Menü
Göttinger Tageblatt / Eichsfelder Tageblatt | Ihre Zeitung aus Göttingen
Anmelden
Regional Vom Mut, die Welt zu verändern
Nachrichten Kultur Regional Vom Mut, die Welt zu verändern
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
08:31 17.10.2017
Gaby Dey spielt „Malala – Mädchen mit Buch“ im Deutschen Theater. Quelle: r
Anzeige
Göttingen

Malala, geboren 1997 im nordpakistanischen Swat-Tal, kämpft für das Recht auf Bildung. Für ihren Einsatz, den die Taliban 2012 mit einem Attentat zu verhindern versuchten, wurde sie 2014 mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Schon 2013 hat der Bühnenschriftsteller Nick Wood dieses Schicksal zum Thema eines Theaterstücks gemacht, das im Juni 2013 – mit dem Autor als Schauspieler – im britischen Nottingham uraufgeführt wurde. 2015 drehte der US-Regisseur Davis Guggenheim den Dokumentarfilm „He Named Me Malala“.

Malalas Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln

Wood stellt Malalas Geschichte aus verschiedenen Blickwinkeln dar. Mal hören wir Passagen aus der Rede, die Malala am 12. Juli 2013, ihrem 16. Geburtstag, vor den Vereinten Nationen gehalten hat, mal erfahren wir Näheres aus der Position des Beobachters. Unvermittelt befinden wir uns im Jahr 1880 im Kampf der britischen Armee gegen die Paschtunen, die von der afghanischen Volksheldin Malala von Maiwand zum Sieg geführt werden – und werden später informiert, dass Malala Yousafzai ihren Vornamen nach dieser mutigen Frau erhalten hat. Das furchtbare Attentat im pakistanischen Schulbus 2012 erleben wir fast im O-Ton.

Solche Perspektivwechsel in Filmschnitttechnik machen Malalas Geschichte lebendig. Das funktioniert nicht zuletzt deshalb, weil es Gaby Dey in der Inszenierung von Elias Perrig gelingt, mit wenigen Worten und Gesten die Atmosphäre der wechselnden Schauplätze sinnlich erlebbar zu machen – bis hin zu mutmachenden Kampfliedern, den heiser geflüsterten Dialogen paschtunischer Kämpfer und Geräuschen von gackernden Hühnern oder von Schüssen. Die Rollenwechsel markiert sie mit minimalem Requisiteneinsatz. Mit Brille und Kopftuch ist Gaby Dey Malala vor der UN, das Tuch wird zum Schal, wenn sie in die Rolle einer Göttinger Bürgerin schlüpft, die Stammtischweisheiten zum Thema Flüchtlinge verkündet und dabei ihre tief sitzenden Ängste und Vorurteile preisgibt. Solche Passagen sind für die Göttinger Aufführung („nach Nick Wood“) neu geschrieben.

Abschnitt aus Malalas UN-Rede

Zum Schluss ist ein ausführlicher Abschnitt aus Malalas UN-Rede im O-Ton zu hören – mit der viel zitierten Kernaussage „Ein Kind, ein Lehrer, ein Buch und ein Stift können die Welt verändern“. Ausgerechnet hier wird das Stück trotz des großen Engagements der Darstellerin ein wenig papieren. Doch wiegt dies weniger als der Umstand, dass dem Zuschauer Malalas Geschichte dank Gaby Deys berührendem, facettenreichem, nirgends ins Sentimentale abgleitenden Spiel sehr nahe geht. Intensität und Spannung lassen in den 75 Minuten nirgends nach, Information und Emotion greifen nahtlos ineinander. Die Zuschauer dankten mit lang anhaltendem, herzlichem Beifall.

Nächste Termine: Mittwoch, 18. Oktober, und Dienstag, 7. November, um 20 Uhr im DT-Keller, Theaterplatz 11. Kartentelefon: 05 51 / 49 69-300. Karten gibt es auch in den Geschäftsstellen des Göttinger und Eichsfelder Tageblatts, Weender Straße 44 in Göttingen beziehungsweise Marktstraße 9 in Duderstadt, sowie online unter gt-tickets.de.

Von Michael Schäfer

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Wir freuen uns am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Regional Konzert im Kloster Walkenried - Ravel und Bach vom Klenke-Quartett

Das Weimarer Klenke-Quartett gastiert am Sonntag, 22. Oktober, im Kloster Walkenried. Drei Violinistinnen und eine Cellistin spielen Streichquartette von Felix Mendelssohn Bartholdy und Maurice Ravel sowie „Die Kunst der Fuge“ von Johann Sebastian Bach bei den Kreuzgangkonzerten.

17.10.2017
Regional Literaturherbst - Jan Weilers Pubertier

Jan Weiler hat es nicht erfunden, aber hat es entdeckt: das Pubertier. Der dritte Teil seiner Familiengeschichte um den pubertierenden Nick und seine Eltern ist erschienen: „Und ewig schläft das Pubertier“. Am Sonntag, 22. Oktober, stellt er es beim Göttinger Literaturherbst im PS.Speicher in Einbeck vor.

16.10.2017
Regional Deutsches Theater Göttingen - Überraschung vom Ensemble

Die Reihe „Nacht-Bar“ am Deutschen Theater (DT), Theaterplatz 11, steht in der aktuellen Spielzeit erstmals auf dem Programm. Das Ensemble, die Regieassistenten und anderen wahnsinnigen Theatermitarbeiter setzen die Reihe des Late-Night-Formates am Freitag, 20. Oktober, um 20.30 Uhr fort.

16.10.2017
Anzeige