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Regional Tadashi Endos „Fukushima mon amour“ im DT Göttingen
Nachrichten Kultur Regional Tadashi Endos „Fukushima mon amour“ im DT Göttingen
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00:17 17.01.2013
Arbeitet an seinem bislang persönlichsten Stück: der Göttinger Butoh-Tänzer Tadashi Endo. Quelle: EF
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Göttingen

Wo waren Sie als im März 2011 das Erdbeben, der Tsunami und die Reaktorkatastrophe in Fukushima geschahen?
In São Paulo. Nur langsam drangen die Informationen zu mir durch. Am Abend hatte ich im Theater eine Vorstellung. Erst wollte ich absagen. Doch dann habe ich getanzt – denn das ist meine Möglichkeit als Tänzer, etwas zu sagen.

Wie entstand die Idee, zu Fukushima ein Stück zu konzipieren?
Ich wollte Hilfe leisten. Bei einer Benefiz-Veranstaltung gegen Atomkraft im Göttinger Jungen Theater habe ich mich zum ersten Mal kurz mit der Katastrophe tänzerisch auseinandergesetzt. Dadurch kam es zu der Idee zu dem Stück.

Es trägt den dramatisch-poetischen Titel „Fukushima mon amour“. Um welche Liebe geht es?
Zum einen dachte ich an den Film „Hiroshima mon amour“. Für mich geht es aber auch um die Frage, was uns Menschen glücklich macht. Da ist zum Beispiel die Natur. Auch Haustiere geben uns Glücksgefühle. Doch der Mensch denkt nur an sich und zerstört die Natur. Für mich ist Liebe eine grundsätzliche Haltung.

Sie sind ein Meister der Solo-Performance. Was zeichnet dieses Stück für Sie aus?
Ich wollte diesmal ganz pur sein, und es ist deshalb mein persönlichstes Stück. Zudem ist es das erste Mal, dass ich zu einem aktuellen Thema tanze.

Ist es so persönlich, weil Sie Japaner sind?
Ja! Aber viele Japaner würden sich nicht trauen, ein Stück so zu betiteln. Für mich als im Ausland lebender Japaner ist es wichtig, meine Sicht Japan mitzuteilen. Meine große Liebe zu dem Land kann ich so von außen besser zeigen.

Was erwartet den Zuschauer neben dem Tanz?
Eine sehr emotionale Musik, die der Brasilianer Daniel Maia exklusiv für das Stück komponiert hat. Er hat deshalb vier Wochen bei mir gewohnt und gearbeitet – eine neue  Erfahrung für mich.

Der Atomtechnologie setzen Sie die Zerbrechlichkeit des Butoh-Tanzes entgegen. Ist das Stück für Sie politisch?
 Ja und nein! Ich möchte Fragen stellen: Was fehlt uns? Warum passieren solche Katastrophen immer wieder? Warum müssen wir immer wieder traurig sein? Mir geht es um die Liebe nicht nur zu den Menschen, sondern auch zur Natur und auch darum, die Toten zu achten und zu würdigen.

Was ist die Stärke vom Ausdruckstanz Butoh, um solche Fragen zu stellen?
Butoh entstand als Protestbewegung in den 50-er Jahren. Dies brachte einen extrem schmerzhaften Ausdruck hervor, der in eine positive neue Richtung weist. Mein Tanz ist nie harmlos, stets auch schmerzhaft, aber doch immer mit einem Stück Hoffnung verknüpft.

Welche weiteren Aktivitäten planen sie 2013?
Mit dem neuen Stück werde ich in Südamerika und Europa auftreten. Für die Hamburger Staatsoper habe ich Mozarts „Don Giovanni“ choreografiert und tanze selber den Tod. Zudem sind weitere sehr spannende Projekte geplant, über die ich aber noch nicht sprechen möchte.

Im Dezember feierte Ihr Göttinger Mamu-Centrum sein 20-jähriges Bestehen. Wie hat sich das Centrum entwickelt?
Ich bin stolz, so lange durchgehalten zu haben! Mittlerweile nehmen durchschnittlich rund 30 Teilnehmer bei jedem Butoh-Workshop teil – das Interesse wird deutlich größer. Durch meine internationalen Auftritte kommen immer mehr ausländische Butoh-Schüler zu Workshops nach Göttingen.

Tadashi Endos Produktion „Fukushima mon amour“ hat am Sonnabend, 26. Januar, um 19.45 Uhr Premiere im Deutschen Theater Göttingen. Kartentelefon: 05 51 / 49 69 11.

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