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Symphonie Orchester überzeugt mit Werken von Piston und Gershwin

Atemberaubende Pianissimo-Künste Symphonie Orchester überzeugt mit Werken von Piston und Gershwin

Unter ein spannendes Thema hat Christoph-Mathias Mueller, Chefdirigent des Göttinger Symphonie Orchesters, die diesjährige Konzertsaison gestellt. Es geht um Amerika. Dessen Landkarte in musikalischer Hinsicht enthält aus europäischem Blickwinkel viele weiße Flecken, die zu erforschen lohnend ist.

Walter Piston beispielsweise, Lehrer so populärer Musiker wie Leonard Bernstein oder Leroy Anderson, ist ein Komponist, bei dem man Entdeckerfreuen erleben kann. Mit dessen 1956 entstandener Serenata für Orchester eröffnete Mueller das Konzert am Freitag in der gut besuchten Göttinger Stadthalle.

Auch wenn dieses Werk bereits gut 50 Jahre alt ist, hat es nirgends Staub angesetzt: Geistreich, ausdrucksvoll und auf eine nirgends anbiedernde Weise zugänglich ist diese Musik. Sie fesselt das Interesse des Hörers immer wieder neu und glänzt mit ausgefeilter, farbenreicher Instrumentation. Das große Engagement des Dirigenten und seiner gut disponierten Musiker trug Früchte: Die Begeisterung des Publikums für diese Entdeckung war nachhaltig.

George Gershwins Concerto in F ist hierzulande nicht ganz so populär wie seine Rhapsody in Blue. Doch es steht beispielhaft für die Verschmelzung amerikanischer Musikstile mit den aus Europa überkommenen Formtypen – die Gershwin auf seine eigene, immer faszinierende Weise mit neuem Leben gefüllt hat.

Der Pianist Igor Levit, der erst im vergangenen Sommer sein Examen an der Musikhochschule Hannover absolviert hat, bewies als Solist dieses Konzerts Weltklasse. Ein derart absolut zuverlässiges virtuoses Rüstzeug und eine Gestaltungskraft, die den Balanceakt zwischen Präzision und dem notwendigen Grad an Freiheit jederzeit souverän bewältigt, erlebt man nicht alle Tage. Levits Anschlagskunst reicht von sanftesten Schmeicheltönen bis hin zu stählerner Fortissimo-Kraft, die auch in den wildesten Akkordgewittern nie einfach nur laut, sondern immer durchdacht gestaltet bleibt.

Der Jubel der Zuhörer wollte nach diesem Konzert, das Mueller sehr aufmerksam zwischen Solo und Tutti ausbalanciert hatte, kaum ein Ende nehmen. In der Zugabe stellte Levit noch einmal eindrucksvoll seine atemberaubenden Pianissimo-Künste vor. Mit dem 123. Petrarca-Sonett aus Liszts zweitem, Italien gewidmetem Heft der „Années de Pèlerinage“ erwies er sich als Poet und als Klangzauberer ersten Ranges.

Nicht ganz auf demselben Niveau rangierte das Schlussstück des Abends, die „Images“ von Debussy. Um im Bilde zu bleiben: Die Farbtupfer dieses impressionistischen Gemäldes waren alle wahrnehmbar, nur wollten sie sich noch nicht recht zum Gesamtbild fügen. Dafür hätte es einer klareren Linienführung bedurft. Und die kann sich erst dann einstellen, wenn die Mühe, die Einzelheiten vorzuführen, einer souveränen Gelassenheit hat weichen können.

Von Michael Schäfer

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