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Regional Schwarzmeer-Kosaken mit Peter Orloff in Lenglern
Nachrichten Kultur Regional Schwarzmeer-Kosaken mit Peter Orloff in Lenglern
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00:21 13.08.2018
Stimmgewaltig: die Schwarzmeer-Kosaken mit Peter Orloff (fünfter von links) in der St.-Martini-Kirche Lenglern. Quelle: Michael Schäfer
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Lenglern

Peter Orloff – war das nicht ein Schlagersänger aus den 1970er-Jahren? ZDF-Hitparade? Richtig, das stimmt. Aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Seit 25 Jahren steht der Sänger, Jahrgang 1944, an der Spitze des Schwarzmeer-Kosaken-Chores, in dem er bereits als 14-Jähriger mitgesungen hat. Orloff hat russische Wurzeln: Sein Vater, Geistlicher aus einem Kosakengeschlecht, hatte den Chor 1930 mitgegründet.

Nach Lenglern kam der Chor mit sieben Vokalisten und drei Instrumentalisten. Die kleine Zahl täuscht, denn die Stimmgewalt, die diese Sänger entfesseln, füllt den Raum mühelos. Die beiden Tenöre Oleg Kulyeshov und Vladimir Kuzmenko könnte man sicher noch aus einer Entfernung von einem Kilometer hören, und auch die Bässe und die Baritone – zu denen Orloff gehört – bieten viel Power. Und wenn, wie etwa im Gefangenenchor aus Verdis „Nabucco“, eigentlich ein Orchester gebraucht wird, dann reichen dafür Domra (die russische Abart der Mandoline oder Laute) und Bajan (die russische Abart des Akkordeons) und eine Bass-Balalaika vollkommen aus. Sollte jemand Bedenken gegen ein solches Arrangement haben, werden die durch das mitreißende Temperament dieser drei Musiker im Nu hinweggefegt.

Postkartenbuntes Russland-Bild

Es ist ein ganz eigenes musikalisches Genre, das von solchen Ensembles gesungen und gespielt wird. Es umfasst liturgische Gesänge, populäre Volkslieder (was nicht dasselbe ist wie Folklore), dazu ein paar besonders beliebte Stücke aus der Romantik. Das Russland-Bild, das die Sänger vermitteln, ist postkartenbunt, hat auch nicht unbedingt viel mit der Realität zu tun, dafür viel mit dem, was sehr unscharf mit dem gefühlsbeladenen Begriff „russische Seele“ bezeichnet wird.

Hörprobe zu den Schwarzmeer-Kosaken: Ich bete an die macht der liebe

Insofern trifft der Programm-Titel „Total emotional“ genau ins Schwarze. Mit einem rasanten Querschnitt durch die schönsten Melodien der Oper „Fürst Igor“ von Borodin ging es los, in dem Igor Ishchak mit seinem vielleicht etwas scharfen, aber bis in höchste Lagen durchschlagkräftigen Sopran das Publikum in Erstaunen versetzte. Es folgten ein Vaterunser (das einzige liturgische Stück des Abends), ein kleines musikalisches Themen-Bündel aus Tschaikowskys „Schwanensee“, der erwähnte Gefangenenchor, Schuberts „Ave Maria“ mit Sopransolo und Puccinis „Nessun dorma“ aus „Turandot“, das Vladimir Kuzmenko mit großer Freude an lang ausgehaltenen, lautstarken Spitzentönen interpretierte.

Volkslieder in Weiß

Im volkstümlichen zweiten Teil des Abends wechselten die Musiker die Kleidung: Auf Klassik in Schwarz folgten Volkslieder in Weiß. Besonders eindrucksvoll waren einige hochvirtuose Instrumentaleinlagen auf Domra, Bajan und Bass-Balalaika, mit denen die drei Musiker – der kurzfristig eingesprungene Bajan-Spieler fügte sich vollkommen nahtlos ins Ensemble – ihr Publikum nachhaltig begeisterten. Ob „Abendglocken“, die Ballade vom Kosakenhauptmann Stenka Rasin oder „Das Körbchen“ – solche Lieder waren es, für die die Zuhörer in erster Linie gekommen waren und die sie dementsprechend dankbar mit tosendem Applaus honorierten. Dass „Kalinka“ im offiziellen Programm fehlte, hatte einen einfachen Grund: Selbstverständlich war dieses Lied die erste Zugabe. Mit einem vergleichsweise zarten „Guten Abend, gute Nacht“ ging das Programm definitiv zu Ende und hatte schätzungsweise 250 Menschen für zwei Stunden glücklich gemacht.

Von Michael Schäfer

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