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Regional „Syrian Expat Philharmonic Orchestra“ begeistert in Göttingen
Nachrichten Kultur Regional „Syrian Expat Philharmonic Orchestra“ begeistert in Göttingen
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13:01 07.04.2018
Schlussapplaus – und viel Stolz: Der Auftritt des „Syrien Expat Philarmonic Orchestra“ in Göttingen. Quelle: el
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Göttingen

Syrische Musiker, die heute in Europa, Kanada und den USA leben, haben sich zum „Syrian Expat Philharmonic Orchestra“ zusammengeschlossen. Am Freitag gab das Orchester erstmals ein Konzert in Göttingen. Das Publikum im gut besuchten Deutschen Theater war begeistert.

Expat ist das Kurzwort für expatriate, also expatriiert, aus dem Vaterland vertrieben. Gegründet wurde das Orchester 2015. Es umfasst rund 75 Musiker mit Streichern, Holz- und Blechbläsern und Schlagzeug. Nach Göttingen war es in Streicherbesetzung angereist, dazu zwei Sängerinnen, eine Pianistin sowie ein Oud-Solist. Die Oud ist eine Knickhalslaute – das europäische Instrument hat seine Vorfahren im arabischen Kulturkreis.

Außer den Musikern stand auch ein Dichter und Rezitator auf der Bühne: Adnan Alaoda. Er trug seine syrischen Texte derart lebendig vor, dass man auch ohne Sprachkenntnisse deren emotionalen Gehalt unmittelbar zu verstehen meinte. Dennoch war es sinnvoll, dass Moderator Falko Hönisch die Übersetzungen beisteuerte.

Begegnung europäischer und syrischer Kultur

Das Programm umfasste vor allem symphonische Musik aus dem orientalischen Raum und war auf eine Begegnung europäischer und syrischer Kultur ausgerichtet. Zwei der Komponisten waren anwesend. Das Oud-Konzert stammte von Nouri Iskandar, der just am Konzerttag seinen 80. Geburtstag feiern konnte. Sein Kollege Nuri El Ruheibany hatte zwei besonders ausdrucksstarke Lieder beigesteuert.

Ein Gedicht von Adnan Alaoda eröffnete das Konzert, kombiniert mit dem Lied „Lily Girl“ von Iyad Rimawi, bewegend gesungen von der Altistin Basma Jabr mit Klavierbegleitung (Maya Chami). Ihm folgte ein ungewöhnliches Experiment: die Arie „Erbarme dich“ aus Johann Sebastian Bachs Matthäuspassion mit Streichorchesterbegleitung und Solovioline (virtuos: Jehad Jazbeh).

Zwischen Vivaldi und Orient

Den Text sang die auch im klassisch-westlichen Fach beheimatete Sopranistin Lubana Al Quntar sowohl in arabischer als auch in deutscher Sprache. Den Bachschen Orchesterpart reicherten die Spieler hier und da mit orientalischer Intonation an, fügten kleine Verzierungen ein, auch gleitende Tonverbindungen.

Das mag ein wenig aufgepfropft wirken, die Annäherung der Kulturen funktioniert nicht unbedingt geschmeidig. Doch wichtiger ist der Umstand, dass tatsächlich die Bachsche Aussage auch in der Übertragung gen Osten erkennbar blieb, dass sich zudem die Instrumentalisten erkennbar diese Musik zu eigen gemacht hatten.

Mit seinem berührenden geigerischen Bekenntnis zur fernen Heimat („My Beautiful Homeland“), komponiert und vorgetragen von Jehad Jezbah, ging es weiter, bevor Solist Maher Mahmoud mit dem Oud-Konzert von Nouri Iskandar die erste Hälfte des Abends abschloss.

Dieses Konzert steht zwischen den Kulturen: Der anspruchsvolle Solopart – mit Kadenzen, in denen bisweilen einzelne Orchesterinstrumente mit dem Solisten duettieren – hat selbstverständlich viel orientalisches Kolorit, im Orchestertutti kann man dagegen hier und da sogar Anklänge an Vivaldi erkennen. Auch wenn das Konzert ein wenig langatmig war, wurden die Musiker, Dirigent Ghassan Alabaoud und Komponist Iskandar mit reichlich Beifall belohnt.

Tanz und expressive Vokalstücke

Die zweite Hälfte des Abends begann mit einer weiteren Lyrik-Musik-Kombination, gefolgt von zwei sehr expressiven Vokalstücken, darunter „Oh, Vögel“ des anwesenden Komponisten Nuri El Ruheibany. Ein klavierbegleitetes Oud-Solo von Iyad Rimawi sowie Instrumentalstücke der syrischen Komponistin Dia Succari und ein besonders wirkungsvoller traditioneller Tanz von Kareem Roustom rundeten das Programm ab: ein faszinierender Einblick in eine uns bislang weitgehend fremde Kultur.

So hört sich das an

Von Michael Schäfer

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