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Regional Shortlist für Deutschen Buchpreis steht fest
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15:36 12.09.2018
Buchcover Quelle: Fleischer
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Göttingen

Gestern hat der Börsenverein des Deutschen Buchhandels die Shortlist mit den letzten sechs Titeln der zuvor veröffentlichten Longlist (20) bekannt gegeben: María Cecilia Barbettas Roman „Nachtleuchten“, Maxim Biller: „Sechs Koffer“, Nino Haratischwili: „Die Katze und der General“, Inger-Maria Mahlke: „Archipel“, Susanne Röckel: „Der Vogelgott“ und Stephan Thome: „Gott der Barbaren“.

Fast alle Bücher sind im August und September erschienen, nur „Der Vogelgott“ war ein Frühjahrsbuch, in dem es um einen Mythos geht, der sich als bittere Realität erweist. Beklemmend und verstörend. Als einen ebenfalls zutiefst unheimlichen Ort beschreibt María Cecilia Barbetta Argentinien im Jahr 1974. In der immer düsterer werdenden Kulisse entdeckt die Auswahljury ein „fröhliches Setting“, „Nachtleuchten“ sprühe vor Ideen, „ist ein Vulkan voller verschachtelter Sätze, die uns atemlos Seite um Seite umblättern lassen“. Während Maxim Biller, der streitbare Kolumnist und ehemalige Teilnehmer aus dem „Literarischen Quartett“, in „Sechs Koffer“ eine Familiengeschichte „äußerst ökonomisch“ zu erzählen verstehe. Sein Roman, in dem er sich mit dem Schicksal seines Großvaters auseinandersetzt, der 1960 in der Sowjetunion hingerichtet wurde, kreist um die Unmöglichkeit einer einzigen Wahrheit. „Große Erzählkunst“, meint die Jury.

Insgesamt 199 Titel haben die sieben Jurymitglieder seit Ausschreibungsbeginn gesichtet, das Ergebnis erinnert Sprecherin Christine Lötscher an William Faulkners vielzitierten Satz „Das Vergangene ist nicht tot, es ist nicht einmal vergangen“, der wie ein unausgesprochenes Motto über der deutschsprachigen Literatur dieses Jahres hänge. Die nach Ansicht der Jury „gelungensten und wichtigsten Romane folgen ganz unterschiedlichen Spuren in die Vergangenheit oder in mythische Schichten der Wirklichkeit – fabulierend, spekulierend, verspielt; mit lakonischer Eleganz und bittersüßer Präzision, mit epischer Langsamkeit und spannungsgeladener Wucht“, sagt Lötscher.

So erzählt Nino Haratischwili in „Die Katze und der General“ vom russischen Oligarchen Alexander Orlow, der ein neues Leben in Berlin begonnen hat, den aber die Erinnerungen an seinen Einsatz im Ersten Tschetschenienkrieg nicht loslassen. In „Archipel“ schickt Inger-Maria Mahlke ihre Heldin Rosa zurück nach Teneriffa und zu Großvater Julio, der Kurier im Bürgerkrieg war und Gefangener der Faschisten. „Eine große Reise durch die Zeit und bis ans Ende Europas“, findet die Jury, die bei der Lektüre von Stephan Thomes „Gott der Barbaren“ das „beunruhigende Gefühl“ beschlich, „unsere Welt in einem Spiegel zu sehen, der über 150 Jahre in die Geschichte zurückreicht“, nämlich in die Mitte des 19.  Jahrhunderts, als eine christliche Aufstandsbewegung China mit Terror und Zerstörung überzog.

Haratischwili und Thome beim Göttinger Literaturpreis

Unter den sechs nominierten Titeln für die Shortlist des deutschen Buchpreises werden zwei Bücher in Lesungen des 27. Göttinger Literaturherbstes vorgestellt. Nino Haratischwili liest am Donnerstag, 18. Oktober, im Alten Rathaus aus „Die Katze und der General“ (Beginn ist um 21 Uhr); am selben Tag stellt Stephan Thome im Haus des Geistes seinen aktuellen Roman „Gott der Barbaren“ vor – insbesondere für diese Veranstaltung (Beginn ist um 19 Uhr) im Haus der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen an der Geiststraße 10 ist die Platzzahl begrenzt. Die nachfrage nach Tickets sei nach wie vor hoch, teilt Nina Hornig vom Göttinger Literaturherbst mit. Karten sind erhältlich auf www.literaturherbst.com.

Nominierung als Auszeichnung

Wer am Ende das Preisgeld von 25 000 Euro erhält, wird am 8. Oktober zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse bekannt gegeben. Fest steht, dass die anderen fünf Finalisten jeweils 2500 Euro erhalten. Derweil stellt bereits die Nominierung für die Longlist eine Auszeichnung dar, die in der Vita immer gern vermerkt wird – was für Angelika Klüssendorf gilt und viele andere. Weil es „den deutschsprachigen Roman des Jahres“ gar nicht gibt, höchstens Enttäuschungen, Überraschungen und Bestätigungen.

Weitere Informationen unter www.deutscher-buchpreis.de

Von Janina Fleischer

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