Zukunft“, betont, dass es wichtig war, einen ortsfremden Schriftsteller einzuladen: „Unvoreingenommenheit ist eine Stärke.“
Am 27., 28. und 29. November werden Brodowskys „Dramatische Beobachtungen aus Grone“ um 20 Uhr auf dem Jonaplatz in Grone aufgeführt.

Von Corinna Berghahn

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Erde verlassen, Zukunft manipulieren

Auf Reisen in die Vergangenheit und von dort mit großen Schritten weiter in die Zukunft hat sich der Autor und Regisseur Nico Dietrich von der „Kosmonautenschule Weimar“ begeben. Er hat die Reisen nicht allein angetreten. Er animierte Göttinger Bürger zu zeitlichen Gedanken-Sprüngen, mit denen sie phantastische Visionen von der Stadt Göttingen im Jahr 3010 entwerfen konnten.

mehr
Mehr aus Regional
NDR2-Soundcheck: Statements von der Open City Stage am Sonntag