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Teuflisches Märchen mit Pferdefuß

Rathausserenade mit GSO-Musikern Teuflisches Märchen mit Pferdefuß

Musiktheater in der Rathausserenade: Sieben Musiker des Göttinger Symphonie-Orchesters haben unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller Igor Strawinskys „Geschichte vom Soldaten“ aufgeführt. Als Sprecher sorgte Peter Christoph Scholz intensiv für eine dichte Atmosphäre.

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Schon traditionell: Musiker des Göttinger Symphonie-Orchesters im Alten Rathaus.   

Quelle: Hinzmann

Göttingen. Der Soldat besitzt, wie oft im Märchen, kein Geld, aber eine Geige. Die luchst ihm der Teufel ab, lässt sich vom Soldaten Geigenunterricht geben und belohnt ihn mit einem Zauberbuch, aus dem er Zukünftiges erfahren kann. Aber, wie so oft beim Teufel, hat die Geschichte einen Pferdefuß: Zum einen hat der Unterricht nicht etwa drei Tage gedauert, wie ihm der Teufel weisgemacht hat, sondern volle drei Jahre. Und zum anderen nützt dem Soldaten das Buch nur in Sachen Geld, jegliches Glück ist ihm versagt. Am Ende bekommt der Teufel die Seele des Soldaten.

Teufel und Prinzessin

„Gelesen, gespielt und getanzt“ wird dieses Stück laut Strawinsky. Soldat, Teufel und eine Prinzessin treten auf, sprechend, zum Teil auch tanzend. Doch wird die Geschichte auch ohne Darsteller eindrucksvoll transportiert: Der gesprochene Text allein sorgt bestens dafür – vor allem dann, wenn er derart farbig vorgetragen wird, wie es Scholz getan hat.

Dieser überzeitlichen, märchenhaften, traurigen Geschichte ohne Happy-End unterlegt Strawinsky eine kantig akzentuierte, tänzerische Musik. Geprägt ist sie von den Tanzmoden der Entstehungszeit kurz nach dem Ersten Weltkrieg: Neben etlichen bösen Märschen (nein, schneidig sind die wahrlich nicht) hört man unter anderem einen Tango, einen Walzer und einen Ragtime. Auch diese Tänze sind absichtlich verzerrt, genau wie die eingeschobenen Choräle.

Virtuos wie rhythmisch

Vielerorts dominiert in diesem Stück die Geige als Instrument des Soldaten, von Natalia Scholz mit scharfem rhythmischen Profil und fein schattierten Klangfarben vorgeführt. Der Kontrabass (behend: Holger Michalski) ist für Basistöne und perkussive Elemente zuständig. Vier Bläser – brillant: Manfred Hadaschik (Klarinette), Ömür Kazil (Fagott), Tobias Lehmann (Kornett) und Roman Usenko (Posaune) – sind virtuos wie rhythmisch gefordert. Von den vertrackten Taktwechseln und Akzentverschiebungen ließen sich weder Schlagzeuger Johannes Karl noch Dirigent Mueller irremachen. Ein vom ersten bis zum letzten Augenblick spannender Abend.

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