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Sieben Morde im schwindenden Licht Kapstadts

Literaturherbst Sieben Morde im schwindenden Licht Kapstadts

Die Krimis von Roger Smith wurden mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet. Mit „Kap der Finsternis“ etwa landete er 2010 auf Platz zwei des Deutschen Krimipreises. Der Folgeroman, auf Deutsch „Blutiges Erwachen“, belegte Platz neun im Wettbewerb Krimi des Jahres 2010. 

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Als Gast  beim Göttinger Literaturherbst erwartet: der südafrikanische Schriftsteller Roger Smith.

Quelle: Verlag

Nun erscheint der vierte Roman des 1960 geborenen Südafrikaners in deutscher Übersetzung: „Stiller Tod“, im Original: „Capture“. Es ist die blutgetränkte Geschichte von sieben Morden in Kapstadt, eindringlich und schonungslos erzählt. 

Aber es ist auch die Geschichte dreier Familien. Die eine ist die von Vernon Saul, der einmal Detective war, nun aber suspendiert und Türsteher in einem Nachtclub und Puff ist. Der hinkende Mann, der seine Mutter schlägt, hat als Junge gelernt, dass er auf sich gestellt ist. Vom seinem Vergewaltiger befreite er sich selbst – mit ein paar Hammerschlägen.

Morde und Familiengeschichten

Heute ist das Armenviertel Kapstadts sein Revier, eine Unterwelt, in der er selbst eine Art Herrscher sein und die Geschicke anderer Nachtgestalten lenken kann. Saul ist der, den man bei Problemen anruft, der kommt und mit einem neuen Plan, einem neuen Mord die Angelegenheit aus der Welt schafft. Wer gut, wer böse ist, lässt sich nicht mehr bestimmen.

Die zweite Familiengeschichte ist die von Dawn Cupido. Auch sie ist Opfer einer Vergewaltigung. Saul liest sie als drogensüchtige Prostituierte von der Straße auf. Ein Freier, an den sie sich nicht erinnern kann, ist Vater ihrer Tochter. Einmal trennte sie das Jugendamt von ihr. Aber Dawn trägt Peripetie und Aufstieg bereits im Namen – so wie Caroline Exley, Ehefrau in Familiengeschichte Nummer drei, Abstieg und Niedergang. Caroline, reiche Weiße aus dem Ausland, lebt mit Mann Nick und Tochter im schicken Anwesen am Meer.

Grauenhafte Unterwelt

Aber die anfangs scharfe Grenzziehung löst sich auf. Berührungspunkte, Überschneidungen und schließlich surreale Wiederholungen verbinden das Leben von Dawn und Caroline, Nick und Vernon, und den beiden Töchtern, die auch noch gleich alt sind. Und Exleys Mädchen mit dem sprechenden Namen Sunny stirbt gleich zu Beginn.

Caroline, Nick, Dawn und Vernon sind sämtlich Schuldige oder fühlen sich als solche. Eine Last aus der Vergangenheit tragen alle mit sich.  Und alle versuchen, sich von dem Griff der Vergangenheit zu lösen. Mal gewinnen sie ihr Gleichgewicht zurück. Dann aber taumeln sie in Dunkelheit und einen Abgrund, in dem sie kaum noch als Menschen zu erkennen sind.

Gott und Teufel

Neustart und Befreiung wird am Ende zweien von ihnen gelingen. Aber ob es der Teufel oder Gott ist, der das bewirkt hat: Diese Frage wird gestellt, aber nicht beantwortet.

Smiths Erzählstil erinnert an Joseph Conrads „Heart of Darkness“. Morde, Drogen, Blut und Grauen werden aus drastischer Nähe geschildert. Und auch andernorts, in den Bildern von Verfall, Dunkelheit und Gottverlassenheit, hallt die Erzählung des Briten wider. Schade nur, dass Smith, der auch Drehbücher schreibt, Elemente aus der filmischen Trivialkultur einwebt. Gerade in den Dialogen wird manches Klischee überstrapaziert. Dabei kann der Roman so viel mehr, als er vorzugeben bemüht ist.

Roger Smith: „Stiller Tod“. Klett-Cotta, 380 Seiten, 19,95 Euro. Das Buch erscheint am 24. Oktober. Der Autor präsentiert es im Rahmen des Göttinger Literaturherbstes am Sonnabend, 20. Oktober, im Alten Rathaus, Markt 9. Die Lesung findet in deutscher und englischer Sprache statt. Als Sprecher wirkt Schauspieler Florian Eppinger vom Deutschen Theater mit. Kartentelefon: 05 51 / 49 98 031.

tw

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