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„Tao – Die Kunst des Trommelns“ in der Göttinger Stadthalle

Überzeugend „Tao – Die Kunst des Trommelns“ in der Göttinger Stadthalle

Wer an diesem Wochenende an Kopfschmerzen litt und sich dennoch in die Göttinger Stadthalle geschleppt hat, hatte wahrscheinlich nicht so viel Spaß wie das restliche Publikum. Trommeln, in die fast ein Kleinwagen passt, werden mit riesigen Schlägeln alles durchdringend gespielt.

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Musiker schlägt um sich: Keine der Trommeln soll an diesem Abend vernachlässigt werden.

Quelle: Heller

Musiker versetzten die Felle anderer Schlagwerke so schnell in Schwingung, dass das bloße Auge kaum folgen kann. Wilde Schreie gellen, wie Krieger tanzen die Akteure. Die Show „Tao – Die Kunst des Trommelns“ hat Station in der nahezu ausverkauften Stadthalle gemacht.

Zu Beginn ist die Bühne noch in schummriges Licht getaucht. Leichter Nebel wabert, Wasser plätschert meditativ. Plötzlich taucht eine einzelne Gestalt auf und beginnt zarte Töne auf einer traditionellen japanischen Querflöte zu spielen. Nach und nach erscheinen immer mehr Menschen auf der Bühne, und neben Blasinstrumenten sind auch die ersten Trommeln zu hören. Die Lautstärke nimmt genauso zu wie die Anzahl der Künstler. Manche spielen Instrumente, andere schwingen virtuos Stäbe.

Die 13-köpfige Gruppe kann mehr als nur auf die Pauke hauen.

Die fulminante Eröffnung des Abends reißt das Publikum mit. „Das ist unglaublich, wie schnell die trommeln können“, sagt ein junger Zuschauer in einer kurzen Pause. Das Publikum wird auch gleich in die Show einbezogen. Zwei Trommler machen mit Mimik und Gestik klar, dass sie einen Rhythmus vorgeben, den das Publikum durch Klatschen aufnehmen soll.

Etwas zögerlich und mit leichten Startschwierigkeiten steigen die Besucher ein. Mit jedem Versuch werden sie besser. Als die zwei Trommler zusätzlich einen Schrei und eine ausladende Geste einbauen, braucht das Publikum allerdings wieder ein wenig, um sich darauf einzulassen. Aber die Rhythmusgeber verstehen es, das Publikum zu animieren.

Das gelingt der gesamten Truppe auch durch komödiantische Elemente. Mehrere Musiker treten mit tennisschlägerartigen Trommeln auf, die alle unterschiedlich groß sind. Sie spielen Tennis – bloß ohne Ball. Die vermeintlichen Treffertöne spielen die Akteure auf den Trommeln – variierende Größe, unterschiedliche Tonhöhen. So erklingt während des Spiels plötzlich „Oh, when the saints“.

Die Gruppe erzeugt die Töne nicht nur durch zahlreiche verschiedene Trommeln, sondern auch durch weitere traditionelle japanische Instrumente. Einige Musiker spielen auf dem Shamisen, einem dreisaitigen Lauteninstrument, andere auf dem Koto, einer mit Seide bespannten Zither.

Doch im Mittelpunkt stehen ganz klar die Trommeln. Mal spielen die Künstler sie leise, mal ausgiebig laut. Mal springen und tanzen sie mit den Instrumenten, mal sitzen sie still auf dem Boden. Und sie verbinden klassische japanische Trommelkunst mit der Moderne. Die Musiker bedienen sich hin und wieder beim Pop.

Fast alles wird live gespielt. Bei einem Arrangement kommt die Gruppe nicht ohne Einspieler aus. Kein Wunder: Sechs Akteure können hier nichts für das Gehör bieten, weil sie damit beschäftigt sind, geschickt Lichter an einem Seil auf der abgedunkelten Bühne zu schwingen.

Das Ensemble tauscht die Trommeln auf der Bühne schnell und fließend aus. Als die größte Trommel der Show erscheint, sagt eine Zuschauerin begeistert: „Auf die habe ich schon den ganzen Abend gewartet. Die ist total beeindruckend.“ Und tatsächlich: Das riesige Instrument hält was es verspricht.

Der Musiker spielt mit viel Kraft und dominiert das gesamte Arrangement. Nicht nur das präzise Trommeln und die Musik, sondern auch die Choreographien mit Laternen, Stäben oder bloßer Körperästhetik überzeugen. Zwei Stunden rhythmisches Trommeln können tatsächlich unterhalten. Das Publikum spendet langen Beifall.

Von Friedrich Schmidt

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