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00:15 18.10.2016
Am Klavier Solist Kirill Gerstein. Quelle: CH
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Göttingen

Ganz zart, mit sanft rauschenden Harfenakkorden, begann dieser Abend. Liszts Symphonische Dichtung „Orpheus“ war das Eröffnungsstück, eine von Wehmut durchzogene Huldigung an die Macht der Musik, die Mueller in einem leidenschaftlichen Spannungsbogen mit Enthusiasmus und Wärme dem Publikum zu Herzen führte.

Voll kostete der Dirigent den Klangfarbenreichtum dieser Musik aus, die Musiker folgten ihm konzentriert und ausdrucksstark.Schuberts dritte Symphonie setzte dazu einen wirkungsvollen Gegenentwurf. Die jugendliche Heiterkeit, die dieses Werk eines 18-Jährigen ausstrahlt, beflügelte die Spielfreude des GSO. Wunderschön die ganz leicht und locker wirbelnden Tempi der Ecksätze, zu dem die tiefgründig-ernste langsame Einleitung einen starken Kontrast bildet. Ganz zart und beschwingt kam das Allegretto einher, mit Witz das rasche Menuett und sein im Walzertakt schwingendes, terzenseliges Trio.

Den Knalleffekt hatte sich Mueller in diesem Programm für den Schluss aufgespart: das selten zu hörende zweite Klavierkonzert G-Dur op. 44 von Tschaikowsky, und zwar in der Originalfassung, nicht in der üblicherweise gebotenen Bearbeitung von Alexander Siloti. Für die pianistischen Kraftanforderungen dieses Konzerts braucht man einen entsprechend ausgestatteten Solisten – dafür war Kirill Gerstein die ideale Besetzung.

Die geradezu herkulischen Aufgaben seines Parts bewältigte er mit anscheinend unerschöpflichen Kraftreserven. Donnernde Akkordketten schüttelt er auch im raschesten Tempo aus dem Ärmel, kann wunderschöne lyrische Passagen dagegensetzen, dass das Klavier zu singen anhebt, kann den ganzen Zierrat an halsbrecherischen Läufen brillant glitzern lassen. Und wirkt bei alledem so, als sei es eine eher leichte Übung.In dieser Originalfassung gibt es auch im Orchester anspruchsvolle Solopartien: Der zweite Satz ist ein kleines Tripelkonzert für Violine, Violoncello und Klavier. Hier begeisterte die zweite Konzertmeisterin Anna Kaczmarek-Kalandarishvili mit großem Ton und tiefer Empfindung. In der Cellopartie stellte sich erstmals Seo Young Lee vor, seit wenigen Tagen Solocellistin des GSO, nachdem sie zuvor in gleicher Position am Radiosinfonieorchester Wien tätig war.

Ihr Göttinger Debüt gelang glänzend.Mueller sorgte perfekt für die Koordination zwischen Solo und Tutti und ließ viel Raum für die großen Emotionen dieses Konzerts. Brausender, lang anhaltender Beifall. Kurzkommentar einer Konzertbesucherin: „Ganz, ganz großes Kino“.

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Nächster GSO-Termin am Donnerstag, 20. Oktober, um 19.45 Uhr in der Stadthalle: Promenadenkonzert „Zarzuela“ unter der Leitung von Martín Baeza-Rubio.

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