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Spohrs „Jessonda“ konzertant

Oper Kassel Spohrs „Jessonda“ konzertant

Zu Lebzeiten ein hell leuchtender Stern am Musikerhimmel, bald nach dem Tod so verblasst, dass er heute so gut wie gänzlich aus dem Repertoire verschwunden ist: Der Geiger und Komponist Louis Spohr, der vor 150 Jahren in Kassel starb, hat eine wandlungsfreudige Rezeptionsgeschichte.

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Kultiviert und ausdrucksvoll: Jörg Dürmüller als Nadori, Nina Bernsteiner als Amazili, Wolfgang Newerla als Tristan d‘Acunha und Gabriele Fontana als Jessonda (von links).

Quelle: Ketz

Fast auf den Todestag genau hat das Staatstheater Kassel Spohrs Oper „Jessonda“ auf die Bühne gebracht – nicht szenisch, sondern sparsamerweise in einer konzertanten Produktion. Dabei hätte die Handlung durchaus das Zeug für einen Bollywood-Film: Witwe Jessonda soll nach dem Tod ihres Ehemanns nach Landessitte verbrannt werden. Das verhindert der portugiesische General Tristan d’Acunha (was für ein Name!), der in Jessonda seine verloren geglaubte Jugendliebe wiederfindet. Fast wäre sein Rettungsversuch an einem gegebenen Ehrenwort gescheitert, doch weil die indische Gegenseite in Gestalt des ränkeschmiedenden Oberpriesters Dandau Verrat übt, kann Tristan den Waffenstillstand brechen und den Sieg erringen. Tristan und Jessonda erneuern ihre Liebe, und für Jessondas Schwester Amacili ist ebenfalls ein Gatte in Gestalt des jungen Brahminen Nadori zur Stelle.

Exotisches Kolorit

Uraufgeführt 1823 in Kassel, steht diese Oper musikalisch zwischen Mozart, Beethoven und Weber. Das exotische Kolorit ist auf Janitscharen-Schlagwerk beschränkt, das Spohr aus Mozarts „Entführung“ geläufig war. Das zeit­typische Rezitativ-Arie-Schema wirkt etwas starr (wiewohl Spohr gerade in den Rezitativen sehr verschiedene Emotionen ausmalt). Die Melodik ist kultiviert, ausdrucksvoll, bisweilen mit virtuosen Schnörkelchen geschmückt – in der Summe aber eher konventionell. Dennoch lohnt die Bekanntschaft mit dieser „Jessonda“: Es gibt vieles in dieser Epoche, das qualitativ niedriger angesiedelt ist.
Sowohl Gabriele Fontana in der Titelrolle als auch Wolfgang Newerla als Tristan müssen für ihre anstrengenden Partien hörbar die Kraftreserven nutzen. Das hat Nina Bernsteiner (Amazili) überhaupt nicht nötig, die ihren Part mit wunderbarer Leichtigkeit gestaltet. Jörg Dürmüllers tenorale Strahlkraft – Göttinger kennen ihn aus etlichen Oratorienaufführungen – ist für die Rolle des Nadori ideal. Viel trägt der Chor, bis auf wenige verschleppte Passagen konzentriert bei der Sache, zum musikalischen Genuss bei. Und auch das Staatsorchester unter der temperamentvollen Führung von Patrik Ringborg leistet Beachtliches.
Termine: Sonntag, 1. November, 18 Uhr, und Sonnabend, 7. November, 19.30 Uhr. Karten unter Telefon 05   61  / 1094222.

Von Michael Schäfer

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