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Sebastian Krumbiegel von den Prinzen singt und spielt im Apex

Konzert Sebastian Krumbiegel von den Prinzen singt und spielt im Apex

Zu hören gibt es von den Prinzen an diesem Abend nichts, denn „wer die Prinzen hören möchte, muss zu einem Prinzen-Konzert gehen“, so Krumbiegel. Er, der mit seiner Vokal-Gruppe mühelos Arenen füllte, ist nun „Solo am Klavier“ unterwegs.  Am Dienstag konnten die zahlreichen Besucher im Apex eine deutsche Legende fernab der großen Bühnen kennenlernen.

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Spricht fast mehr als er singt: Sebastian Krumbiegel im Göttinger Apex.

Quelle: Theodoro da Silva

Göttingen. Wäre er wirklich ein Prinz, hätte er bestimmt ein friedliches Reich. Seinem Volk wäre der respektvolle Umgang miteinander in die Wiege gelegt worden. Sie würden immer Bitte und Danke sagen und das Wort „Krieg“ befände sich nicht in ihrem Vokabular. Zu diesem allgemeinen Wonnegefühl im Staat Krumbiegel würde die Dauerbeschallung mit seinen Songs beitragen. Man stelle sich vor, man höre 24 Stunden am Tag Lieder wie „Die Liebenden“, in denen es darum geht, sich zu „küssen statt zu hassen“, sodass „alle Wesen in Liebe leben“. Unter solchen Umständen können gar keine Aggressionen entstehen. Oder etwa doch?

Sechs Solo-Alben

Krumbiegel ist nicht nur „die Stimme der Prinzen“, sondern hat auch im Alleingang schon sechs Alben herausgebracht. Mit diesen entpuppt er sich als Chansonier, Pianist und sensibler Solist.

Durch die Auszeichnung zum „Klavierspieler des Jahres 2004“ zeigt sich unter anderem sein Talent. Dieser Mann ist ein großer Künstler, das ist schon lang bekannt und steht außer Frage. Dabei tut er eigentlich nur das, was er immer und am liebsten tut: „Lieder über die Dinge schreiben“, die ihm „am Herzen liegen“. Songs schreiben, dass könne jeder, immer und überall. Auf diese Art und Weise kann ein Text samt Melodie dann auch schon mal nach einer Panne auf der Autobahn entstehen, während auf den Abschleppdienst gewartet wird, wie eines der noch unveröffentlichten Stücke, die er zum Besten gab.

Jeder kann kreativ sein

Krumbiegels Theorie lautet, dass jeder kreativ sein kann, wenn er nur den Mut hat, sich alles von der Seele zu schreiben, was ihn bedrückt. Diese spiegelt sich in seinen Werken wider. Und nicht nur in ihnen. Dass er auch ein großer Redner ist, ein Experte im sich die Dinge von der Seele reden, erfuhr das Publikum spätestens jetzt. Der Musiker wirbt für Toleranz, kämpft gegen Gewalt und Rassismus, weil es für ihn wichtig ist, seine Meinung zu sagen und die musikalische Bühne dafür zu nutzen. In zahlreichen Vereinen engagiert er sich und geht unter anderem mit seinen Stücken in Schulen, um bei den jungen Menschen Aufklärungs- und Sensibilisierungsarbeit zu leisten. Von diesen Vorhaben erzählt er beinahe mehr, als er musiziert. Man könnte auch meinen, er verwechsle seine Zuhörerschaft an diesem Abend mit einer solchen Schulklasse.

Weichspüler im Feinwaschgang

Sein Aktionismus ist echt und lobenswert, doch irgendwie ist es dennoch ein bisschen viel. Beim Verlassen des Saales fühlt man sich so, als wäre man zwei Stunden lang mit einer großen Menge Weichspüler im Feinwaschgang behandelt worden. Oder eben so, als wäre man zu Gast gewesen im watteweichen Wunderland, in dem Prinz Krumbiegel regiert.

Von Sarah Lodder

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Der Prinz und ein kleines bisschen Glück

Sebastian Krumbiegel ist bekannt geworden als einer der Frontsänger der A-cappella-Formation „Die Prinzen“. Musikalisch hervorgegangen ist er aus dem renommierten Leipziger Thomaner-Chor. Später studierte er in Leipzig Gesang und Schlagzeug. Singen hat er also von der Pike auf gelernt. In der Göttinger Musa präsentierte er am Mittwoch mit seiner zweiten Band, den „feinen Herren“, das Album „Tempelhof“ – „weil wir es dort aufgenommen haben“, erläutert Krumbiegel den Namen der Scheibe.

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