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Regional Sebastian Schnoy im Göttinger Apex: Amüsanter Streifzug durch die Weltgeschichte
Nachrichten Kultur Regional Sebastian Schnoy im Göttinger Apex: Amüsanter Streifzug durch die Weltgeschichte
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00:19 29.05.2013
Geschichtskenner mit großer Geste: Sebastian Schnoy. Quelle: Vetter
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Göttingen

Fast ohne Kriege und Jahreszahlen präsentiert er seinen Streifzug durch die Geschichte, wohlwissend, dass das den gemeinen Schüler am Geschichtsunterricht am meisten langweilt.

„Ich möchte, dass ihr Geschichte lieben lernt“ so Schnoy und gewinnt ihr deshalb vor allem auf europäischer Ebene allerhand Unterhaltsames ab oder definiert den Begriff um. So habe er sich selbst bereits historisch gefühlt, als er in der Minibar eines Hotels als Relikt der Vergangenheit ein Raider gefunden habe.

Äußerst amüsant sind seine Ausführungen zu großen historischen Figuren wie Luther, Stauffenberg, zu kleineren wie Guttenberg und zur germanischen Identität. Der Urgermane sei dumpf gewesen und ständig besoffen, denn er habe aus Kuhhörnern getrunken, die man nicht habe abstellen können.

„Wir Deutschen lieben das Einfache“

Dass die Germanen nackt in den Kampf zogen, habe die Römer schon rein ästhetisch in die Flucht geschlagen. Dieser Urtyp des Germanen wirke immer noch nach: „Wir Deutschen lieben das Einfache“, so Schnoy, deswegen verbrächten viele ihre Wochenenden in Kleingartenkolonien, die für Amerikaner wie Slums ausschauten.

Der Hamburger ist frech, dabei kein bisschen plump und sein Programm ist keine Hetzjagd von Pointe zu Pointe. Gekonnt vermengt er spitzbübischen bis zynischen Humor mit ernsten Themen, die ihm sichtlich eine Herzensangelegenheit sind.

Die Aufmerksamkeit des Publikums hält er mit zahlreichen Umfragen und ermuntert vor der Pause zum Flirten und zur Fortpflanzung, denn sonst sei in 250 Jahren Schluss mit Deutschland.

Vom Beckenrand in die Seniorengruppe springen

Er plädiert aber auch für Europa, für eines, in dem sich alle auf das besinnen, was sie wirklich können. So sollten die Schweizer die Organisation übernehmen, die Franzosen das Kochen und die Italiener die Liebhaber stellen.

Mit dem Appell an die Deutschen von den Südländern zu lernen und das deutsche „Bravheitsgen“ zu überwinden, entlässt er das ihm zugetane Publikum mit einer praktischen Übung: Einfach mal vom Beckenrand in die Seniorengruppe springen.

Ach, noch ein Rat an die leidensfähigen Deutschen: Eine Besteigung des Brockens sei sinnlos, da gehe er ganz mit Heinrich Heine. Kein Wort über Napoleon, trotzdem ein illustrer runder Abend mit einem klugen Unterhalter, einem deutschen Bill Bryson.

Von Marie Varela

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