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Regional Stoppok rockt das Festzelt
Nachrichten Kultur Regional Stoppok rockt das Festzelt
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00:16 15.08.2017
Liedermacher Stefan Stoppok gastiert anlässlich der 750-Jahr-Feier im Festzelt in Hermannrode  Quelle: Christoph Mischke
Hermannrode

 Draußen regnet es in Strömen, als Stefan Stoppok, der irgendwann seinen Vornamen wegließ, die Bühne im Zelt betritt. Nadelstreifen-Hose, schwarzes T-Shirt mit Eigenwerbung, darüber ein schwarzes Hemd mit ein paar bunten Applikationen, weiß-rot gemusterte, spitze Schuhe, eine Kombination, genauso eigenwillig wie seine Texte. Vier Akustik-Gitarren, Verstärker, zwei Mikrofone, zwei Monitore und ein paar bunte Scheinwerfer. Mehr braucht er nicht, um die Besucher in kürzester Zeit in seinen Bann zu ziehen.

Viele singen mit

Schon beim zweiten Song von seinem 2014er Album „Popschutz“ singen viele mit, und der Wahl-Hamburger freut sich: „Ihr und ich in dieser wundervollen, kleinen Oase, es hätte nicht besser kommen können“, leitet er zum gleichnamigen Titel über. Von der ersten bis zur letzten Minute hält Stoppok Dauerkontakt zu seinem Publikum und dieses zu ihm. Es herrscht eine fast freundschaftliche Stimmung, wie bei einem Wohnzimmer-Konzert. Der Sänger scherzt zwischen seinen Songs, erklärt Hintergründe zu Titeln, pariert sympathisch-ironisch den Dauer-Zwischenrufer an der Bar und weist Handyfilmer höflich in ihre Schranken. „Mich irritiert es, dauernd gefilmt zu werden, sonst wäre ich Schauspieler geworden“, sagt der Sänger ins Mikro, und schon erlöschen die erfreulich wenigen Displays im Publikum.

Seinen ersten Texthänger kommentiert Stoppok mit den Worten: „Wenn ich bereits im vierten Song den Text vergesse, wissen die Kenner unter euch, es wird ein wunderbarer Abend.“ Eine Vermutung, die sich bestätigt. Mit „Tage wie dieser“ covert Stoppok ein 40 Jahre altes Lied von Bernies Autobahn Band, und es kommt so frisch und lebendig daher, als sei es eben komponiert worden. Der 61-Jährige ist vom textfesten Publikum immer wieder hocherfreut und lobt dessen Musikgeschmack, der sich eben nicht am Mainstream orientiere. „Ich liebe Leute, die sich ihre Kultur bewahren und sich Vögel wie mich einladen, die man nicht aus dem Fernsehen kennt.“ Immer wieder fordert Stoppok die Besucher auf mitzusingen, mitzuklatschen oder gar zu „Scheiße im Schuh“ einen Dudelsack zu imitieren, was dann auch leidlich gelingt. Der Sound im Zelt ist hervorragend, und wenn manche Textpassage nicht gut zu verstehen ist, liegt es ausschließlich am nasal-nuscheligen Gesang des Künstlers.

Virtuos und mit mächtig Druck

Für Hermannrode hat der Liedermacher vor allem seine rockigen Stücke aus mehr als drei Jahrzehnten auf der Setlist. Virtuos und mit mächtig Druck begleitet er sich auf den sechs- und zwölfsaitigen Gitarren, die er nach nahezu jedem Song wechselt. Stoppoks Texte beschreiben das Leben in all seinen Facetten, ironisch legt er den Finger in die Wunden dieser Welt, fordert die Menschen zu Empathie und aufmerksam kritischer Haltung auf: „Beweg‘ Dein Herz zum Hirn“, heißt es dann. In „La Kompostella“ erinnert der Sänger daran, dass alles, was der Mensch an Müll erzeugt, nicht einfach so verschwindet, sondern auf irgendeinem Weg zurückkommt. Nach zwei Stunden und zwei Zugaben verabschiedet sich Stoppok unter tosendem Applaus.

Von Christoph Mischke

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