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Sympathischer Kämpfer für den Jazz

Jazzfestival Sympathischer Kämpfer für den Jazz

Jazz hat viele Formen, und eine davon ist die Sprache. Der Musikjournalist und Autor Karl ist eine ihrer wichtigsten Stimmen in der deutschen und französischen Szene, was er im Rahmen des 35. Göttinger Jazzfestivals im Literarischen Zentrum erneut bewiesen hat.

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Biographie über Coltrane geschrieben: Karl Lippegaus.

Quelle: Pförtner

Lippegaus, der seinem Publikum vor allem durch seine Radiofeatures im WDR bekannt sein dürfte, ist kein Opportunist. Nicht nur zur Musik selbst, sondern auch zu ihrer medialen Rezeption hat er eine deutliche Meinung. Im Gespräch mit dem Lektor Jan Strümpel kritisierte er den im Musikjournalismus oft zelebrierten Heldenkult genauso wie den Elfenbeinturm der Musikwissenschaft. Seine viel beachtete Biografie über John Coltrane, die 2010 erschienen ist, könnte man daher durchaus als dritten Weg verstehen, wie Strümpel vorschlug. Doch geht Lippegaus wirklich eigene Wege?

Tatsächlich hatte er einige Argumente vorzubringen, warum seine Repräsentation der Saxophonlegende vieles besser macht als die Versuche seiner Vorgänger.  Zunächst finde man kein einziges „von unten fotografiertes Ikonenbild“, erzählte der Kölner, den es zum Schreiben immer wieder in sein Häuschen in der Provence zieht. Die Tatsache, dass ausgerechnet sein Buchcover genau aus dieser Perspektive geschossen ist, verleiht dieser Aussage jedoch einen etwas herben Beigeschmack.

Ebenso achte er darauf, Mythen und Anekdoten nicht ungefragt zu reproduzieren. Dieses Versprechen scheint er auch einzulösen, denn sein Bild Coltranes ist zwar ohne Frage das eines Liebhabers, aber dennoch zeigt es sich nicht verklärt. Sein Versuch, die Lebensgeschichte sozialgeschichtlich zu kontextualisieren, zeugt von dieser frischen Perspektive, die eigene Schwerpunkte zu setzen vermag.

Dass er willens ist, auch in weiteren Publikationen für sie einzutreten, bewies Lippegaus auch in einer Äußerung über den verantwortlichen Edel-Verlag: Dieser verlege „zu viele Kochbücher“, wie er mit schelmischem Schmunzeln erzählte.

Es sind Aussagen wie diese, die verdeutlichen, dass Lippegaus für den Jazz in Deutschland eine zentralere Rolle einfordert. Als eigenständige Kunstform sei seine Lieblingsmusik noch immer nicht wirklich akzeptiert, was angesichts der Tatsache, dass der Jazz entgegen der Zeit Coltranes als eigenständiges Fach fest an deutschen Musikhochschulen verankert ist, fast schon von Pessimismus zeugt. „Die großen Konzerthäuser müssen endlich ihre Türen öffnen“, forderte er. Doch auch sofern das noch nicht passiert sein sollte, fragt man sich insgeheim, ob dem Jazz die elitäre Aura der abendländischen Kunstmusik überhaupt gut tun würde.

Wie dem auch sei, Lippegaus ist so sympathisch, weil er nicht nur ein ausgewiesener Kenner des Jazz ist, sondern auch für seine weitere Verbreitung kämpft, ohne sich dabei in eine intellektuelle Minderheit zu flüchten. Man darf daher gespannt sein, was er in Zukunft noch zu sagen hat.

Von Jonas Rohde

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