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Bemerkenswertes Temperament

Orchester Camerata Bemerkenswertes Temperament

Ein nikolausbemützter A-cappella-Chor, Glühwein in der Pause, am Ende Versteigerung zweier Weihnachtsbäume:  Das Weihnachtskonzert der Camerata medica unterscheidet sich erheblich vom traditionellen Kulturbetrieb – und ist dementsprechend attraktiv. Rappelvoll war am Mittwoch die Aula am Waldweg.

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Zweimal im Jahr kommt Camerata medica zum Konzert zusammen: Am Mittwoch zum Weihnachtskonzert in der Aula am Waldweg.

Quelle: Christoph Mischke

Göttingen. „Heart Choir“ nannten sich die singenden weiblichen und männlichen Nikoläuse, die den Abend mit drei weihnachtlichen Liedern aus England und Frankreich eröffneten. Anschließend gab es vokale und instrumentale Beiträge in kleiner Besetzung, von César Francks Sololied „Panis angelicus“ über „The World for Christmas“ für Vokalquartett und zwei italienische Arien bis zu „Nothing else matters“ von „Metallica“, vorgetragen von der siebenköpfigen Cellogruppe der Camerata.

Zwischendurch berichtete Prof. Friedemann Nauck, Vorsitzender des Ärztevereins Göttingen,  in seiner Weihnachtsansprache von den „Violins of Hope“. Viele Musiker, die in Hitler-Deutschland als „Nicht-Arier“ verfolgt waren und in Palästina eine neue Heimat gefunden hatten, wollten ihre in Deutschland erworbenen Instrumente am liebsten zerstören. Doch Amnon Weinstein, Geigenbauer aus Tel Aviv, konnte etliche der Besitzer überreden, ihm diese Geigen zu verkaufen. Diese Instrumente sind inzwischen international zu einem Sinnbild der Hoffnung geworden.

In der zweiten Hälfte des Abends präsentierte die Camerata medica ein anspruchsvolles, stilistisch vielseitiges Programm. Die festlichen Klänge des Einzugs der Königin von Saba aus Händels Oratorium „Solomon“ standen am Anfang, gefolgt von Astor Piazzollas berührend leidenschaftlich vorgetragenem „Libertango“. Mit dem ersten Satz aus Dvořáks Symphonie „Aus der neuen Welt“ hatte Dirigent Maximilian Guth seine Instrumentalisten vor eine besondere Herausforderung gestellt, die die Musiker mit erstaunlicher Geschlossenheit, schönen Steigerungen und bemerkenswertem Temperament bewältigten. Henry Woods „Fantasia of British Sea Songs“ brachte einen Hauch der Last Night of the Proms in die sonst eher nüchterne Aula. Zwei gemeinsam gesungene Weihnachtslieder und Leroy Andersons „Sleigh Ride“ rundeten diesen stimmungsvollen, spielfreudigen Abend ab.

50 musizierende Mediziner

Im Jahr 2008 wurde die Camerata medica gegründet: ein Amateurorchester, das sich aus Studierenden der Medizin und Zahnmedizin, Ärztinnen und Ärzten aus Krankenhäusern und aus dem niedergelassenen Bereich sowie Angehörigen weiterer medizinischer Berufe zusammensetzt. Es umfasst knapp 50 Mitglieder. Derzeitiger Dirigent ist Maximilian Guth, der seine Ausbildung an der Musikhochschule Hannover absolviert hat.

Das Orchester – dessen Logo eine hübsche Verbindung aus Notenlinien und EKG darstellt – tritt zweimal im Jahr, im Sommer und zu Weihnachten, in öffentlichen Konzerten auf. Finanziert wird es größtenteils durch Sponsoren. Beim Weihnachtskonzert erhielt die Camerata medica einen Spendenscheck über 1490 Euro, ausgestellt vom Ärzteverein Göttingen.

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