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„The Elephants“ im Göttinger Live-Club Nörgelbuff

Konzert „The Elephants“ im Göttinger Live-Club Nörgelbuff

Ein Hoch auf den dänischen Staat. Nicht nur, dass der Däne gemeinhin als sympathisch gilt, nein, der dänische Staat betreibt popmusikalische Musikförderung. Bands werden unterstützt, wenn sie auf Tourneen in das Ausland reisen. So sind auch die fünf Kopenhagener Botschafter des Pops von „The Elephants“ in den Göttinger Nörgelbuff gelangt, die bei ihrem zweiten Auftritt am Platze ein euphorisiertes Publikum hinterließen.

Dabei hatte der Abend nicht einfach für die Lokalmatadoren der Vorband „Telesushi“ begonnen, die ihre frisch erschienene CD „Endeavourle“ im Gepäck hatte. Sie sahen sich einem voll bestuhlten Konzertraum gegenüber. Dort hockte ein wohlwollendes, nicht eben lebhaftes Publikum und folgte dem Indie-Pop der Gruppe um Sängerin Karin Reilly mit ihrer glockenhellen Stimme. So quirligen Gitarrenpop, wie ihn die fünf Musiker an diesem Abend präsentierten, kann man sitzend zwar goutieren, doch ist der Stuhl der natürliche Feind des Tanzbeins.

Wie sieht er aus, der perfekte Pop-Song, der in drei Minuten und dreißig Sekunden eine Ahnung davon gibt, was an der Welt schön ist oder sein könnte oder gewesen ist; der eingängig ist, ohne seicht oder banal zu sein? Eine Antwort geben die Elephants.

Klöppelnde Kuhglocke

Sänger Bjarke Bendtsen hebt mit seiner Konzert-Okulele zum ersten Song „The Organ Grinder“ an, dazu kommen eine verklärt hallende Gitarre, im Hintergrund klöppelt die Kuhglocke, und schon hier, im allerersten Lied, eröffnet sich der ganze Bandkosmos, die Beschwörung der verlorenen Magie der Jugend. „There’s a himmingbird inside, there’s a cinema inside, there’s a continent inside“, singt der lakonische Schlaks Bendtsen. Das klingt wie die introspektive Sehnsucht nach dem Sommer; verspielt, dann monoton, wie eine Fahrt ans Meer mit dem stundenlangen schlafwandlerischen Blick aus dem Fenster, um dann am Ziel dem Rauschen der Wellen zu lauschen, und nach durchwachter Nacht in das Zwielicht des Morgens zu blicken.

Im Universum wehmütig-euphorischer Beach-Boys wird statt „Surfin’ USA“ im Fichtenwald am Strand gewandert. Im Hintergrund hämmert der Specht, es keckert der Fuchs. Das polyphone Stimmengewirr spiegelt sich in der Instrumentierung, die das Dreigestirn aus Gitarre, Bass und Schlagzeug ergänzt. In Tuba, Klanghölzern, Harmonica, Orgel oder Lapsteel und dem außerweltlichen Klang der Ätherwellengeige, dem Theremin. Das steigert sich in den kontrollierten Exzess, das sind zeitlose, zerbrechliche, kraftvolle Songminiaturen. Das ist eine Perle am Strand von Sehnsuchtsland.

Von Erik Westermann

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