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Sirtaki, Tango, Balkan-Beat

„Radio Europa“ im Alten Rathaus in Göttingen Sirtaki, Tango, Balkan-Beat

Sirtaki und finnischer Tango, Klassik und bulgarische Tänze: Vielfältig sind die Musiktraditionen des alten Kontinents. Diesen Reichtum hat sich die Band „Radio Europa“ angeeignet. Mit ihrem Programm „Together in Music“ gingen sie am Sonntagabend im Alten Rathaus in Göttingen auf Sendung.

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Quelle: Heller

Göttingen. Auf politischer Ebene mag es den Staaten der Europäischen Union oft schwer fallen, mit einer Stimme zu sprechen. Auch kulturell sind die Unterschiede groß. Doch dass Gegensätze nichts Schlechtes sind, sondern inspirierend sein können, will Radio Europa zeigen. Meisterhaft haben sich die Künstler in die verschiedenen Stile eingearbeitet, die sie auf Tourneen in Europa vor Ort kennengelernt haben.

Die Band hat die Stücke für ihre Besetzung umgeschrieben: für Geige, Gitarre und Kontrabass, für Akkordeon und Schlagzeug. So schufen die Musiker ein Programm, dass allen Unterschieden zum Trotz aus einem Guss ist. Auf ihre zweistündige Reise durch Europa nahmen die Künstler während des Kultursommers Göttingen mehr als 200 Zuhörer mit.

Entspannt traten die Musiker auf. Schlagzeuger Roland Duckarm, der deutsch-ungarischer Abstammung ist und seine ersten Lebensjahre in Rumänien verbrachte, moderierte. Mit atemberaubender Geschwindigkeit ließ Joerg Widmoser den Bogen über seine Geige sausen. Während eines langen Solos nahm der Österreicher, der in München aufgewachsen ist, sich selbst auf – die Technik mit dem Fuß bedienend. Er spielte das wieder ein und begleitete sich so. Begeistert applaudierte das Publikum.

Ein Hochzeitstanz aus dem bulgarischen Sofia bildete den Auftakt des Abends. Die Band hat diesen Balkan-Beat während einer vom Goethe-Institut organisierten Tournee durchs das Nachbarland Mazedonien kennengelernt. „Mit den komplizierten Rhythmen hatten wir anfangs unsere Schwierigkeiten“, berichtete Gitarrist Andreas Wiersich, der aus einer bayrischen Organistenfamilie stammt.

Zwei schottische Volkstanz-Reels verschmolz Radio Europa zu einem durchgehend schnellen Stück. Den franzöischen Musette-Walzer Bourrasque („Wirbelwind“) spielte Wolfgang Lell auf seinem Akkordeon. Nach und nach stimmten die anderen Musiker mit ein. Mitten im Stück wechselte die Band das Land und führte die Melodie in spanischem Stil weiter. Gitarrist Wiersich glänzte dabei mit einem Solo. Der Geiger, der sein Instrument zur Seite gelegt hatte, klatschte gemeinsam mit dem Schlagzeuger – zweistimmig – im Takt.

Kontrabassist Alex Bayer, der als Kind eines deutschen Managers in Schweden und Italien aufgewachsen ist, war mit seinem „Becherovka Oro“ zu hören. Der nach einem tschechischem Kräuterbitter benannte Tanz ist in Tschechien entstanden, hat aber – vom Titel abgesehen – nichts mit dem Land zu tun. Es ist die Bearbeitung eines bulgarischen Stücks, dessen komplizierten 11/8-Takt niemand im Publikum erriet.

Einen griechischen Sirtaki stimmte Gitarrist Wiersich an. Geiger Widmoser spielte mit ihm, die Violine zupfend, im Duett. Die Band fiel mit ein und wurde immer schneller bis zum abrupten Ende. Ein Stück aus Thessaloniki folgte. Von John Jorgenson, einem Singer-Songwriter und Gipsy-Swing-Interpreten, stammte der 2007 veröffentlichte, irrlichternd schnelle „Ghost Dance“. Ein Stück aus Malta, in dem afrikanische Einflüsse mitschwangen, trommelte der experimentierfreudige Perkussionist Duckarm auf zwei Blumentöpfen aus dem Baumarkt. Den finnischen Tango Satumaa („Mächenland“), in dem um eine unerfüllte Liebe geht, hatte die Band im Repertoire. Klassik erklang ebenfalls: Ludwig van Beethovens Sinfonie Nr. 9 und Antonio Vivaldi.

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