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Sonnige Gemüter

A capella Sonnige Gemüter

Echte Kerle lassen auf sich warten. „Oder stecken in der Damensauna fest“, so die Ansage vor dem Konzert von „Echte Kerle“ in der Musa. Tatsächlich betreten Björn Schmidt (Bass), Peter Scholz (Tenor), Mirko Moeller (Bariton), Axel Fink (Bariton) und Frank Lötzner (Tenor) zwar nicht nass geschwitzt, doch atemlos die Bühne. „Ein kleiner Höllenritt liegt hinter uns“, begrüßt die Kasseler Band die Gäste, „für 30 Kilometer brauchten wir im Stau drei Stunden“.

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Charmant: „Echte Kerle“ aus Kassel.

Quelle: Heller

Ihrer guten Laune kann die Verspätung nichts anhaben. Im Gegenteil: Die sonnigen Gemüter leuchten mit den bunten Hemden um die Wette. Trotz des Dauer-Lächelns auf der Bühne läge man falsch, würde man sie mit einer gewöhnlichen Boyband gleichsetzen. Denn die „Kerle“ singen live, sie singen gut und das ohne Instrumentalbegleitung. Das zweistündige originelle Bühnenprogramm, eine Mischung der Alben „Alles was du willst“ und der neu erschienen CD „Damensauna“, umfasst neben eigenen Kompositionen auch Coversongs. Besonders eine Parodie auf den deutschen Außenminister, unterlegt mit Julis „Die perfekte Welle“, sorgt für beste Stimmung.

In weißen Bademänteln

Doch es sind vor allen Dingen Lieder aus eigener Feder, die das Publikum begeistern. Ob „Ich steh’ im Stau“, „Über Schnäppchen“ oder „Du siehst nicht gut aus“: Alltägliche Inhalte, geistreich auf den Punkt gebracht, versetzen die (weiblichen) Fans in helle Freude. Ein Glanzlicht ist „Damensauna“: ein musikalischer Ausdruck der Ausgrenzung („Ihr transpiriert ungeniert, wir fühlen uns diskriminiert“). Während gesungen wird, räkeln sich drei von ihnen mit weißen Bademänteln und Perücken auf der Bühne.

„Wenn jemand beim nächsten Song ein Kleidungsstück auf das Podium schmeißen will, ist er herzlich willkommen. Und damit meine ich nicht den herbstlichen Schal.“ Dieser charmant-zweideutigen Aufforderung folgt „Modern Groupies“, das von weiblichen Anschmachtungen handelt. Hier besingen sie scherzhaft die scheinbar abnehmende Bewunderung ihrer Musik – und vor allem ihrer männlichen Reize. „Sie kennen ihre Rechte und drohen ihren Streik an, wenn man nur daran dächte, wie es früher war“, so eine Textpassage. Zumindest an diesem Abend muss sich das Quartett darüber nicht ernsthaft die Köpfe zerbrechen. Die Aufmerksamkeit war ihnen auch ohne fliegende Schlüpfer sicher.

Von Katharina Bednarz

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