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Lesung in Einfacher Sprache

Literaturherbst Lesung in Einfacher Sprache

Die Sprecherin, Textbearbeiterin und Übersetzerin Sonja Markowski hat den Roman „Ohrfeige“ von Abbas Khider in Einfache Sprache übertragen. Beim 26. Göttinger Literaturherbst hat sie Auszüge aus dem Buch vorgestellt – im Bistro der Volkshochschule Göttingen.

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Sonja Markowski stellt den Roman „Ohrfeige“ von Abbas Khider in Einfacher Sprache vor.

Quelle: Markus Hartwig

Göttingen. Die Sprecherin, Textbearbeiterin und Übersetzerin Sonja Markowski hat den Roman „Ohrfeige“ von Abbas Khider in Einfache Sprache übertragen. Beim 26. Göttinger Literaturherbstes hat sie Auszüge aus dem Roman vorgestellt – im Bistro der Volkshochschule Göttingen.

Etwa 40 Interessierte waren zu dieser besonderen Veranstaltung des Literaturherbstes gekommen – Menschen mit und ohne Behinderung, mit und ohne Fluchterfahrung sowie Menschen vieler Altersstufen. Zunächst stellte sich Markowski, die als Berufsmusikerin ihren Lebensunterhalt verdiente und sich später noch für ein Journalismusstudium entschied, ihren Zuhörern ausführlich vor. Vor 20 Jahren sei sie nach Rotterdam ausgewandert und setze sich seither für die Einfache Sprache ein – sowohl durch das Übertragen von Romanen der Standardsprache in die Einfache Sprache als auch durch das Schreiben für die Zeitung „Klar und deutlich“. „Jeder hat ein Recht darauf, am täglichen Leben teilzunehmen“, sagte Markowski. Dazu gehöre selbstverständlich auch das Lesen und Verstehen von Texten. Nur wenn alle Menschen den Inhalt von Texten verstehen könnten, herrsche echte Barrierefreiheit.

Auch das Vorstellen der Geschichte des Romans „Ohrfeige“ gehörte zum Programm der Lesung. So erklärte Markowski den Zuhörern, dass der Autor Khider 1973 im Irak geboren und wegen seiner politischen Meinung festgenommen und gefoltert worden sei. Mittlerweile lebt Khider in Berlin. In einem Interview habe er einmal gesagt, „dass alles autobiografisch sei, auch das Erfundene“, so dass man nicht wissen könne, welcher Teil der Erzählung aus eigener Erfahrung stamme und welcher Teil erfunden worden sei. In der Geschichte wendet sich der Iraker Karim Mensy, der mittlerweile in Deutschland lebt, an seine Sachbearbeiterin Frau Schulz. „Die Behörden machen Karim das Leben schwer“, erklärte Markowski – wissendes Nicken im Publikum. Karim hat sich ein neues Leben aufbauen wollen, in Paris. Doch stattdessen landet er, getäuscht von den Schleppern, in der bayerischen Provinz. Ein langer und zermürbender Kampf beginnt: Mit den Behörden, mit umständlichen Formularen und auch mit sich selbst. Eindringlich las Markowski die Passagen der Geschichte, vergewisserte sich zwischendurch, ob alle alles verstanden hatten, und machte durch die Auswahl der Textstellen deutlich, wie schwer es für Geflüchtete sein muss, eine neue Heimat zu finden.

Am Ende der Lesung wurde Markowski unter anderem gefragt, ob sie Khider kennengelernt habe – dies verneinte die Übersetzerin. Sie habe aber bei der Übertragung des Welterfolgs „Ziemlich beste Freunde“ in die Einfache Sprache Philippe Pozzo di Borgo kennengelernt, dessen Lebensgeschichte als Vorlage für den Roman und den Film diente. Diese Begegnung sei „schon sehr beeindruckend“ gewesen. Generell müssten Autoren und Verlage der Übertragung eines Romans in die Einfache Sprache zustimmen, und es freue sie, dass die Zusagetendenz immer weiter steige.

Von Maren Iben

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