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Regional Stiftung Niedersachsen feiert 30. Geburtstag
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00:18 22.09.2017
Lavinia Francke, Generalsekretärin der Stiftung Niedersachsen. Quelle: Villegas
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Hannover, Die Stiftung Niedersachsen wird 30 Jahre alt. Im Interview erzählt Generalsekretärin Lavinia Francke über Wertediskurse, den Violinwettbewerb und von ihren Traum von einen Kulturquartier für Hannover.,

Die Stiftung Niedersachsen feiert im September ihren 30. Geburtstag. Ist eigentlich genug Geld für eine große Party da?

Klar. Wir haben in den vergangenen Jahren auch ein bisschen dafür gespart. Jetzt feiern wir zusammen mit vielen Künstlern und Institutionen, die von uns gefördert werden, ein großes Fest. Damit wollen wir die Menschen hinter den Förderprojekten zeigen und die Vielfalt unserer eigenen Arbeit abbilden.

Aber die Kapitalanlage ist ja nicht mehr so einfach, wie sie es einmal war .

Das stimmt. Momentan erhalten wir von unseren Anlageberatern allerdings Signale, dass die Talsohle wohl bald durchschritten sein soll.

Das wäre dann ja noch ein Grund zum Feiern .

In der Tat. Für mich war es übrigens im Rahmen der Vorbereitungen für das Fest ganz interessant, noch einmal nachzulesen, wie die Stiftung Niedersachsen vor 30 Jahren angefangen hat. Der damalige Ministerpräsident Ernst Albrecht hatte die Idee, eine Stiftung zu gründen, um das „geistige Klima im Land zu verbessern“. Auch damals wurde die Förderung von Kunst, Kultur und Wissenschaft schon als wichtiger Standortfaktor gesehen. Man hat Wertediskurse veranstaltet - und das tun wir ja heute immer noch. Im September zum Beispiel beginnt die von uns entwickelte Reihe „ABC der Demokratie“ mit Gastgeberin Carolin Emcke im Schauspielhaus.

Die Wertediskurse wurden früher in großen Kongressen geführt, die die Stiftung Niedersachsen veranstaltet hat. Warum hat sich die Stiftung davon verabschiedet?

Die Weitergabe von Wissen und Erfahrungen geschieht heutzutage auf so vielen verschiedenen Kanälen, dass wir neue Formate ausprobieren möchten. Wir haben uns deshalb für eine Veranstaltung an der Grenze von Wissenschaft und künstlerischer Praxis entschieden: den „Schwarzmarkt für nützliches Wissen und Nicht-Wissen“, der im April 2018 in Braunschweig stattfindet und die neue Einwanderungsgesellschaft verhandelt.

Themen für Kongresse gäbe es doch auch genug: Die Macht der Maschinen, die neuen Möglichkeiten der Gentechnik, der Umgang mit künstlicher Intelligenz. Aber diese Themen scheinen Sie ja lieber der Volkswagenstiftung zu überlassen.

Es ist gut, wenn die Profile der großen Stiftungen sich ergänzen. Die Volkswagenstiftung ist eine Wissenschaftsstiftung, die ihre Veranstaltungen aus einem Pool hochkarätiger Wissenschaftler besetzt und sich sehr spezifischen Themen widmet. Wir beschäftigen uns im „ABC der Demokratie“ mit den Begriffen, Werten und Institutionen, die eine demokratische Gesellschaft auszeichnen - Fragen, die uns alle täglich im Kern angehen.

Seit November 2015 sind Sie Generalsekretärin der Stiftung Niedersachsen. Was haben Sie seitdem bewegt?

Wir beraten und fördern natürlich kontinuierlich Museen, Kunstvereine, Musik-, Tanz- und Theaterfestivals. Wir haben das Programm „sozioK_change“ weiterentwickelt, das soziokulturelle Einrichtungen auf ihrem Weg in die Zukunft begleitet - da sind sehr vertrauensvolle Kooperationen entstanden. Der Jugendkulturpreis Niedersachsen gibt jungen Menschen Starthilfe bei der Entwicklung künstlerischer Projekte. Und mit der Mobilen Akademie Niedersachsen eröffnen wir Wissensforen im ganzen Land.

Für viele Kulturinstitutionen in Niedersachsen ist die Förderung durch die Stiftung Niedersachsen lebensnotwendig. Ist das eigentlich gut so?

Nein.

Was tun Sie dagegen?

Grundsätzlich sollen Stiftungen das Land und die Kommunen nicht von ihren Aufgaben entlasten. Aber natürlich leisten wir auch kulturelle Grundversorgung. Manchmal entsteht durch die stabile Partnerschaft mit uns auch so etwas wie eine Tradition des Außergewöhnlichen. So zum Beispiel bei vielen großen Festivals im Land, die wir seit Jahren fördern und die sich aus sich heraus immer wieder erneuern.

Ein Projekt, das sich aus sich heraus eher wenig erneuert, ist der Internationale Violinwettbewerb, der alle drei Jahre stattfindet. Es ist ein teures Projekt, das viele Mittel der Stiftung bindet. Sind Sie mit dem Wettbewerb zufrieden?

Der Wettbewerb ist ein wichtiges Leuchtturmprojekt, das in unseren Gremien große Zustimmung findet. Und er erneuert sich fortlaufend. Die Jury hat nicht mehr nur die handwerklich besten Instrumentalisten im Blick, sondern sucht nach Künstlerpersönlichkeiten, die auf dem Markt bestehen können. Wir haben Vermittlungsreihen, es gibt einen Live-Stream und Geigenflashmobs auf dem Opernplatz. Insofern ist der Wettbewerb ein gutes Beispiel für ein Projekt mit einem klassisch-bildungsbürgerlichen Kern, das weit darüber hinaus wirkt.

In der Selbstbeschreibung der Stiftung Niedersachsen heißt es, dass sie „landesweit Impulse geben“ und gleichzeitig auch die „Kontinuität im breiten kulturellen Angebot Niedersachsens“ sicherstellen soll. Das kann ja gar nicht zusammen funktionieren: Impulse geben und Kontinuität wahren - schließt sich das nicht aus?

Natürlich ist das ein Spagat. Und es ist ja nicht der einzige, den wir machen. Wir müssen einerseits unabhängig und andererseits konsensfähig sein. Geförderte Projekte treffen beim Publikum oft auf Akzeptanz, werden aber manchmal auch als Herausforderung empfunden. Unsere Arbeit erfordert also auch Diplomatie.

Warum fördert die Stiftung Niedersachsen Veranstaltungen wie ein Programm mit Werken für Geige und Bratsche, das Elisabeth Kufferath im Haasenhof Mandelsloh und im Kultursalon Soßmar präsentieren wird? Oder Benjamin Appl, der Heine-Lieder in Warfleth singt? In den Statuten der Stiftung ist doch auch von Relevanz die Rede.

Relevanz hat immer auch eine regionale Schwingung. Wir sind eine Landesstiftung, das heißt, wir müssen auch in die Fläche gehen. Wenn man diese kleinen Orte besucht, kann man feststellen, dass solche Projekte vor Ort sehr relevant sein können. Unsere Förderung ist da eine ganz wichtige Standortstärkung.

Wenn Sie ganz frei von Zwängen wären: Was würden Sie mit der Stiftung gern fördern?

In der Landeshauptstadt gibt es im Moment mehrere Initiativen, die sich für neue Räume für Kultur einsetzen. Früher gab es schon mal die Idee zu einem Tanzhaus, heute wünschen sich manche ein House of Music, andere ein Haus des Hörens und wieder andere ein Produktionshaus für freies Theater. Man könnte - in einem Zusammenschluss vieler Förderer - für diese vielen Einzelinitiativen ein interdisziplinäres Kulturquartier Hannover entwickeln. In Paris und in München gibt es solche interdisziplinären Orte, die sich für viele verschiedene Nutzungen eignen. Wenn man so aus dem Klein-Klein der Partikularinteressen herauskäme, wäre das der richtige Weg - und ein schöner Baustein bei der Bewerbung Hannovers zur Kulturhauptstadt Europas.

Von Ronald Meyer-Arlt

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