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14:04 29.04.2017
Ausstellung "Überfahrt" des Malers und Bildhauers Konrad Mätzig in der Torhaus-Galerie. Quelle: Bänsch
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In sich zusammengesunken sitzt er in der Ecke. Den Kopf nach unten, die Beine angewinkelt, in sich gekehrt. Der „Trauernde“, eine Holzskulptur, hat keine Arme. Wozu auch, in diesem Gemütszustand fehlt ohnehin jeglicher Halt. Gleich daneben hängt das titelgebende Bild der Ausstellung, die „Überfahrt“. Hier geht es um die Überfahrt ins Jenseits. In einem Strahlen-Karree, das an Flammen denken lässt und der Fahrt eine spirituelle Bedeutung verleiht, wird der Tote vom Fährmann Charon über den Fluss in die Unterwelt gebracht.
Mythen und Sagen lässt Mätzig auch auf Biblisches treffen. Mit der Arbeit „Kreuzigung“ verweist der Künstler in seinen Ausführungen zur Ausstellung auf den „ungläubigen Thomas“. Dieser habe ihn beeindruckt, und so habe er auch selbst versucht, den Finger in die Wunde zu legen und so zu begreifen. Gegenüber hängt dazu das Pendant „Himmelfahrt“. Aus Stofffetzen erwachsen dem Gekreuzigten nun zarte Flügel, „eine Ikarusgeschichte“.

Info

Die Ausstellung in der Torhaus-Galerie am Stadtfriedhof in Göttingen, Kasseler Landstraße 1, ist Freitag bis Sonntag von 15 bis 17 Uhr geöffnet.

Mätzig ist ein Sammler und Spurensucher. Mit alten Eichenbalken aus Fachwerkhäusern, mit Holzleim, Sägemehl, Jutesäcken, Steinen und ausgebleichten Hölzern lässt er Naturimpressionen, Animalisches und Florales entstehen. Aus Fundstücken der Natur seiner Umgebung zieht er die Inspiration dazu. Bei den Arbeiten seien sehr viele Zweige verwendet worden, weil sie eine ganz natürliche Form hätten, erklärte Mätzig. „Damit bekommt man automatisch Leben in die Bude.“

Der Maler

Konrad Mätzig, Jahrgang 1940, hat nach einer Maurerlehre an der Mal- und Zeichenschule in München studiert, danach ein Studium an der Werkkunstschule in Kassel sowie von 1963 bis 1967 an der Hochschule für Bildende Künste in Kassel absolviert. Mätzig war Meisterschüler bei Prof. Arnold Bode, Malerei. Das Arnold-Mätzig-Haus in Avendshausen bei Einbeck, Rengershäuser Straße 19, ist Wohnsitz und Atelier. Die Dauerausstellung ist sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet.

Wie schon bei der Werkschau, die 2010 im Alten Rathaus gezeigt wurde, sind auch bei der aktuellen Schau Arbeiten aus verschiedenen Perioden des künstlerischen Schaffens zu sehen. So auch zwei Bilder aus den 60er-Jahren, die er überarbeitet und mit Zweigen und einem Torso an die heutige Zeit angepasst habe, erläuterte der Maler und Bildhauer. Kassel sei damals eine Hochburg der abstrakten Malerei gewesen. „Wenn man nicht abstrakt malte, wurde man rausgeschmissen. So viel zu Arnold Bode.“ Mätzig war damals Meisterschüler von Bode, dem „Vater der Documenta“.
Im „Novemberbild“ schimmert ganz zart blauer Himmel durch graue, nebelige Farbschwaden. Das Blau in der Mitte des Bildes liegt unter einem kleinen Rahmen im Rahmen. Ein weiterer Raum tut sich auf. Das Äußere tritt zurück, eine neue Dimension entsteht. Ein Element, das auch in anderen Arbeiten zu finden ist.
Archaisch Anmutendes trifft auf Poetisches und Zartes. Den oft schweren Holzfiguren stehen auch filigrane Zeichnungen gegenüber, zum größten Teil Frauenakte. Mit der Ausstellung zeige Konrad Mätzig „Kontinuität im Wandel, die Veränderung in Form und Bedeutung wie sie sich in den Kreislauf des Natürlichen einfügt“, sagte Bürgermeisterin Helmi Behbehani in ihrer Begrüßungsrede.

Von Karola Hoffmann

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