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Staatstheater Kassel: Premiere von Vivaldis Oper „L‘Olimpiade“

Entspannte Leichtigkeit Staatstheater Kassel: Premiere von Vivaldis Oper „L‘Olimpiade“

Der Gefühlswirrwarr einer barocken Oper übersteigt die Fantasie heutiger Soap-Opern-Schreiber. Da treten Menschen unter falschem Namen auf, haben das falsche Geschlecht, straucheln rund drei Stunden lang über Irrtum und Irrtum, bis sie sich endlich zu den Paaren finden, deren Zusammengehörigkeit eigentlich von Anfang an klar ist. Solchen Wirrwarr gibt es nicht nur bei Händel, sondern auch bei Vivaldi, dessen Oper „L’Olimpiade“ jetzt im Kasseler Opernhaus Premiere hatte.

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Hochkarätiges Solistenensemble: Belinda Williams (Argene), Marc-Olivier Oetterli (Clistene), Christiane Bassek (Licida) und Tomasz Wija (Alcandro).

Quelle: Klinger

Kassel. Die Konstellationen der handelnden Personen hat Dramaturgin Ursula Benzing im Programmheft in einem Figurendiagramm mit Herzchen und Pfeilen übersichtlich dargestellt. Wenigstens der Grundkonflikt sei angedeutet: Megacle nimmt an den olympischen Spielen teil, um für seinen Freund Licida die Hand der Königstochter zu gewinnen. Licida ist gerade sportlich nicht sonderlich in Form. Die Frau, um die es geht, heißt (was Megacle nicht gleich erfährt) Aristea – leider genau die Frau, die Megacle liebt. Und dass Aristea die Schwester von Licida ist, der eigentlich Filinto heißt und den sein Vater hatte umbringen lassen wollen (wozu es aber nicht kam), macht die Sache auch nicht einfacher. Am Ende wird dennoch Doppelhochzeit gefeiert: Megacle bekommt seine Aristea, und Licida heiratet Argene, die zuvor inkognito als Schäferin aufgetreten war.

Regisseur Dominique Mentha erliegt klugerweise nicht der Versuchung, diese Irrungen und Wirrungen sinnfällig zu machen. Er nimmt das Spiel als das, was es in der Hauptsache ist: als Gelegenheit, berückend schöne Arien über diverse Gemütszustände zu präsentieren. Dafür hat ihm Justyna Jaszczuk eine ausgesprochen neutrale Bühne mit zwei Ebenen entworfen, die vorwiegend aus einer Reihe weißer Türen besteht, durch die die Akteure auf- und abtreten. Ein paar kahle Äste sind der einzige Schmuck.

Schmuck ist die Musik

Die Nüchternheit des Äußeren ist konsequent. Denn der eigentliche Schmuck dieser Oper ist die Musik. Und die ist bei Gastdirigent Jörg Halubek in allerbesten Händen. Der Musiker, Gründer und Leiter des Stuttgarter Orchesters „Il Gusto Barocco“, war schon 2012 mit Scarlattis „Griselda“ in Kassel erfolgreich. Er hat die Musiker des Staatsorchesters auf entspannte Leichtigkeit eingeschworen, die wichtigste Tugend historischer Aufführungspraxis, die sehr wohl auch ohne historisches Instrumentarium möglich ist. Mit seinem federnd-beschwingten Dirigat verhilft er Vivaldis zauberhafter Musik zu sprühendem Leben.

Ensemble

Das Solistenensemble steht in seiner sänge­rischen Lebendigkeit den Instrumentalisten nicht nach. Dass die barockerfahrene Maren Engelhardt (Megacle) sich krankheitshalber auf die Rezitative beschränken musste und ihre Arien an die von der Seite ausdrucksstark singende Franziska Gottwald abtrat, beein­trächtigte den Genuss in keiner Weise. Sehr edel und stimmschön gestaltete Ulrike Schneider die Partie der Aristea. Für LinLin Fans hellen, wunderbar beweglichen hohen Sopran sind die Koloraturen des Aminta eine edelmetallverdächtige olympische Disziplin. Ebenfalls ein stimmlicher Hochgenuss ist Belinda Williams – Mitglied des Kasseler Opernstudios – als Argene. Mit Marc-Olivier Oetterli (Clistene), Tomasz Wija (Alcandro) und Christiane Bassek (Licida) sind auch die übrigen Partien hochkarätig besetzt. Das Publikum dankte mit lang anhaltendem, begeistertem Applaus, von dem LinLin Fan –  am 23. März in der Stadthalle Solistin im Frühlingskonzert des Göttinger Symphonie-Orchesters – die lautstärksten Wogen abbekam.

Termine:  20. und 23. März, 4. April, 2. Mai um 19.30 Uhr, 21. April um 18 Uhr. Karten unter Telefon 05 61 / 10 94-222.

Von Michael Schäfer

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