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Göttinger Figurentheatertage: „Rumpelstilzchen“

Stoffpuppentheater Lille Kartofler Göttinger Figurentheatertage: „Rumpelstilzchen“

Im richtigen Leben sind Schwarz und Weiß manchmal schwer auseinanderzuhalten, es gibt die verschiedensten Abstufungen in den Grautönen, und manchmal liegen Gut und Böse vermeintlich allzu nahe beieinander, um sie überhaupt noch unterscheiden zu können. Ganz anders ist es im Märchen.

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Seit 1982 mit seinem „Lille Kartofler“-Figurentheater unterwegs: Mathias Kuchta inmitten seiner „Rumpelstilzchen“-Figuren.

Quelle: Heller

Göttingen. Das Gute und das Böse sind extrem. Sie haben klar zugemessene Rollen, man fürchtet mit den Guten, geht mit ihnen durch jedes Jammertal und oft  durch drei Prüfungen, in denen es immer so scheint, als würde das Böse in Form eines Wolfes, einer bösen Stiefmutter oder Zauberers die Oberhand behalten. Doch am Ende – zum Glück – kommt es noch anders. Die Guten gewinnen und können besonders glücklich weiterleben oder prachtvoll heiraten. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute. Die Bösen auf der anderen Seite  werden bedingungslos hart bestraft.

Auch das Märchen von Rumpelstilzchen ist so gebaut. Mathias Kuchta vom Figurentheater Lille Kartofler, der seine Inszenierung des Märchens zu den Figurentheatertagen mit nach Göttingen gebracht hat, liebte es als Kind. So erzählt er noch vor Beginn der Vorstellung dem Publikum im ausverkauften Alten Rathaus, wenn am Ende seines Lieblingsmärchens die Spannung so groß wurde wie der Zorn Rumpelstilzchens.

Damals riss er aus dem Märchenbuch, aus dem „Rumpelstilzchen“ ihm 1243-mal vorgelesen wurde, bevor er es auswendig konnte, vor lauter Aufregung beim Zerreißen des bösen Männleins selbst immer eine Seite heraus.

Auf der so beliebten Puppenbühne von Lille Kartofler, mit der Kuchta seit 1982 unterwegs ist, nimmt er dem Märchenende die erlösende Kraft, irritierender Weise blühen im Innern des zerrissenen Männchens Blumen auf, sein grausames Ende wird verunklärt.

„Es ist ja nur ein Märchen“

Und damit nicht genug, das Böse wird vor den Augen der Kinder wieder zusammengesetzt, „es ist ja nur ein Märchen“, so erläutert Kuchta, „und das hier ist ein Klettverschluss“. So wird am Ende wieder heil, was besser für immer zerstört bliebe.

Ähnlich uneindeutig verhalten sich die Figuren von Beginn an. Kuchta schreibt ihnen eine Ambivalenz zu, die zwar witzig ist und vom Publikum honoriert wird, dem Kern des Märchens aber nicht gerecht wird. So ist die schöne Müllerstochter wenig verzweifelt, sondern fast ein wenig berechnend, der König so armselig tollpatschig und unbeholfen, dass er wiederum wenig mächtig wirkt.

Die scharfen Grate, von denen Märchen leben, werden eingeebnet, weitaus beängstigender ist dies als wenn das Böse zwar nicht berechenbar, aber doch besiegbar bleibt. Den Kindern wird die Möglichkeit genommen, sich mit eindeutig guten oder bösen Figuren auseinanderzusetzen, Orientierung zu üben, bevor sie mit den grausamen Graustufen der Welt konfrontiert werden.

Von Tina Lüers

Restkarten für alle Veranstaltungen im Rahmen des Göttinger Figurentheaterfestivals gibt es an der Tageskasse am Veranstaltungsort, die jeweils eine Stunde vor Vorstellungsbeginn öffnet.
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