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Regional Solist Alexander Schimpf brilliert bei Konzert in der Stadthalle
Nachrichten Kultur Regional Solist Alexander Schimpf brilliert bei Konzert in der Stadthalle
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00:18 17.04.2018
Ovationen für den Solisten Alexander Schimpf. Quelle: Schäfer
Göttingen

Mit Anton Weberns Opus 1, der Passacaglia für Orchester, eröffnete Dirigent Christoph-Mathias Mueller den Abend. Dieses Werk hatte er hier zuletzt 2005 aufgeführt, im dritten Konzert seiner ersten Göttinger Saison: ein faszinierendes Stück, krönender Abschluss von Weberns Studium bei Arnold Schönberg 1904. Mueller machte das Publikum anhand ausgewählter Live-Hörbeispiele mit der Struktur dieser Komposition vertraut. Eine Folge von acht Tönen, die sich 23-mal wiederholt, ist sozusagen der rote Faden. Um ihn herum spielen sich im Zeitraum von etwas mehr als zehn Minuten dramatische Entwicklungen ab, die in Klangeruptionen münden, unterbrochen von sanften, lyrischen Strecken, von Klagen, Seufzern, von Resignation, aber auch von markant-straffen, entschlossenen Partien. Das ist keine abstrakte musikalische Konstruktion, sondern eine gestaltenreiche, packende Folge von Begebenheiten mit einer Fülle von Ausdrucksnuancen, die Webern mit feinsten klangfarblichen Schattierungen darstellt.

Schwierigkeiten souverän gemeistert

Wie Mueller dieses Geschehen nachzeichnete, welche Tiefen der Emotionen er dabei auslotete, war ein Erlebnis. Seine Musiker waren hochkonzentriert bei der Sache, meisterten auch die kitzligsten Schwierigkeiten souverän. Allein der scheinbar einfache Beginn hat es in sich: Ein Pizzicato in dreifachem Piano in superlangsamem Tempo ist eine böse Gefahrenstelle, da würde man jede noch so kleine Unpünktlichkeit gnadenlos genau hören. Doch die GSO-Streicher waren haargenau zusammen.

Den musikalischen Weg des Klaviersolisten Alexander Schimpf von seiner Schulzeit am Theodor-Heuss-Gymnasium bis hin zu seiner jetzigen Professur an der Musikhochschule in Hannover haben viele Göttinger Musikfreunde mit großem Interesse verfolgt. Es war dies eine sehr zielgerichtete Karriere, die steil aufwärts führte. Welch hohes Niveau Schimpf inzwischen erreicht hat, bewies er in Beethovens C-Dur-Konzert auf mitreißende Weise.

Perlende Virtuosität

Besondere Kennzeichen seines Spiels sind die absolute Präzision des Anschlags, die klangliche Durchsichtigkeit, die genaue Gewichtung, dazu perlende Virtuosität und eine fesselnde Ausdrucksintensität, womit er die Zuhörer in seinen Bann zieht. Das GSO unter Mueller bewährte sich als außerordentlich feinfühliger Partner des Solisten. Ob man das Schlussrondo wirklich in derart rasantem Tempo spielen muss, sei dahingestellt – Schimpf jedenfalls bezwang auch diese selbst auferlegte Zusatzschwierigkeit mit Bravour. In der ausgedehnten Solokadenz im ersten Satz – eine von dreien, die Beethoven selbst vermutlich 1809 komponierte – ließ er ahnen, wie der Pianist Beethoven sein Publikum beim freien Fantasieren wohl überwältigt haben mag. Für den rauschenden Applaus bedankte sich Schimpf mit dem Es-Dur-Intermezzo op. 117 Nr. 1 von Johannes Brahms: atemberaubend zart.

Gewaltige Seelenlandschaften

Den bis dahin an Höhepunkten nicht eben armen Abend krönte Mueller mit der vierten Symphonie von Johannes Brahms. Ihren Reichtum an Gestalten arbeitete Mueller mit feinstem Gespür für Spannungsverläufe, für zeitliche Dehnungen und Raffungen, für den natürlichen Strom des Atems heraus. Diese Musik, so hatte es den Anschein, ist dem Dirigenten ein Herzensanliegen. Gewaltige Seelenlandschaften waren da zu erkennen, Schicksalsschläge, Verzweiflung, aber auch Hoffnung, ein ganzer Kosmos des Seins. Die Begeisterung des Publikums entlud sich in lang anhaltendem Beifall und lautstarken Bravorufen. Ein großer Konzertabend.

Von Michael Schäfer

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