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Sie können „brutal schnell sehen“

Literaturherbst Sie können „brutal schnell sehen“

Wie schön moderne Wissenschaft die Wirkung der Meditation erhellt, „ohne sie zu entzaubern“, darüber sprach am Dienstagabend der Naturwissenschaftler Heinz Hilbrecht beim Literaturherbst in der nahezu vollbesetzten Paulinerkirche.

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Meditieren macht weniger ängstlich: Heinz Hilbrecht.

Quelle: Vetter

„Meditation und Gehirn“ heißt auch das Buch, dass der promovierte Geologe und Paläontologe 2010 veröffentlicht hat und das inzwischen sogar ins Vietnamesische übersetzt worden ist.

Bereits seit mehr als 2600 Jahren werde meditiert. „Irgendwas muss daran richtig sein“, diese Erkenntnis setze sich immer mehr durch, erklärt Hilbrecht – der selbst seit 30 Jahren meditiert. Messungen gäbe es etwa seit 1980, eine wirkliche Forschung zum Thema seit gut zehn Jahren. Und langsam füge sich das Puzzle zusammen. So habe beispielsweise Britta Hölzel von der Universität Gießen mit Kernspinaufnahmen von Gehirnen Meditierender zeigen können, dass sich bestimmte Hirnregionen verändern. Damit lasse sich erklären, warum Menschen, die regelmäßig meditieren, weniger ängstlich seien, weniger Stress empfinden.

Noch ein weiterer Effekt lasse sich durch Messungen belegen. Normalerweise brauchen Menschen etwa eine halbe Sekunde um neue Reize wahrnehmen zu können. Meditierende brauchen wesentlich weniger, können „brutal schnell sehen“. So nehmen sie auch Gesichtsausdrücke, die wir nur Bruchteile von Sekunden zeigen (Mikromimik), wahr. Und erkennen, „was jemand vorhat oder ob er lügt.“ Mit Magie oder Gedankenlesen habe das nichts zu tun, nur mit geistigen Fähigkeiten, die sich durch das Meditieren verändern.

Heinz Hilbrecht, „Meditation und Gehirn. Alte Weisheit und moderne Wissenschaft“, Schattauer, 229 Seiten, 22,95 Euro.

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