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Stimmliche Souveränität und perfektes Showkonzept

Weihnachtskonzert von "Seven Up" Stimmliche Souveränität und perfektes Showkonzept

Zwei nahezu ausverkaufte Vorstellungen ihres Weihnachtskonzertes hat die a cappella-Formation „Seven Up“ in der Göttinger Stadthalle geboten. Begleitet von kleiner Band, begeisterten sie dabei die Zuhörer mit Weihnachtsliedern, eigens arrangierten Popsongs und einem überragenden Gastsänger.

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Verbreiten festliche Stimmung: Kahlen, Neumeyer, Stürzenhofecker, G. Jess, Eiben, C. Jess (v.l.).

Quelle: PH

Was schon das Konzertplakat deutlich macht, bestätigt sich den Zuhörern während der ersten Nummern: Da fehlt doch jemand. Nach dem Ausstieg von Bassstimme Burkhardt Eiben kündigt Heike Neumeyer Nikolaus Josef („er heißt wirklich so“) Kahlen an, der „unten rum für Wärme sorgen soll“. Gegenüber seinen Mitmusikern, die bereits im 17. Jahr zusammen singen, scheint es dem Bassisten etwas an Erfahrung auf der großen Showbühne zu fehlen. Stimmlich kann er allerdings, zur Freude eines großen Stammpublikums, mit wohlig sanftem Bass überzeugen. „Es kommt ein Schiff geladen“, eines der ältesten Weihnachtslieder, erwächst so zu einem vokalistischen Glanzlicht.

Benjamin von Stürzenhofecker erntet für seine zärtlich vorgetragene spanisch/englische Version des Robbie-Williams-Titels „Angel“ Riesenapplaus. Ebenso wie Gregor Jess, der seinen Solopart, stimmlich bestens disponiert, mit Bravour über die Rampe bringt. Scheinbar spielerisch bewegen sich „Seven Up“ durch schwierige Passagen, wenn sie „Es ist ein Ros’ entsprungen“ virtuos mit Seals „Kiss from a rose“ verweben und ebenso gekonnt wieder entwirren.

Neben ihrer stimmlichen Souveränität beherrscht die Gruppe auch das Showkonzept in Perfektion: Kurz bevor es den Besuchern die Tränen der vorweihnachtlichen Rührung in die Augen treibt, reißen die Musiker das Steuer immer wieder herum. Mit „Word up“ feiert der funkige Hip-Hop der 80er eine mitreißende fünfstimmige Renaissance. „Owner of a lonely heart“ gerät zum Paradestück in Sachen Rhythmus und Timing. Yes-Frontmann Jon Anderson hätte seine Freude daran. Insgesamt wirkt die Show erwachsener als in den Vorjahren, ohne das der Humor zu kurz kommt.

Die „Baccara“-Nummer ist der Brüller des Abends und die Besucher schlagen sich vor Vergnügen auf die Schenkel. Als Überraschung präsentieren „Seven Up“ Gastsänger Ken Norris, der das Publikum zu wahren Begeisterungsstürmen hinreißt. Im brillanten Duett mit Heike Neumeyer singt Norris „I knew you were waiting“, im Original von niemand geringerem als Aretha Franklin und George Michael. „I saw three ships“ begleitet der gebürtige US-Amerikaner mit Faible für Jazz und Gospel am E-Piano, um anschließend in einem fulminanten stimmlichen Solo die Stadthalle in eine rauchgeschwängerte Chicagoer Jazzlounge zu verwandeln – großartig.

Nachdem die kleine Schneeprinzessin Ella Eiben (Tochter von Christiane Eiben) es auch in der Halle hat kräftig „schneien“ lassen, entlassen „Seven Up“ ihr Publikum mit einer Gänsehaut-Version von „After the Goldrush“ hinaus in die bitterkalte Winternacht.

Von Christoph Mischke

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