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Svetlana Kundish und Assaf Levitin in der Göttinger St.-Paulus-Kirche

Höchst qualifiziert Svetlana Kundish und Assaf Levitin in der Göttinger St.-Paulus-Kirche

Kantoren sind geachtete Musiker im Dienst der Kirche. Hierzulande verbindet man mit dieser Berufsbezeichnung in erster Linie die christliche Kirchenmusik – aber schon lange vorher hat es Kantoren in Synagogen, den Gotteshäusern der jüdischen Gemeinden, gegeben.

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Starke Stimmen: Sopran Kundish (links) und Bariton Levitin.

Quelle: Heller

Göttingen. Zwei jüdische Kantoren, die gerade ihre Ausbildung am Abraham-Geiger-College der Universität Potsdam abschließen, die Sopranistin Sveta Kundish und der Bariton Assaf Levitin, stellten jetzt im Gemeindehaus der St.-Paulus-Kirche ein Programm mit jüdischer Vokalmusik vor.

Kantoren jüdischer Gemeinden haben traditionell ein anderes Berufsbild als ihre christlichen Kollegen, deren musikalischer Schwerpunkt im Orgelspiel und in der Chorleitung liegt. Bei jüdischen Kantoren spielt der Sologesang eine ganz besondere Rolle, nicht zuletzt deshalb, weil die jüdische Liturgie sehr schwierig ist.

Während in den orthodoxen jüdischen Gemeinden nur Männer das Amt des Kantors ausüben dürfen, sind in liberalen Gemeinden auch Frauen zugelassen.

Sowohl Sveta Kundish als auch Assaf Levitin sind hochqualifizierte Solisten. Die aus der Ukraine stammende Sopranistin hat in Tel Aviv und Wien Gesang, Klavier, jiddische Musik und Musikwissenschaft studiert und ihr Kantorenstudium in Potsdam 2012 begonnen.

Levitin stammt aus Israel, studierte an der Musikhochschule Saar­brücken und war nach seiner Weiterbildung am Opernstudio in Zürich drei Jahre lang Ensemblemitglied des Theaters Dortmund. Schon 2004 brachte er eine Doppel-CD mit synagogalen A-cappella-Gesängen heraus. Er vervollkommnet seit 2011 am Abraham-Geiger-College seine Ausbildung.

Ganz selbstverständlich in den verschiedensten stilistischen Ebenen

Solche Biografien verheißen spannende musikalische Erlebnisse. Und die lieferten Kundish und Levitin in Hülle und Fülle – von ergreifend gesungenen Gebeten über jiddische Volkslieder bis hin zu ausgesprochen unterhaltsamen humorvollen Eheszenen, vom Mendelssohn-Lied bis zu populären Stücken von Kurt Weill („Alabama-Song“ aus „Mahagonny“) und George Gershwin („Bess, You is My Woman Now“ aus „Porgy and Bess“).

Kundish besitzt einen wunderschön timbrierten, hellen Sopran, der bruchlos bis in höchste Lagen reicht. Zudem bewegt sie sich ganz selbstverständlich in den verschiedensten stilistischen Ebenen vom artifiziellen Kunstgesang bis zur Jazzimprovisation (und hat daneben eine mitreißende Bühnenpräsenz).

Levitins resonanzenreicher, warmer, flexibler Bariton ist – siehe Biografie – auch hervorragend für die Opernbühne geeignet. Doch auch im Volkslied und in liturgischen Gesängen ist er ganz zu Hause.

Den Genuss komplettierte der Klavierpartner der beiden Kantoren: der Pianist Jascha Nemtsov, der erst vor wenigen Wochen das Publikum der Göttinger Aulakonzerte mit seinem souveränen, ausdrucksstarken Spiel begeistert hat. Mit ihrem lautstarken Beifall forderten die Zuhörer zwei Zugaben.

Es wäre wunderbar, wenn man diese außergewöhnlichen Sänger noch einmal, dann hoffentlich vor einem größeren Publikum, in Göttingen hören könnte.

Von Michael Schäfer

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