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"South Pacific" im Kasseler Opernhaus

Musical-Premiere "South Pacific" im Kasseler Opernhaus

Palmen, unendliches Meer, am Horizont die untergehende Sonne, am Strand tanzende junge Frauen in Baströckchen mit buntem Blütenflor: Das ist Südseeromantik, die Traumlandschaft der 1950er Jahre. In dem Musical „South Pacific“ haben Richard Rodgers und Oscar Hammerstein dieses Paradies auf die Bühne gebracht.

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Lauter glückliche Menschen am Thanksgiving Day: Philippe Ducloux als Luther (mit Rund-BH), Kristin Hölck im Matrosen-Look als Nellie (beide vorn Mitte) und Ensemble in „South Pacific“.

Quelle: Ketz

Das Staatstheater Kassel lässt nun nahe den Fuldaauen die Bühnenpalmen rauschen. Die Handlung folgt dem üblichen Schema: Im Zweiten Weltkrieg bekämpfen sich (gute) Amerikaner und (böse) Japaner. Die schöne junge Krankenschwester Nelly verliebt sich in Pflanzer Emile. Am Ende kriegen sie sich – was sonst.

Der Reiz dieses Musicals liegt vor allem in seinem hohen Nostalgie-Wert. Und in dem Umstand, dass das, was wir sonst nur auf der Leinwand zu sehen bekommen haben, sich nun live vor uns abspielt. Hier sind die mutigen amerikanischen Soldaten, unter ihnen der smarte Luther Billis (typgerecht: Philippe Ducloux), der einzige, der in diesem Krieg sein Leben verliert. Dort tändeln und flirten die einheimischen Schönen. Bloody Mary (komödiantisch und echt komisch: Lona Culmer-Schellbach), eine Verwandte von Brechts Mutter Courage, verdient gut an den Soldaten und hätte beinahe ihre Tochter bei ihnen unter die Haube gebracht.

Das Traumpaar aber sind Krankenschwester Nellie und der grundanständige Pflanzer Emile. Ihre Liebe entzündet sich in den ersten Minuten, ist dann eine Bühnenstunde lang einigen Anfeindungen ausgesetzt, um am Ende um so strahlender zu triumphieren. Das glaubt man der ausgesprochen lebendig spielenden und singenden Kristin Hölck (Nellie) und André Bauer (als Emile ein Gentleman vom Scheitel bis zur Sohle) natürlich aufs Wort. Am Ende muss das Taschentuch die Spuren der Rührung wegwischen.

Wandelbare Bühne

Regisseur Matthias Davids weiß, wie er die Geschwindigkeit der Handlung zu steuern hat. Er ordnet und bewegt die Chor- und Statistenscharen mit sicherem Blick für angemessene Wirkung. Mathias Fischer-Dieskau ist für die wandelbare Südsee-Postkarten-Bühne zuständig, aus der mit wenigen Handgriffen ein US-Militär-Befehlsstand oder die weiße Terrasse der luxuriösen Pflanzervilla werden kann.

All die gefühlsschwangeren Songs und Tanznummern des Musicals – sogar mit Ansätzen einer Leitmotivtechnik – sind bei Dirigent Kai Tietje in guten Händen: echte Hollywood-Edelschnulzen, die auch einem Cinemascope-Film gut angestanden hätten.
Nächste Termine: 3., 8., 14., 21., 26., 28. November, 13., 18., 23. und 31. Dezember im Opernhaus Kassel. Karten: Telefon 05   61  /   10   94   222.

Von Michael Schäfer

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