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Regional Wegschauen ist keine Option
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14:06 28.10.2018
Thomas Godoj im Göttinger „Exil". Quelle: Jörg Linnhoff
Göttingen

Wer auf geradem Weg eine Castíngshow gewinnt und auch nach zehn Jahren noch da ist und Erfolg hat, der kann nicht so viel falsch gemacht haben. Thomas Godoj hat gerade mit „13 Pfeile“ sein siebtes Studio-Album veröffentlicht und machte damit vor begeisterten Fans im Göttinger Live-Club Exil Station.

Den Support, der eigentlich mehr als ein solcher war, macht die fünfköpfige 2012 gegründete Kölner Band „Like Snow“ um den Sänger und Gitarristen Niels Schneberger. Und die legt vom Start weg mächtig los mit gitarrenbetontem, treibenden, rhythmischen Folk-Pop und mehrstimmigem Gesang. Mit „Beauty & Fear“ haben sie gerade ihren ersten Longplayer veröffentlicht. Ihre Single „We Come Running“ ist eine krachende Hymne, „Golden Boots“ handelt vom unbändigen Ruf des Abenteuers, und der Titelsong „Beauty & Fear“ wird zum Publikumschor. Mit „Happy New Year“ beenden sie ihren mitreißenden Auftritt und bereiten auf beeindruckende Weise die Bühne für Godoj.

Weg vom Kuschelrock-Image

Auf dem neuen Album wartet Godoj mit kantigen, harten, gitarrenlastigen Klängen weg vom Kuschelrock-Image auf. Und die bringt er mit seiner vierköpfigen Band um die Gitarristen Sebastian Netz und Thomas Spindeldreher, sowie Sebastian Heuckmann am Bass und Olli OZ Schmitz an den Drums noch einen Schlag härter auf die Bühne.

„Brot und Spiele für die ganze Welt, Hallo! Sensation! Gladiatoren ohne Schwert und ohne Schild verbluten am Thron....“ singt Godoj mit tiefer, leicht näselnder Stimme zu schneidend harten Gitarren. Auf seine Aussage „Er versuche ein bisschen härter zu werden“ entfährt einer Besucherin ein (vor-) lautes „Oh nein“. Aber mit „Licht“ wird der Sound dann noch düsterer in Richtung Death Metal. Selbst das als Ballade angekündigte „Liebe zur Sonne“ mündet zwischenzeitlich in ein Gitarreninferno.

Aber seine Fans sind ihm auch auf diesem Weg gefolgt, und ein Großteil der Besucher erweist sich als ausgesprochen textsicher. Godoj weiß, wie er sein Publikum mitnehmen kann. Zu der Hymne „Bester Tag“ taucht er in den Raum ab und feiert hautnah mit seinen begeisterten Fans.

Zu „Mundwerk“ dürfen sich seine Musiker noch mal so richtig solistisch austoben, bevor sie kurz die Bühne verlassen, um dann aber mit „Keine Option“ und voller Kante gegen Rechts zurückzukommen. „Schaust du weg, bist du Teil des Zerfalls, Teil von denen, die nichts wissen wollten. Haben wir aus gestern denn gar nichts gelernt? Braun ist und bleibt keine Option“ singt Godoj in dem Song und bezieht klar Stellung, dass Wegschauen keine Lösung ist. Und dann ist es wohl „So gewollt“, dass er mit Unterstützung vielzähliger Stimmen zu diesem letzten Song seine restlos begeisterten Fans in die kalte Herbstnacht schickt.

Beim neutralen Beobachter bleibt etwas Ratlosigkeit ob dieses fast dauerhaft lärmenden Auftritts. Denn musikalisch ist die Nische vielfach anderweitig besetzt, und auch die Texte haben teils diese unechte Tiefe bis hin zum Schlagerformat. Für die Fans war der Auftritt von Godoj jedoch ein einziges Fest.

Der Castingshow-Gewinner begeistert seine Fans beim Auftritt. Mit dabei: die Kölner Band Like Snow

Von Jörg Linnhoff

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