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Vom Mut, die Welt zu verändern

„Malala – Mädchen mit Buch“ im DT Vom Mut, die Welt zu verändern

Vor drei Jahren erhielt Malala Yousafzai den Friedensnobelpreis. Ihr Schicksal beherrschte damals die Medien. Darüber hat der britische Autor Nick Wood den Theatertext „Malala – Mädchen mit Buch“ geschrieben: Am Sonntag hatte das Stück, gespielt von Gaby Dey, Premiere im Keller des Deutschen Theaters.

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Gaby Dey spielt „Malala – Mädchen mit Buch“ im Deutschen Theater.

Quelle: r

Göttingen. Malala, geboren 1997 im nordpakistanischen Swat-Tal, kämpft für das Recht auf Bildung. Für ihren Einsatz, den die Taliban 2012 mit einem Attentat zu verhindern versuchten, wurde sie 2014 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Schon 2013 hat der Bühnenschriftsteller Nick Wood dieses Schicksal zum Thema eines Theaterstücks gemacht, das im Juni 2013 – mit dem Autor als Schauspieler – im britischen Nottingham uraufgeführt wurde. 2015 drehte der US-Regisseur Davis Guggenheim den Dokumentarfilm „He Named Me Malala“.

Malalas Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln

Wood stellt Malalas Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln dar. Mal hören wir Passagen aus der Rede, die Malala am 12. Juli 2013, ihrem 16. Geburtstag, vor den Vereinten Nationen gehalten hat, mal erfahren wir Näheres aus der Position des Beobachters. Unvermittelt befinden wir uns im Jahr 1880 im Kampf der britischen Armee gegen die Paschtunen, die von der afghanischen Volksheldin Malala von Maiwand zum Sieg geführt werden – und werden später informiert, dass Malala Yousafzai ihren Vornamen nach dieser mutigen Frau erhalten hat. Das furchtbare Attentat im pakistanischen Schulbus 2012 erleben wir fast im O-Ton.

Solche Perspektivwechsel in Filmschnitttechnik machen Malalas Geschichte lebendig. Das funktioniert nicht zuletzt deshalb, weil es Gaby Dey in der Inszenierung von Elias Perrig gelingt, mit wenigen Worten und Gesten die Atmosphäre der wechselnden Schauplätze sinnlich erlebbar zu machen – bis hin zu mutmachenden Kampfliedern, den heiser geflüsterten Dialogen paschtunischer Kämpfer und Geräuschen von gackernden Hühnern oder von Schüssen. Die Rollenwechsel markiert sie mit minimalem Requisiteneinsatz. Mit Brille und Kopftuch ist Gaby Dey Malala vor der UN, das Tuch wird zum Schal, wenn sie in die Rolle einer Göttinger Bürgerin schlüpft, die Stammtischweisheiten zum Thema Flüchtlinge verkündet und dabei ihre tief sitzenden Ängste und Vorurteile preisgibt. Solche Passagen sind für die Göttinger Aufführung („nach Nick Wood“) neu geschrieben.

Abschnitt aus Malalas UN-Rede

Zum Schluss ist ein ausführlicher Abschnitt aus Malalas UN-Rede im O-Ton zu hören – mit der viel zitierten Kernaussage „Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern“. Ausgerechnet hier wird das Stück trotz des großen Engagements der Darstellerin ein wenig papieren. Doch wiegt dies weniger als der Umstand, dass dem Zuschauer Malalas Geschichte dank Gaby Deys berührendem, facettenreichem, nirgends ins Sentimentale abgleitenden Spiel sehr nahe geht. Intensität und Spannung lassen in den 75 Minuten nirgends nach, Information und Emotion greifen nahtlos ineinander. Die Zuschauer dankten mit lang anhaltendem, herzlichem Beifall.

Nächste Termine: Mittwoch, 18. Oktober, und Dienstag, 7. November, um 20 Uhr im DT-Keller, Theaterplatz 11. Kartentelefon: 05 51 / 49 69-300. Karten gibt es auch in den Geschäftsstellen des Göttinger und Eichsfelder Tageblatts, Weender Straße 44 in Göttingen beziehungsweise Marktstraße 9 in Duderstadt, sowie online unter gt-tickets.de.

Von Michael Schäfer

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