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Sehnsucht nach dem Gefühl, gebraucht zu werden

"Drei Farben Licht" Sehnsucht nach dem Gefühl, gebraucht zu werden

Standard ist aus der Mode gekommen. Wenn du tanzen willst, dann tu das allein. Das ist einerseits befreiend, aber auch sehr einsam. Das vierteilige Theaterprojekt „Drei Farben Licht“ ist am Donnerstagabend mit der szenischen Lesung „Gelb – wenn du tanzen willst“ in der Nikolausberger Klosterkirche fortgesetzt worden.

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Bei der Probe: Imme Beccard und Peter Grünfelder.

Quelle: EF

Franziska reist von Berlin, wo sie mit ihrem Freund, dem Universitätsprofessor Fabian lebt, zur Beerdigung eines Klassenkameraden in ihr Heimatdorf. Dort wird sie mit der Vergangenheit konfrontiert und sieht ihr Leben plötzlich in einem neuen Licht. Das Leben in der Großstadt, um das sie von den Daheimgebliebenen beneidet wird, ist gar nicht so reizvoll wie es scheint, sondern eher traurig. Sie lebt dort mit Fabian zwischen Philipp-Starck-Stühlen und hat Sehnsucht nach dem Gefühl, zu etwas gebraucht zu werden.

Geborgenheit findet Franzi bei der Mutter. Obwohl es ihr gar nicht recht ist, bemuttert zu werden – sie möchte so gern selbst umsorgen. Doch Franzis Freund will ihr diesen Wunsch nicht erfüllen. Und so ist ihr jeder Hinweis auf Familienglück der Menschen aus ihrer Vergangenheit ein Stich ins Herz. Schauspielerin Imme Beccard – im Dialog mit Peter Grünenfelder – spielt Franzi in all ihrer Bitterkeit sehr einfühlsam.

Den Text hat Luise Rist speziell für diese Aufführung geschrieben. Regisseurin Nina de la Chevallerie hat die Uraufführung inszeniert.

Zünftiger Couchtisch

Die Klosterkirche bietet einen außergewöhnlichen Rahmen für das Theaterprojekt. Die sphärischen Klänge der Musik von Hans Kaul und die Videountermalung einer vorbeirauschenden Dorfidylle von Reimar de Chevallier im Hintergrund stehen im Kontrast zum Bühnenbild mit zünftigem Couchtisch, Troddellampenschirmen und Orientteppich.

Die Zuschauer sind sehr dicht dran am Geschehen. Die Stuhlreihen grenzen von drei Seiten direkt an die Bühne, auf der bei dieser Aufführung niemand tanzt – auch nicht allein. Am Ende gibt es Applaus für einen ganz besonderen Abend.

Weitere Termine: „Drei Farben Licht“ geht am Sonnabend, 14. November, um 20 Uhr mit der Farbe Rot und einer szenischen Erzählung von Stefan Dehler weiter. Den Abschluss macht am Freitag, 20. November, das Thema „Licht“ mit Texten zur Nacht. Karten gibt es an der Abendkasse und bei der Tourist-Information im Alten Rathaus unter der Telefonnummer 05    51   /   49   98   00.

Von Eida Koheil

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