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Das kleine Wörtchen „weiter“

Sebastian Urbanski liest im Literarischen Zentrum Das kleine Wörtchen „weiter“

Dass man mit dem Down-Syndrom mitten im Leben stehen kann, wie es so schön heißt, zeigte der Berliner Schauspieler und Synchronsprecher  Sebastian Urbanski am Montag im gut besuchten Literarischen Zentrum.

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Quelle: Mischke

Göttingen. Im  Gepäck hatte er sein autobiographisches Werk „Am liebsten bin ich Hamlet“ und seine „Mutti“, Bettina Urbanksi, die als Ko-Autorin an seinem Buch mitgearbeitet hat.

Der zart erscheinende Urbanski, der festes Ensemblemitglied des „RambaZamba-Theaters“ in Berlin ist und gerade mit Eva Mattes in „Der gute Mensch von Downtown“ auf der Bühne steht, zeigt sich bestens vorbereitet. Sein Buch ist mit zahlreichen bunten Haftstreifen markiert, sorgsam setzt er sich seine Brille auf und liest mit prägnanter Gestik und sichtlicher Freude aus seinen Erinnerungen. Und da gibt es so einige spannende Begebenheiten, zum Beispiel die Dreharbeiten zu dem Film „Me too- Wer will schon normal sein“, in dem er die Synchronstimme des Spaniers Pablo Pineda spricht. Der Spanier ist der erste Europäer mit Down-Syndrom, der einen Universitätsabschluss hat. Der Film orientiert sich stark an Pinedas eigener Lebensgeschichte, die vom Kampf um Normalität und Autonomie geprägt ist.

Es gebe viele Parallelen zu seinem Leben, erzählt Urbanski im Gespräch mit Carolin Hoffrogge-Lee. Deshalb habe er sich um die Rolle des Synchronsprechers bemüht und gleich gesagt: „Ich bin euer Mann“. Und letztendlich habe er mit der Hauptdarstellerin Lola Dueñas auf der Filmpremiere „das Feuer Spaniens in den Armen“ gehalten. So offen wie sein Buch auf dem Tisch präsentiert sich der 1978 in der ehemaligen DDR geborene Urbanski. Er sprüht vor Enthusiasmus, kindlicher Lebensfreude und Selbstbewusstsein.

Ihn motiviere das kleine Wörtchen  „weiter“, und er habe noch Tausende von Zielen, so sagt er und man kauft ihm das auf jeden Fall ab.
Inklusion. Über dieses mittlerweile sehr strapazierte Wörtchen wurde schon viel geredet. Gerade im Bildungsbereich versucht man seit Jahren es mit Inhalt zu füllen. Urbanski lebt es und zeigt beispielhaft, dass Inklusion andere Menschen, Liebe, Motivation und Engagement braucht. Was seine Eltern und Lehrer in ihn investiert haben, gibt er auf bemerkenswerte Weise weiter. Sein Weg motiviert, seine Haltung inspiriert. In der Ensemblearbeit am Theater gebe es auch oft Streit, dann lächle er einfach und sage sich:“ Was geht mich deine schlechte Laune an?“

Von Marie Varela

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