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Regional Spektakel mit „Avengers - Infinity War“
Nachrichten Kultur Regional Spektakel mit „Avengers - Infinity War“
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15:06 25.04.2018
Das Steinzeit-Fußballteam "Early Man - Steinzeit bereit" läuft in dieser Woche in den Kinos an. Quelle: StudioCanal
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Göttingen

Vom Heldenkollektiv der Avengers über überfüllte Flüchtlingslager bis zum Fußball in der Steinzeit – das Kino-Programm in der kommenden Woche ist vielfältig.

Der Mann mit dem Hammer

Wenn Gewalt wehtut: Der Krimi „A Beautiful Day“ mit Joaquin Phoenix

Joe ist Stammkunde im Baumarkt. Am liebsten kauft er Hämmer. Aber Joe ist kein begeisterter Handwerker. Er ist ein bezahlter Killer – und zugleich ein guter Mensch, falls das denn möglich ist bei dieser Profession. Seine Spezialität: Joe befreit im Auftrag einer Detektei Mädchen und Jungs aus den Händen von Kinderhändlern. Er macht das wie in Trance, schiebt seinen massigen Körper durch die Nacht, betritt ganz ruhig die zumeist schäbigen Etablissements und schlägt kurz und kräftig mit seinem Hammer bei jedem zu, der sich ihm in den Weg stellt. Joe ist ein Totschläger.

Zwangsläufig ist „A Beautiful Day“ ein brutaler Film und eine heftige Seherfahrung. Aber wer die Augen nicht vor dem Entsetzlichen schließt, stellt fest, dass er mehr schlussfolgert, als er sieht. Die Eruptionen der Gewalt finden zumeist außerhalb des Blickfelds statt. Vieles läuft hier nur suggestiv ab. Und dann kippt auch noch mancher Moment ins Surreale.

Mehr als die Taten interessiert die schottische Regisseurin Lynne Ramsey der Täter – und der wird gespielt von Joaquin Phoenix („Walk the Line“), der für diese Rolle im Vorjahr beim Festival von Cannes den Darstellerpreis erhielt. Für Ramsey gab es den Drehbuchpreis obendrauf.

Ramsey, die ehemalige Fotografin, spielt kunstvoll mit Genre-Versatzstücken. Ihre Geschichte geht so: Joe soll das Mädchen Nina (Ekaterina Samsonov), die Tochter eines wahlkämpfenden Senators (Alex Manette), aus einem New Yorker Pädophilenring befreien. „Ich möchte, dass Sie diesen Leuten wehtun“, sagt der Senator. Kein Problem für Joe. Und doch läuft der Job aus dem Ruder.

Joe ist Kriegsveteran, er war mal FBI-Agent. Sein Körper ist übersät mit Narben. Vor allem aber ist Joe ein psychisches Wrack. Immer wieder mal zieht er sich eine Plastiktüte über den Kopf, um sich zu beruhigen. Tabletten gehören zu seinen Grundnahrungsmitteln.

„A Beautiful Day“, „Madame Aurora und der Duft von Frühling“, „Early Man“, „Eldorado“, „Draußen in meinem Kopf“ und „The Avengers – Infinity War“ laufen in dieser Woche in den deutschen Kinos an.

Von seiner Lebensgeschichte erfahren wir nur in kurzen, flüchtigen, manchmal auch rätselhaften Rückblenden wie bei einem Puzzlespiel. In seiner Kindheit muss Joe traumatische Erfahrungen mit dem Vater gemacht haben. Heute lebt er mit seiner alten und kranken Mutter (Judith Roberts) zusammen. Um sie kümmert er sich liebevoll. Er ist ein Psycho, aber keiner wie in Hitchcocks gleichnamigem Film „Psycho“.

„A Beautiful Day“ erzählt die Geschichte eines Mannes, der an der Brutalität und dem Wahnsinn der Welt beinahe erstickt und sich nach einem letzten Rest Unschuld sehnt, die er längst verloren hat. Es gab schon einige ähnliche Exemplare in der Kinogeschichte, die es zu großer Berühmtheit gebracht haben. Der eine war Travis Bickle (Robert De Niro) in „Taxi Driver“, der die jugendliche Prostituierte Iris (Jodie Foster) rettet. Der andere war „Léon – Der Profi“ (Jean Reno), der sich der misshandelten Mathilda (Natalie Portman) annimmt. Und nun sind da Nina und Joe.

„You Were Never Really Here“ heißt der Film im Original nach dem Buch von Jonathan Ames – und da ist etwas dran: Eben war er noch da, plötzlich hat ihn die Nacht verschluckt. Joe umweht etwas Geisterhaftes.

Das übliche Actionkino hat den Zusammenhang von Gewalt und Schmerz in digitalen Zeiten aus seinem Gedächtnis gelöscht. In „A Beautiful Day“ aber spürt man den Schmerz, den Joe mit sich herumträgt. Mag sein, dass Joe Kinder aus den Fängen des Bösen retten kann. Ihn selbst allerdings kann niemand erlösen.

„A Beautiful Day“, Regie: Lynne Ramsey, 90 Minuten, FSK 16

Joaquin Phoenix: Durchbruch als Kaiser Commodus in „Gladiator“

Er war der Kaiser: Joaquin Phoenix spielte den niederträchtigen Commodus in Ridley Scotts „Gladiator“ – jenem Epos, das anno 2000 den Monumentalfilm zurück in die Kinos brachte. Fünf Jahre später war Phoenix der um seine große Liebe June ringende Countrystar Johnny Cash in James Mangolds „Walk the Line“. Zwar hatte der 2003 verstorbene Cash sich in einem seiner letzten Gedichte gebeten: „Don’t Make a Movie Out of Me“. Doch hätte ihm das Resultat gewiss gefallen. Wie schon bei „Gladiator“ wurde Phoenix Oscar-nominiert, den Sieg aber trug Philip Seymour Hoffman davon („Capote“). Immerhin bekam Phoenix den Golden Globe.

Der 43-jährige Joaquin Phoenix ist der jüngere Bruder des 1993 tragisch verstorbenen River Phoenix. In dessen Sitcom „Seven Brides for Seven Brothers“ hatte er 1982 seinen ersten Fernsehauftritt. Immer wieder unterbrach Pheonix seine Schauspielkarriere, um zu reisen oder andere Dinge zu tun. 2008 gab er bekannt, eine Karriere als Rapper beginnen zu wollen. Letztlich war es nur ein Ulk, der Eingang fand in Casey Afflecks pseudodokumentarische Komödie „I’m Still Here“ (2010). Phoenix spielte eine durchgeknallte Version seiner selbst. Und ist seither in Filmen wie Paul Thomas Andersons „The Master“ (2012), Spike Jonzes Sci-Fi-Romanze „Her“ (2013) oder als Jesus in Garth Davis’ Bibelstunde „Maria Magdalena“ gut im Geschäft.

Das soll 2019 so bleiben. In Jacques Audiards Westernodyssee „The Sisters Brothers“ spielt Phoenix den Killer Charlie Sisters. In Todd Phillips’ „Joker Movie“ schlüpft er in die Maske von Batmans Erzfeind.

Leben nach der Menopause

Frauen um die 50 passen nicht mehr in alte Rollenbilder. Sie stehen im Leben, auch wenn sie für viele Männer „unsichtbar“ sind. Die alleinerziehende Aurora (Agnès Jaoui) fühlt sich noch jung und muss ihre weiblichen Reize nicht verbergen.

Dann kommt es aber knüppeldick: Die ältere Tochter ist schwanger, die jüngere zieht mit Freund nach Barcelona, Aurora ist allein und verliert auch noch ihren Job als Kellnerin. Die Beratungen im Jobcenter nerven, genau wie die Dates mit Männern, die sich für den Nabel der Welt halten. Bis sie ihre Jugendliebe Christophe (Thibault de Montalembert) wiedertrifft, den sie vor 30 Jahren verließ. Gibt es eine zweite Chance?

Der charmant-lockere Film konzentriert sich auf Aurora, ihre Selbstzweifel, ihre Lebensfreude, ihre Spontaneität – und ist auch eine Betrachtung über das Altern in einer auf Jugendkult fixierten Gesellschaft. Diese Frau ertrinkt nicht in Selbstmitleid, sie jammert nicht über alltägliche Krisen.

In ihren eigenen Filmen („Lust auf anderes“, „Erzähl mir was vom Regen“) verkörpert Agnès Jaoui oft die kühle Intellektuelle. Hier trumpft sie mit ungewohnter Körperlichkeit auf, in einer perfekten Balance von Lässigkeit, Melancholie und Humor. Es gibt ein Leben nach der Menopause, so die fröhliche Botschaft im Stil optimistisch-bunter Frauenmagazine. Das hört jede Frau gern, auch wenn die Wirklichkeit nicht ganz so rosig aussehen mag.

„Madame Aurora und der Duft von Frühling“, Regie: Blandine Lenoir, 90 Minuten, FSK 0

FC Primitivo gegen FC Bronzio

Wie der Fußball entstand: Der Film „Early Man“ geht dem Spiel auf den prähistorischen Grund

England gilt als Mutterland des Fußballs. Schließlich haben die Insulaner 1888 die erste Profiliga der Welt gegründet. Doch die Wurzeln des Sports reichen viel weiter zurück. Glaubt man den Knetkünstlern der selbst ziemlich traditionsreichen Aardman-Studios („Wallace & Gromit“, „Shaun das Schaf“), dann reichen sie bis ins frühe Pleistozän zurück.

Da beendet „nahe des heutigen Manchester“ ein herabstürzender Meteorit ein Gerangel zwischen Höhlenmenschen. Mit dem noch glühenden runden Überrest des Himmelskörpers als Ball kommt es nach einigen Verbrennungen zum ersten Kick der Menschheitsgeschichte. Das Ereignis wird sogleich auf Fels verewigt.

„Ein paar Zeitalter später“ können sich die Nachfahren der Fußballpioniere keinen Reim mehr auf die Kritzeleien machen. Wozu auch? Ihr Hauptinteresse gilt der Kaninchenjagd. Doch mit der steinzeitlichen Idylle ist es vorbei, als ein Trupp hochgerüsteter Krieger unter Lord Nooth (deutsche Stimme: Kaya Yanar) auftaucht, die Bronzezeit ausruft und die Sippe vertreibt, um auf ihrem Land Erz zu schürfen.

Einer will sich das nicht gefallen lassen. Teenie Dug (Friedrich Mücke) schmuggelt sich in die Stadt der Usurpatoren. Als er mitkriegt, dass dort Fußball hoch im Kurs steht, weiß er die Felsenmalereien zu deuten. So schlägt er Nooth ein Match vor. Sollte sein Stamm gegen die Stars des FC Bronzio gewinnen, kriegt er sein Land zurück. Siegesgewiss willigt der Lord ein – unter einer Bedingung: Verlieren Dug und Co., müssen sie bis ans Lebensende in den Erzminen schuften.

Einmal mehr haben die Aardman-Leute ein Mammutprojekt gestemmt. Schließlich ist die Stop-Motion-Technik, bei der die Figuren für jedes einzelne Bild minimal verändert werden, extrem arbeitsintensiv.

Ein so hübsch zusammengeknetetes Werk strahlt schon mal per se viel Charme aus. Leider steht dem aufwendigen Produktionsprozess eine schlichte Story gegenüber. Vieles davon, etwa den Appell an den Teamgeist, kennt man aus konventionellen Sportfilmen. Und wie der Kampf David ( = die sympathischen Steinzeit-Rumpelfüßler) gegen Goliath (= „die besten Spieler, die man für Bronze kaufen kann“) ausgeht, weiß man aus der Bibel. Das wäre kein Problem, hätten die Autoren und Regisseur Nick Park das erzählerische Drumherum einfallsreicher gestaltet. Zumindest haben sie mit der fußballverrückten Goona (Palina Rojinski) einen starken weiblichen Charakter geschaffen.

Was der Geschichte selbst an Originalität abgeht, findet sich reichlich im Detail. Zumindest in die deutsche Version hat sich ein feiner ironischer Verweis auf die berühmte „Was erlauben Strunz“-Wutrede des Ex-Bayern-Trainers Giovanni Trapattoni eingeschlichen. Eine andere naheliegende Pointe wird indes sträflich liegen gelassen: ein Verweis auf das umstrittene Wembley-Tor, das England 1966 im Finale gegen Deutschland zum WM-Titelgewinn verhalf.

„Early Man – Steinzeit bereit“, Regie: Nick Park, 88 Minuten, FSK 0, in Göttingen im Cinemaxx, in Duderstadt im Filmcenter Feilenfabrik, in Herzberg in den Kinowelt Central-Lichtspielen, in Hann. Münden in den Schiller-Lichtspielen

Die Flüchtlinge und wir

Knittrige Goldfolien als Schutz: Viel mehr bleibt den 1800 Geflüchteten nicht, die aus dem Mittelmeer gerettet werden. Doch was wird aus ihnen? Regisseur Markus Imhoof zeigt in seiner Doku „Eldorado“ das Leben im überfüllten Erstaufnahmelager, wo die Asylsuchenden monatelang warten. Wer abgelehnt wird, landet oft auf von der Mafia kontrollierten Tomatenplantagen. 30 Euro gibt es pro Tag, die Hälfte muss für Wasser und ein Sandwich wieder abgegeben werden. Imhoof hat noch weitere Beispiele dafür, wie Illegale für den Wohlstand Europas sorgen.

Der Schweizer Filmemacher analysiert die Strukturen und holt Migranten aus der Namenlosigkeit. „Eldorado“ ist ein vielschichtiger Film, der den Bogen schlägt zum Privaten: Imhoofs Eltern nahmen im Zweiten Weltkrieg in der neu-tralen Schweiz das italienische Flüchtlingskind Giovanna auf. Nach dem Krieg musste Giovanna zurück und starb unterernährt in Mailand. Im Film tritt Imhoof mit Giovanna in einen imaginären Dialog über Migration und sorgt dafür, dass uns das Thema näher kommt, als uns lieb ist. pal

„Eldorado“, Regie: Markus Imhoof, 95 Minuten, FSK 6

Duell am Krankenbett

Christoph verbringt sein freiwilliges soziales Jahr in einem Pflegeheim und soll sich dort um den etwa zehn Jahre älteren Sven kümmern. Dieser leidet unter Muskelschwund (Muskeldystrophie) im Endstadium und hat nur noch wenige Wochen zu leben.

Das ist die Ausgangssituation des Kammerspiels „Draußen in meinem Kopf“. Inszeniert hat das nachdenkliche, aber überraschend unterhaltsame Drama Eibe Maleen Krebs mit Samuel Koch, der 2010 durch seinen fatalen „Wetten, dass ...?“-Unfall bekannt wurde, und Nils Hohenhövel. Für alle drei ist es ihr Kinodebüt – und eine gelungene Premiere. eco

„Draußen in meinem Kopf“, Regie: Eibe Maleen Krebs, 99 Minuten, FSK 12

Schillernder Schurke

Marvel bildet ein Heldenkollektiv: Das Spektakel „Avengers – Infinity War“

„Weniger ist mehr“ ist eine Behauptung, die von den Marvel-Studios regelmäßig widerlegt wird. Mit bislang 18 Filmen – von „Iron Man“ (2008) bis hin zum aktuellen Hit „Black Panther“ – hat der Konzern mehr als 14 Milliarden Dollar eingespielt. Ganz vorn in der Buchhaltung lagen die „Avengers“-Filme, die die firmeneigenen Superhelden miteinander antreten ließen. Nun holt Marvel zum Finale mit mehr als 20 Superhelden aus. Die Gefahr der Übersättigung haben die Regiebrüder Anthony und Joe Russo erkannt. Sie splitten das Kollektiv in Kleingruppen auf und stellen den Guten den Bösewicht Thanos (Josh Brolin) entgegen. Thanos tötet Menschen, um die Überbevölkerung zu bekämpfen.

Die Teambildungsprozesse haben Unterhaltungswert: Iron Man (Robert Downey Jr.) etwa muss sich mit dem Magier Dr. Strange (Benedict Cumberbatch) und Superhelden-Azubi Spider-Man (Tom Holland) zusammentun. Doch würde die Planeten-Hoppelei ermüden, wäre da nicht dieser Schurke mit shakespeareschen Zügen. Mut zum Unerwarteten beweisen die Regisseure am Ende: Sie überlassen das Sterben nicht nur den Statisten.

„Avengers – Infinity War“, Regie: Anthony und Joe Russo, 155 Minuten, FSK 12, in Göttingen im Cinemaxx, in Duderstadt im Filmcenter Feilenfabrik, in Herzberg in den Kinowelt Central-Lichtspielen, in Hann. Münden in den Schiller-Lichtspiele

Von Stefan Stosch, Margret Köhler, Jörg Brandes und Martin Schwickert

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