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15:33 25.06.2018
Theaterpädagogin und Kinder- und Jugendcoach Daniela Urban war an der Produktion von "Das kalte Herz" im Deutschen Theater beteiligt. Quelle: Christina Hinzmann
Göttingen

Sie lacht so herzlich, dass ihre Augen unter dem rotbraunen Pony nur so strahlen und man gern mitlachen möchte, und ist „haltlos verliebt in alle acht Kinder“, mit denen sie im Deutschen Theater gearbeitet hat: Nein, Daniela Urban hat kein kaltes Herz. Mit dem Protagonisten des Stücks „Das kalte Herz“, der sein Herz gegen Vermögen und Prestige eintauscht, hat die 41-Jährige nichts gemeinsam. Mit dem Stück selbst hat sie hingegen viel zu tun: Als selbstständige Theaterpädagogin inszenierte sie die acht mitspielenden Kinder.

Dafür ist die gebürtige Göttingerin für sechs Wochen wieder in ihre Heimatstadt gekommen. Schon während ihres Studium – „alibimäßig“ nennt sie es selbst, das Theater wurde dann doch wichtiger – spielte sie viel am Theater im OP (ThOP) und später im Jungen Theater, wo sie dann unter dem damaligen Intendanten Andreas Döring auch als Theaterpädagogin arbeitete.

Theaterpädagogin durch „learning by doing“

„Ich hatte keine Lust, nochmal auf eine Schauspielschule zu gehen und bin dann Theaterpädagogin geworden“, erzählt Urban. „Learning by doing“ sei ihr Konzept gewesen: Rund vier Jahre arbeitete sie mit den Spielclubs, machte Werbung an Schulen und vieles mehr.

„Dann war die Luft raus und ich wollte eine neue Herausforderung“, sagt Urban, die mittlerweile in Esslingen lebt. Sie bekam eine Stelle als Theaterpädagogin am Schauspiel Stuttgart – woran sie selbst erst nicht geglaubt hatte: „Ich hatte keine richtige Ausbildung und war viel zu alt“, sagt Urban lachend. Es folgte vier Jahre später die Arbeit im Leitungsteam der Theaterpädagogik an der Württembergischen Landesbühne in Esslingen, bevor sie sich nach längerer Krankheit selbstständig machte.

Selbstständigkeit und Regisseur Foerster brachten Urban zurück nach Göttingen

„Das ist abwechslungsreicher, man wird langsamer müde“, sagt Urban, die sich selbst als eher unsteten Menschen bezeichnet, über die Selbstständigkeit. „Alles ist nur eine Zeit lang schön“, findet sie, und ergänzt lachend: „Außer die Ehe.“ Die Selbstständigkeit und „dieser Typ, der schon als Schüler alle Preise abgeräumt hat“, wie die Theaterpädagogin es scherzend sagt, brachten sie zurück nach Göttingen. Gemeint ist Daniel Foerster, wie Urban gebürtiger Göttinger und der Regisseur von „Das kalte Herz“. Er habe sie gefragt, ob sie als Theaterpädagogin und Kinder- und Jugendcoach bei der Produktion mithelfen wolle.

So kam es, dass sie im Februar diesen Jahres gemeinsam acht Kinder aus den Jugendclubs des Deutschen Theaters casteten – mit denen Urban anschließend in sechs Wochen Proben die Szenen einarbeitete. „Das ist eine ganz andere Arbeit als mit Erwachsenen oder Profis“, sagt sie. Man habe weniger Zeit, weil die Kinder nicht so viel arbeiten dürften, und müsse ganz anders ansetzen. „Man muss sich langer vorher überlegen, wo man hinwill und kann nicht viel korrigieren.“ Gleichzeitig brächten die Kinder, einfach weil sie sich noch nicht so viele Gedanken machten, eine besondere Frische und Authentizität mit.

Kinder sind „Statisten deluxe“ in „Das kalte Herz“

Aber welche Rolle spielen Urbans Kinder überhaupt in dem Stück nach dem Märchen von Wilhelm Hauff? „Statisten deluxe“ nennt Urban ihre Schützlinge. Sie seien – und nun wird es kompliziert – eine Art Weltenkraft, Natur, etwas Zwischenmenschliches, das Peter Munk, den Protagonisten, der sein Herz eintauscht, ständig begleiteten.

„So ein scheinbar diffuses Konzept Elfjährigen vorzulegen, ist natürlich schwierig“, sagt sie. Umso stolzer sei sie, dass die ihre Rollen gefunden hätten und sicher damit umgingen. Kein Wunder, dass Urban „haltlos verliebt“ ist in ihre Zöglinge. Wegen denen sie übrigens gerade wieder zu Besuch in Göttingen ist: „Ich war seit der Premiere nicht mehr da und wollte sie unbedingt noch mal sehen“, sagt sie.

Die nächste Vorstellung von „Das kalte Herz“ im Deutschen Theater ist am Mittwoch, 27. Juni.

Von Hannah Scheiwe

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